30.05.2019 - 21:52 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Sportler mit viel Spielraum

Schicke Kombis haben früher einmal Avant geheißen und sind aus Ingolstadt gekommen. Heute kommen sie aus Korea und heißen Proceed. Erste Fahreindrücke von Kias Kombi-Coupé.

Unter dem schicken Dress eines Sport-Coupés verbirgt sich der Stauraum eines Kombis: Mit dem Proceed stellt Kia einen feschen Shooting Brake auf die stämmigen Räder.
von Berthold Zeitler Kontakt Profil
Auf 4,61 Meter streckt sich der Kia Proceed. Und bei einer Höhe von nur 1,42 Meter sorgt das für eine ungemein flache Silhouette, die etwas an die Designstücke aus Zuffenhausen und Stuttgart erinnert.

Wobei: Eigentlich kommt diese gelungene Mixtur zweier Autowelten ja gar nicht aus Asien. Hier in Deutschland entwickelt und in der Slowakei gebaut, trägt das Top-Modell der Ceed-Familie die Handschrift von Peter Schreyer. Die Experten unter unseren Lesern wissen: Der war einmal Designchef bei Audi, bevor er in die Dienste des koreanischen Autobauers trat. Seither jedenfalls ist die Modellpalette immer europäischer geworden.

Nach dem "Stinger" ist ihm mit dem Proceed stilistisch wieder ein großer Wurf gelungen. Vier Türen und eine große (Lade-)Klappe im feschen Dress eines Coupés unterzubringen, ist schließlich eine Herausforderung - aber gelungen. Der Shooting Brake versteht sich als Sportler mit viel Spielraum. Ist aber vor allem eines: ungemein schick. Und erinnert ein bisschen an Mercedes CLS und Porsche Panamera. Schlecht ist das aber nun wahrlich nicht.

Bei einer Höhe von nur 1,42 Meter streckt sich das Designstück auf 4,61 Meter und offenbart damit eine ungemein flache Silhouette. Freilich muss man beim Einsteigen auch ein bisschen den Kopf einziehen. Doch sitzt man erst einmal auf dem ebenso sportlichen wie komfortablen Gestühl, ist über dem Scheitel noch genügend Luft. Zum Heck hin fällt die elegante Dachlinie stark ab, weshalb die Hinterbänkler jetzt nicht unbedingt Sitzriesen sein sollten. Charaktervoll die Kia-typische Tigernase mit den schnittig gezeichneten Scheinwerfern und der knackige Hintern, bei dem ein durchgehendes Leuchtband für den Aha-Effekt sorgt.

Obwohl also optisch nicht unbedingt als Lastenträger auszumachen, bietet der Proceed reichlich Raum. Eine flexibel nutzbare Rücksitzbank erweitert das Stauvolumen auf eine Größe, auf die auch so mancher "echte" Kombi neidisch schaut. Und dank niedriger Ladekante lässt sich auch schweres Gepäck unter der riesigen Heckklappe leicht verstauen. Ein intelligentes Trennsystem sichert die Ladung. Der Fahrer findet einen aufgeräumten Arbeitsplatz, an dem eigentlich alles da ist, wo es hingehört. Und sich auch intuitiv von selbst erklärt, ohne erst das Handbuch zu Rate ziehen zu müssen.

Dass da unter der Haube "nur" ein 1,4-l-Motörchen zu Werke geht, mag man kaum glauben. Putzmuntere 140 Turbo-PS reichen allemal aus, um dem sportlichen Erscheinungsbild auch mit einer ebensolchen Fahrweise gerecht zu werden. Das Siebengang-DSG (2000 Euro) schaltet weich und exakt. Wer es ein bisschen sportlicher haben will, greift über die Paddel am Lenkrad manuell ein. Oder schaltet mit einem Knopfdruck auf der Mittelkonsole den Sport-Modus zu, was die Abstimmung von Motor und Fahrwerk noch ein bisschen pfeffriger macht. Den Kanaldeckeltest absolvierte unser Testwagen jedenfalls auch so mit Bravour. Egal ob Autobahn oder Landstraße, der Proceed fühlt sich überall wohl. Nur in der Stadt verlangt die schiere Länge für etwas Vor- und Nachsicht. Den Blick nach hinten trübt die Dachsäule, dafür sorgt aber eine Rückfahrkamera für die notwendige Übersicht.

Dazu kommen noch Regensensor, Frontkollisionswarner samt Notbremsassistent und Fußgängererkennung. Der aktive Spurhalter greift korrigierend ein, Tempomat und LED-Scheinwerfer und Querverkehrswarner sind ebenso Serie wie beheizbares Lederlenkrad, Bluetooth-Freisprechung und Sitzheizung vorne. Wer noch das Technologie-Paket (1090 Euro) ordert, freut sich unter anderem über einen Stauassistenten und braucht auch nicht mehr selbst Ein- und Ausparken. Allerdings gibt's das nur in Verbindung mit dem Navi-Paket. Kostet 890 Euro bindet aber auch Sprachsteuerung per Smartphone mit ein, erkennt Verkehrszeichen und verspricht Premium-Sound. Ledergestühl, elektrisch einstellbaren Fahrersitz und Sitzheizung sind für 1490 Euro zu haben, 18-Zöller für 490 Euro.

Das alles macht den Proceed nicht nur zum Schönling für den Alltag, sondern auch zu einer preislich ungemein attraktiven Alternative.

Bildergalerie zum Fahrbericht Kia Proceed

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