18.10.2019 - 16:16 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Wildkräuter: Vom Garten auf die Haut

Wildkräuter sind in aller Munde. Doch Ringelblume und Co. lassen sich nicht nur prima essen, sondern machen sich – passend zur Herbstzeit – auch gut als Salbe oder Badekugel. Wie das geht, wissen zwei Damen vom Kloster Speinshart.

Aus Ringelblumen lassen sich wohltuende Salben und Badekugeln herstellen. Rita Raps (links) und Jutta Bundscherer wissen, wie das geht.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Ein Garten voll ungewöhnlicher Kräuter erstreckt sich entlang der alten Klostermauer. Da wachsen neben Salbei, Dill und Liebstöckel, den Promis im Gewürzschrank, zum Beispiel auch Eibisch und Ringelblumen. In satten Gelb- und Orangetönen leuchten die Blütenköpfe der Ringelblumen zwischen den vielen anderen Wildkräutern hervor. Rita Raps (54) zupft die Blüten mit flinker Hand ab und legt sie in eine Schüssel. Die Blütenblätter brauchen die beiden Klosterköchinnen später für eine ihrer Salben. Nicht weit entfernt stößt Jutta Bundscherer den Spaten immer wieder in die Erde. Die 53-Jährige gräbt Eibischwurzeln aus. Sie muss fest an der Pflanze rütteln und ziehen, um an die Wurzel zu kommen. Mit einem letzten Hauruck holt die zertifizierte Kräuterführerin die Pflanze komplett aus der Erde, schneidet ein Stück der Wurzel ab und gräbt den Eibisch wieder ein. „Er wächst wieder an“, erklärt sie.

Zurück in der Klosterküche muss Bundscherer das Wurzelstück erst einmal kräftig schrubben. Mit Bürste und Wasser rubbelt sie die Erdreste ab. Die Farbe, die zum Vorschein kommt, erinnert an Ingwer. Danach schält die Köchin die Wurzel und schneidet sie in Stücke – 25 Gramm sollten es sein. Die kleinen Scheiben kommen zum Einweichen in ein Glas Wasser. 24 Stunden muss nun alles ziehen. „Die Wurzeln werden schleimig, so glitschig wie Pilze“, erklärt Bundscherer. Während der kalten Jahreszeit helfe die Pflanze deshalb besonders gut gegen trockene Hände. „Es entsteht ein Schutzfilm auf der Haut“, weiß die 53-Jährige.

Für ihre feuchtigkeitspendende Handcreme aus Eibischwurzel füllt sie zunächst zwei Esslöffel fein gemahlene Mandeln, einen Teelöffel Apfelessig und einen mit Milch in eine Schüssel. Alle Zutaten verrührt sie zu einer Masse und vermengt diese noch mit einem Esslöffel des angesetzten Eibischwassers. „Man kann auch Mandelöl nehmen, dann bleiben keine Brösel auf der Haut zurück“, sagt Bundscherer, während sie sich die Hände eincremt. Die Eibisch-Handcreme sei nicht lang haltbar, deshalb müsse sie kühl gelagert und schnell aufgebraucht werden. „Man muss sie halt immer wieder neu machen“, betont die Kräuterführerin. „Wurzeln verwendet man aber sowieso am besten im Herbst. Von Oktober bis März ist die Kraft der Pflanze in der Wurzel.“

Zeitgleich kommen bei Rita Raps getrocknete Ringelblumenblütenblätter zum Einsatz. Die 54-Jährige ist angehende zertifizierte Kräuterführerin und ebenfalls Köchin im Kloster. Die Blüten nimmt Raps dieses Mal aber nicht zum Kochen her, sondern für Badekugeln. „Die Blütenblätter werden ganz fein gemahlen“, erzählt sie, während das Gerät vor ihr summt. Neben ihr schmelzen 50 Gramm Kokosöl in einer Schüssel, darunter plätschert ein heißes Wasserbad. Dann hat die Waage ihren Einsatz. 100 Gramm Haushaltsnatron, 50 Gramm Speisestärke und 50 Gramm Zitronensäure werden fein säuberlich abgewogen. Zwei Teelöffel Honig, die pulverisierten Ringelblumenblütenblätter und das flüssige Kokosöl gibt Raps auch noch dazu. „Man könnte auch noch Speisefarbe nehmen oder ätherische Öle, aber die Ringelblume hat von sich aus schon eine kräftige Farbe“, erklärt Raps, während sie die Masse, die sich wie nasser Sand anfühlt, in kleine Rosenförmchen aus Silikon drückt. Die Förmchen kommen für 30 Minuten ins Tiefkühlfach. „Ringelblumen wird nachgesagt, dass sie die Wundheilung unterstützen“, fügt Bundscherer hinzu. Bei kleinen Schürfwunden oder Sonnenbrand seien sie sowohl als Badekugel als auch als Salbe hilfreich.

Aber nicht nur Ringelblumen eignen sich als Badekugeln-Zutat. „Zitronenmelisse, Pfefferminze, Salbei, Rosmarin, sogar Tannennadeln kann man nehmen“, zählt Bundscherer auf – je nachdem, welchen Duft oder welche Wirkung man bevorzuge. Salbei wirke beispielsweise desinfizierend. „Die Badekugeln, die man in jeder Farbe und Form gestalten kann, kann man auch in Organzasäckchen füllen. Dann schwimmen keine Blütenreste im Badewasser“, rät Raps.

Zum Schluss zeigen die Frauen auch noch, wie man eine Salbe aus Ringelblumen herstellt. „So eine Salbe war früher in jedem Haushalt gängig“, schätzt Bundscherer. Dazu füllt sie 125 Gramm Olivenöl in eine Schüssel und erwärmt es in einem Wasserbad. Die frischen Ringelblumenblätter aus dem Klostergarten streut sie auch hinein. Mit einem Thermometer prüft sie immer wieder, dass die Temperatur nicht über 70 Grad Celsius steigt. „Sonst werden die Blütenblätter frittiert“, scherzt sie. Eine viertel Stunde lang rührt sie das Öl um. „Wir machen gerade einen Ölauszug“, erklärt sie dazu. Das bedeute, dass die Inhaltsstoffe der Blütenblätter ins Öl übergehen. „Jetzt haben wir schon 60 Grad, da muss ich aufpassen“, murmelt Bundscherer plötzlich und nimmt die Schüssel aus dem Wasserbad.

Nach 15 Minuten rühren, rühren, rühren werden die Blütenblätter schließlich abgefiltert. Zu der übriggebliebenen Flüssigkeit gibt die Klosterköchin noch 13 Gramm Bienenwachs-Perlen. „Es darf nicht zu viel sein, sonst wird die Salbe zu fest.“ Umgefüllt in ein kaltes, verschraubbares Gläschen verfestigt sich die Flüssigkeit schnell zu einer leicht zu schmierenden Creme. Drei bis vier Monate halte die Ringelblumensalbe, aber sie müsse kühl aufbewahrt werden, gibt Bundscherer Tipps zu der selbst gemachten Wildkräuter-Salbe. „Es ist einfach faszinierend, was alles für Inhaltsstoffe in Pflanzen sind“, beschreibt sie ihre Leidenschaft für Wildkräuter. Schon als Kind interessierte sie sich dafür. Ihre Oma habe ihr vieles beigebracht. „Es ist auch interessant, was man alles essen kann, was viele gar nicht kennen. Verhungern kann man da nicht“, sagt sie und deutet mit dem Fuß auf einen unscheinbaren Pflanzen-Büschel auf der Wiese vor dem Kloster. „Das ist Nachtkerze. Die Wurzel ist super gut und schaut aus wie Schinken. Deshalb heißt sie auch Schinkenwurzel“, weiß die Klosterköchin, „aber sie ist auch gut für die Haut.“ Die Natur biete eben alles, was der Körper brauche.

Das Herstellen von Salbe und Co. im Video

Jutta Bundscherer muss fest am Eibisch ziehen, um an die Wurzeln zu kommen.
Unter dem Wasserstrahl wird die Eibischwurzel saubergeschrubbt.
Aus der Eibischwurzel lässt sich eine Handcreme herstellen, die gegen trockene Hände gut sein soll.
Gerade noch im Stück, kurze Zeit später fein gemahlen: Ringelblumenblätter eignen sich super als Zutat für Badekugeln. Der Pflanze wird eine wundenheilende Wirkung nachgesagt.
Ein kleiner Gugelhupf, Stern oder Herzchen. So schön können selbst gemachte Badekugeln aus Wildkräutern sein. Und sie duften auch noch gut.
Es könnte Honig sein, ist aber Ringelblumensalbe.
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