11.08.2020 - 16:24 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Speinshart eine große Bühne für den "Summer of Love"

Es ist das einzige Konzert des Bayreuther Festivals junger Künstler, das heuer angesichts der Covid-19-Pandemie in Speinshart stattfindet. Was die jungen Spitzenmusiker trotz der Umstände in der Klosterkirche bieten, ist grandios.

Aus Anlass des 70. Festivals junger Künstler Bayreuth kommt es in der Klosterkirche Speinshart zu einem spektakulären Auftritt junger Spitzenmusiker. Als "Mellon Ensemble" verwöhnt das Streichsextett das Publikum mit "Souvenir de Florence". Es ist in Coronazeiten das einzige Konzert des Bayreuther Jubiläumsfestivals in Speinshart.
von Robert DotzauerProfil

Wie könnte man einen Frühling der schlechten Nachrichten besser hinter sich lassen als durch einen Sommer der Liebe? Die Liebe zur Musik und zur Kultur ist das, was die Teilnehmer am Festival junger Künstler Bayreuth miteinander verbindet. Über alle Grenzen hinweg: Kultur schafft gemeinsames Nachdenken, Gemeinsamkeit, Solidarität.

Genau in diesem Sinne versteht sich auch das „Mellon Ensemble“. Mit einem Klassik-Konzert der Extra-Klasse beeindruckten sechs junge Spitzenmusike das große Speinsharter Stammpublikum. In der Corona-Pandemie ist es in diesem Jahr das einzige Konzert im Zuge des 70. Bayreuther Festival-Sommers in der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart.

Hauptwerk des hochsommerlichen Konzertnachmittags in der Klosterkirche war das Streichsextett von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky mit dem Titel „Souvenir de Florence“. Immer wieder gibt es Stücke, die zwar für wichtig gehalten werden, die man im Konzertsaal aber fast nie zu hören bekommt. Eines davon ist Tschaikowskys Werk über die „Erinnerungen an Florenz“. Gilt der Künstler hierzulande immer noch als Komponist der „russischen Seele“, so schwelgten am Sonntag die Besucher in der Klosterkirche dank des makellosen Musizierens in vermeintlich mediterranem Ambiente. Die elegische Melodie war dem Künstler während der Arbeit an "Pique Dame" eingefallen, als er für drei Monate in Florenz weilte. Im heimatlichen Russland, nicht am Ufer des Arno selbst, komponierte er dann sein „Souvenir de Florence“.

Das "Mellon Ensemble" stellte sich in Speinshart mit dem Meisterwerk im Gepäck als homogenes, eingespieltes Streichsextett vor. Hohe Ausdrucksintensität, eingängige Melodik und kunstvoll ausgewogene kammermusikalische Durcharbeitung waren der Gradmesser für die Interpretation eines der heitersten, lebensbejahendsten Kompositionen des russischen Meisters. Das „Souvenir de Florence“ ist klassisch konzipiert. Beginnend mit dem "Allegro con spirito" verdichten sich in der Folge des "Adagio cantabile", des "Allegro moderato" und des "Allegro vivace" Stimmung und Klang, bis nach einer großen Steigerung die hymnischen Töne russischen Charakters hervortreten.

Vielfältig sind dennoch die „Andenken an Florenz“ und die romanischen Erinnerungen an Italien, die das Ensemble mit lieblichen Melodien und fesselnder Rhythmik in romantische Tonmalereien verwandelte. Die lichte Stimmung der Sätze wirkte wie eine Hommage an das florentinische „Exil“ des Komponisten. Immer wieder betonten die sechs Streicher die Selbstständigkeit und Gleichwertigkeit ihrer Stimmen, an denen Pjotr Iljitsch Tschaikowsky so sehr gelegen war. Das Finale mit dem "Allegro vivace" steigerte sich zur veritablen Doppelfuge. Die große Palette dieser Ausdrucksmöglichkeiten wussten die sechs Streicher bestens auszufüllen.

Tschaikowsky zur Seite stellte das "Mellon Ensemble" – bestehend aus je zwei Violinen, Bratschen und Celli – heitere Serenadenmusik von Wolfgang Amadeus Mozart. In Speinshart suchten die Künstler nach Referenzen des russischen Komponisten an Wolfgang Amadeus Mozart. Diese finden sich nicht nur in der Suite „Mozartiana“: Das Sextett begann das Konzert mit der "Sinfonia Concertante, KV 364, in Es-Dur", und gleich die ersten Akkorde elektrisierten. Im "Allegro maestoso", im "Andante" und schließlich im "Presto" schienen die Streichinstrumente innere Zwiesprache zu halten. Das Publikum inspirierte Mozarts Sehnsucht, seine Melancholie und seine Frustration nach einer katastrophalen Paris-Reise im Januar 1779, die vom Tod seiner Mutter überschattet wurde.

Für das Ensemble war die "Sinfonia Concertante" in einer der prächtigsten Barockkirchen Süddeutschlands die große Bühne für einen spektakulären Auftritt. Sehnsuchtstöne mit einer Mischung aus Glück, Zärtlichkeit und Traurigkeit verzückten die Zuhörer: eine Interpretation zwischen Sinfonie und Solokonzert, tiefgründig und feierlich. Doch am Ende galt es, all dem mit einem "Presto"-Finale zu entfliehen - es erschien wie ein Himmelsflug. Das galt auch für die Zugabe, die sich das begeisterte Publikum erklatschte.

Konzerte in der Internationalen Begegungsstätte Kloster Speinshart

Speinshart
Im Blickpunkt:

"Mellon Ensemble"

In J. R. R. Tolkiens Fantasiesprache es es das Wort für „Freund“, das das Ensemble für seinen Namen verwendet. Die Musiker der Gruppe bringen eine breitgefächerte Erfahrung in fast jedem Repertoire in die Konzertsäle. Neben führenden Orchestern Deutschlands – wie dem Bayerischen Staatsorchester, dem Museumsorchester Frankfurt, den Bamberger Symphonikern und dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks – sind die Künstler in verschiedenen Ensembles aktiv, zum Beispiel im "Vision String Quartett", im "Berlin-Tokyo Quartett" und im "Gradus ad Parnassum".

Vereint wird das Sextett durch die große Lust, gemeinsam Kammermusik in eher ungewöhnlichen Besetzungen zu machen. In der Corona-Zeit haben sich Jueyoung Jang und Akiko Ueno (Violine), Benjamin Beck und Katharina Henke (Viola) sowie Stanislas Kim und Felix Thiedemann (Violoncello) zusammengetan, um in Streichsextett-Besetzung bekanntr Orchester- und Opernwerke zu erarbeiten. (do)

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