30.06.2020 - 10:43 Uhr
SpeinshartOberpfalz

In Speinshart verbünden sich Orient und Okzident

Zwei Musiker, zwei Instrumente, zwei Kulturräume: Arabische Klänge und westliche Musik treffen sich in der Klosterkirche. Das Zusammenspiel wird zu einer faszinierenden Hörerfahrung

Nach dem coronabedingten Aus feiert in der Klosterkirche Speinshart die Kultur ihr Comeback. Mit einem Konzert für Oud (Fadhel Boubaker) und Kontrabass (Tobias Schmitt) trifft die Begegnungsstätte dabei eine gute Wahl.
von Robert DotzauerProfil

Der Neustart in der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart nach der coronabedingten kulturellen Zwangspause ist gelungen. Nach der Lesung über Johann Troglauer im Musiksaal und der Ausstellungseröffnung des Künstlers Ramón de Jesús Rodriguez im Konventgang beflügelte auch die Musik den Wiederbeginn. Zwar waren in der Klosterkirche nur 70 Besucher zugelassen, die sich beim Konzert des Duos „Oud und Kontrabass“ in der 400 Plätze fassenden Klosterkirche etwas verloren.

Aber immerhin: Der Hunger nach Kultur siegte am Sonntagabend über das Virus - für Thomas Englberger, den Leiter der Begegnungsstätte, ein Silberstreif am Horizont. Die Speinsharter Stammkundschaft war trotz Mundschutz beim Betreten des Gotteshauses wiederzuerkennen: ein Glücksmoment für den Chef sowie für einen Ort des Glaubens und der Kultur. Dieses Gotteshaus für die Welt der Musik zu öffnen, gehöre zum Selbstverständnis der Begegnungsstätte, befand Englberger. Unverzüglich nahmen sich die beiden Musiker dieses Hochgefühls an.

Getragen von einem traumwandlerisch sicheren Zusammenspiel von Oud und Kontrabass schufen Fadhel Boubaker (Oud) und Tobias Schmitt (Bass) ein Geflecht verschiedener Musikstile vom Jazz-Beat bis zur Ornamentik östlicher Finesse. Statt Gitarren-Jazz genoss das Publikum den weichen Klang des Oud, eines Instruments, das vor gut 1200 Jahren mit den Mauren und später mit den heimkehrenden Kreuzfahrern nach Europa kam.

Das erhabene Instrument schlug ein wahrer Meister mit dem Kiel einer Adlerfeder an. Aber die Oud kann auch ganz anders: Selten hat man dieses Instrument so lässig-bluesig gehört. Fadhel Boubaker zeigte zusammen mit dem Bassisten Tobias Schmitt zwar viel Respekt vor der orientalischen Tradition. Aber den Ton gaben die westliche Jazz- und Bluesmusik an.

Kein Zufall waren die ungeheure Spielfreude und das perfekte Zusammenspiel: Beide Künstler hatten sich schon bei Workshops des Jugend-Festivaltreffens Bayreuth getroffen. Die so geschaffene Klangharmonie berauschte auch in Speinshart. Eine ruhig-meditative Grundstimmung erfüllte die Klosterkirche. Doch auch die bluesig-jazzigen Überraschungen, zum Teil mit Eigenkompositionen gewürzt, imponierten. Ständig entdeckten die 70 Besucher neue Facetten internationaler Musikgenres.

In der Besetzung sahen viele Besucher auch eine politische Botschaft. Ein Musiker aus Tunesien, einer aus Deutschland und dazu ein Repertoire aus Orient und Okzident: Die Gegensätze schienen nur scheinbar unüberbrückbar. Eine herzliche Verbindung und ein fruchtbringender Austausch im gegenseitigen Respekt waren die musikalische Antwort. Auch deshalb durfte die frühmittelalterliche orientalische Kurzhalslaute so richtig den Ton angeben.

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