06.11.2018 - 16:52 Uhr
Oberpfalz

Mit St. Martin zieht der Winter ein

Der Martinstag kennzeichnet das Ende der Ernte. Nach dem traditionellen Gänsebraten beginnt die Advents-Fastenzeit.

Eine wunderbare Figur des Heiligen Martins ist in der Stadtpfarrkirche St. Georg in Neustadt/WN zu sehen.

Der 11. November ist ein Tag, der nicht so recht zu diesem Monat passt. Zwischen die stillen und nachdenklichen Gedenktage schiebt sich mit dem Martinstag am 11. November ein Tag, der heute vor allem Kindern gut gefällt und dessen Brauchtum sie auch beleben. An das legendäre Handeln des Heiligen Martin von Tours wird vor allem mit Laternenumzügen und spielerischen Aufführungen erinnert.

Der Martinstag bedeutete das Ende der Erntezeit. Dieser Anlass wurde gefeiert, dazu gehörte die Martinsgans. Denn danach begann eine sechswöchige Fastenzeit durch den Advent bis zum Heiligen Abend. Der Verzehr der Martinsgans ließ die Aussicht auf diese karge Zeit wohl etwas erträglicher werden.

Grimmige Zeit

Wie kommt dieser Brauch in den ernsten November? Der Vorgriff auf die Faschingszeit im Februar hat sicher nicht nur organisatorische Gründe. Man kann davon ausgehen, dass die Menschen das Winterende und das künftige Frühlingserwachen kaum noch erwarten konnten, obwohl die grimmige Zeit ja erst von bevorstand. In früheren Zeiten galt der 11. November neben seiner Bedeutung als Martinstag auch als "Los- und Zinstag". Üblich war es, dass die Bauern dem Grundherren - Gutsbesitzern, aber auch der Kirche - ihren "Zehnten", gemeint sind die Naturalsteuern, überbrachten. So ist auch der Brauch zu erklären, warum die gemästeten "Martinsgänse" in dieser Zeit geschlachtet wurden. Das letzte Sommervieh wurde von den Weiden getrieben, die Zeit der Hausschlachtungen begann. Zum einen als Vorsorge für den Winter, zum anderen wollte man die Tiere oft nicht unnötig durchfüttern. Vielfach wird auch erzählt, dass der Hl. Martin für den Einzug des Winters steht. Auf vielen Bildern wird er auf einem weißen Pferd reitend dargestellt.

Nationalpatron

Der Frankenkönig Chlodwig (466 bis 511) bestimmte Martin zum Nationalpatron der Franken. Sein Leben wurde beschrieben und so wurde es weit über die Grenzen des Frankenreiches hinaus bekannt. Martin wurden viele Kirchen geweiht, allein in Frankreich über 3000. In Deutschland gehören dazu unter anderem der Mainzer Dom und St. Martin in Köln, in der Region die Pfarrkirche in Amberg, die alte Pfarrkirche in Altenstadt/WN oder die Kirche der Schulpartnerschaft der Max-Reger-Schule Weiden in Cerhovice an der Goldenen Straße.

Teil der Stadtbefestigung

Eine der ältesten Kirchen Prags ist die heute evangelische Kirche St. Martin in der Mauer. Ihre Geschichte begann mit der Einweihung Ende des 12. Jahrhunderts. Damals lag die Kirche noch nicht in Prag, sondern in einer kleinen Siedlung, die ebenfalls den Namen St. Martin trug. Als 50 Jahre später damit begonnen wurde, die Prager Altstadt mit einer Mauer zu befestigen, verlief diese auf einmal mitten durch den Pfarrbezirk und damit durch die Kirche. Sie wurde in die Stadtbefestigung einbezogen, die Südwand der Kirche ist ein Teil der Stadtmauer. Obwohl diese inzwischen längst wieder verschwunden ist, trägt die Kirche den Namenszusatz "in der Mauer", der auf diesem Umstand verweist, bis heute.

Die Kreisstadt Neustadt/WN ist eng mit St. Martin verbunden. Der Heilige befindet es sich nicht nur im Stadtwappen, sein Name schmückt den Sportverein DJK St. Martin Neustadt/WN, das Alten- und Pflegeheim Sankt Martin, den Kindergarten und die Krippe St. Martin, die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft St. Martin GmbH, den Förderverein Fußball DJK St. Martin Neustadt/WN. Vergessen werden darf dabei auch nicht die Martinskirchweih. (cr)

Wappen und Patrozinium:

Die amtliche Wappenbeschreibung lautet: „In Rot auf silbernem Ross der golden gerüstete und golden nimbierte heilige Martin, der mit silbernem Schwert den blauen Mantel mit dem auf grünem Boden knieenden nackten Bettler teilt.“

Ursprünglich hatte die für Neustadt zuständige Pfarrkirche in Altenstadt ein Martinspatrozinium. Die Figur des Heiligen zu Pferd mit dem Bettler auf dem Boden zeigt schon das älteste, nach der Mitte des 14. Jahrhunderts entstandene Siegel mit der Umschrift „NOVA CIVITAS REGNO BOEMIE FIDELI(TER) UNITA S(IT)“. Neustadt, schon 1232 als Stadt genannt, unterstand von 1353 bis 1575 der Krone Böhmen, dann den Herren beziehungsweise Grafen von Lobkowitz.

Als die „neue Stadt“ über der Naab gegründet wurde und diese das Stadtrecht erhielt, holten sich die Verantwortlichen die Figur des Heiligen Martins aus Altenstadt in ihr Stadtwappen. „So hat die neue Stadt damit etwas ihrer älteren Schwester übernommen, was eigentlich der letzteren zustand“, schreibt der Neustädter Chronist Heinrich Ascherl. Das alles geschah um das Jahr 1300 herum. Erst 300 Jahre später übertrug Altenstadt das Patrozinium der alten Kirche der Gottesmutter. (cr)

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