Den Eintritt von Grundwasser vermeiden, den Austritt von Abwasser verhindern und damit verbunden die Betriebssicherheit des Entwässerungssystems gewährleisten: Es sind anspruchsvolle Ziele für ein zukunftssicheres und umweltfreundliches Speinsharter Kanalnetz. In der Sitzung am Donnerstag lauschten die Ratsmitglieder den Ausführungen von Michael Wagner. Der Tiefbauexperte des Grafenwöhrer Architekturbüros Schultes analysierte die Schadensbilder, die bei Kamera-Befahrungen der Schmutz- und Mischwasserkanäle entdeckt wurden.
Vielfach waren es komplexe Szenarien. Längs- und Querrisse, Scherbenbildungen, Muffenversätze, unsachgemäße Hausanschlüsse, Fehleinleitungen, Wurzelschäden und Fremdwassereinträge, die der Techniker mit Videoaufnahmen dokumentierte. Sie offenbaren einen erheblichen Handlungsbedarf.
78 Prozent des Kanals okay
Zumindest 78,5 Prozent des Speinsharter Kanalsystems sei in einem guten Zustand, stand am Ende fest. Eine zeitnahe Schadensbehebung der wenigen Sanierungsfälle sei deshalb beherrschbar, kommentierte Wagner seine Expertise, die er allerdings nur als Vorschläge verstand wissen wollte. Als nächster Schritt müsse die Planung der Sanierung besonders auffälliger Schadensbereiche folgen, sagt Wagner. Vorrangig seien für ihn die Schmutz- und Mischwasserkanäle in der Weinleite und im Hopfenackerweg in Speinshart und am Kellerberg in Tremmersdorf. Die Kosten für diese Sanierungsschwerpunkte bezifferte er auf rund 546.000 Euro. Darin nicht enthalten seien weitere Kosten für Anschlussleitungen, Schachtbauwerke und Baunebenkosten. Weitere unvorhersehbare Schadensfeststellungen seien nicht auszuschließen. Eine Befürchtung, die auch Gemeinderat Holger Götz teilte. „Vermutlich lauern im Untergrund weitere Schäden“!
35 Kilometer Kanalnetz
Für Bürgermeister Albert Nickl ist der Sanierungsbedarf ein Kraftakt für die finanzschwache Gemeinde. Die Hoffnungen ruhen deshalb auf einer angemessenen Förderung aus staatlichen Finanztöpfen für wasserwirtschaftliche Vorhaben. „Der Unterhalt von 35 Kilometer Kanalnetz ist für eine Flächengemeinde mit ihren vielen Ortsteilen eine Herausforderung“, so der Gemeindechef.
Auch eine Ertüchtigung der Kläranlage stehe an. Eine bereits vorliegende Potenzialanalyse für die Kläranlage und die Pumpwerke sei Grundlage für das bereits eingeleitete Wasserrechtsverfahren zur Verlängerung der wasserrechtlichen Betriebserlaubnis, stellte der Sitzungsleiter fest. Zudem verwies Nickl darauf, auch die Erneuerung der Regenwasserkanäle anzugehen. Oberflächenwassereinleitungen in das Mischwassersystem seien insbesondere in den Ortsteilen Haselbrunn, Seitenthal, Barbaraberg und Dobertshof festzustellen. Dieses Fremdwasser ordnungsgemäß zu entsorgen, werde zu einer teuren Angelegenheit. Der Bürgermeister sprach von rund 4 Millionen Euro Baukosten. Zu rechnen sei allerdings mit einem Staatszuschuss von 90 Prozent. „Auch hier müssen wir vorwärts kommen, damit Fördergelder nicht verfallen“.
Für Albert Nickl ein großes Gesamtpaket an Maßnahmen, das wegen der Vorfinanzierung der Projekte auch Einfluss auf die Verschuldung der Gemeinde habe, prophezeite der Gemeindechef. Der Gemeinderat beschloss ein ganzes Maßnahmenpaket. Vorrang soll zunächst die Planung zur Ertüchtigung von Kanalabschnitten mit hohem Sanierungsbedarf haben.



















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