14.11.2021 - 16:26 Uhr
StadlernOberpfalz

Burgruine Reichenstein formiert sich Stein für Stein zu stabilem Wahrzeichen

Wenn an der Burgruine Reichenstein bei Stadlern der Kran anrückt, dann sind für Gespenster schlechte Zeiten angebrochen. Bald haben sie wieder freie Bahn, die letzte Etappe der Sanierung soll 2022 enden.

Seit Jahren ist die Burgruine Reichenstein bei Stadlern eine Baustelle. Corona hat den Fortschritt noch etwas verzögert, aber 2022 soll die Sanierung abgeschlossen werden.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Überfällig": Mit diesem Wort beschreibt Bürgermeister Gerald Reiter aus Stadlern die Reparatur-Arbeiten an der Burgruine Reichenstein, dem Wahrzeichen der kleinen Gemeinde an der tschechischen Grenze. 2017 hat sich ein Häuflein Freiwilliger auf den Weg gemacht, das dem Verfall preisgegebene Denkmal zu retten. Über die Jahrhunderte war das nicht der erste Sanierungsversuch, beschwerlich ist er aber trotz moderner Technik geblieben.

Viel hat der Zahn der Zeit nicht übrig gelassen von den Mauern, die möglicherweise bis ins 11. Jahrhundert zurück datieren. Imposant ist vor allem der Stumpf eines runden Bergfrieds, der majestätisch aus dem felsigen Gelände empor ragt. Das erste Problem, das sich den engagierten Burg-Fans bot, war die Zufahrt zu der Burg, die sich noch heute in Privatbesitz befindet. So etwa ab 2014 sei man mit der gräflichen Forstverwaltung im Gespräch gewesen, um aktiv zu werden, erläutert Reiter, der auch als Vorsitzender des Fördervereins Burgruine Reichenstein agiert. "Der erste Schritt war der Bau eines Weges, um überhaupt mit schwerem Gerät an die Burg heran zu kommen." Nachdem die Forstverwaltung diese Anbindung realisiert hatte, konnte 2017 die eigentliche Sanierung beginnen.

Drei Etappen hatten sich Förderverein und Gemeinde hier unter Führung des Amberger Ingenieurbüros ALS vorgenommen. Im ersten Bauabschnitt wurde zunächst das Gelände freigelegt, eine Firma aus dem Altmühltal erstellte ein Holzgerüst, erste Maurerarbeiten konnten beginnen. Im zweiten Bauabschnitt wurde das Holzgerüst durch ein anderes Modell ersetzt, die Arbeiten sollten fortgesetzt werden. "Doch jetzt hatten wir fast ein Jahr Stillstand, die Pandemie hat unsere Pläne ganz gewaltig durcheinander gebracht", bedauert der Fördervereinsvorsitzende.

Dabei mangelt es nicht an Helfern. Etwa 12 bis 15 Engagierte packen mit an, wenn es darum geht, für die Fachfirmen Material heran zu schaffen. "Wir brauchen viele Feldsteine, die stellen wir in Gitterboxen bereit. Ein Kran hievt sie dann nach oben", beschreibt Reiter die beschwerliche Arbeit im unwegsamen Gelände. Die Mauerer-Arbeiten sind dann schon eher ein Fall für die Fachfirmen. "Handlangerjobs gibt es da eher weniger, die Arbeit ist schwer, und nicht jeder Helfer kann zu den üblichen Arbeitszeiten", schränkt der Vorsitzende ein. Da bleibt oft nur das Wochenende, um mit den Bohrhammer große Steine in handliche Brocken für die Mauer zu zerteilen.

Inzwischen sind die Vorarbeiten für den dritten und letzten Bauabschnitt angelaufen. Coronabedingte Verzögerungen haben dazu geführt, dass sich auch das Denkmalamt erst im Juli ein Bild von der Baustelle machen konnte. "Die Ausschreibungen sind draußen, aber heuer wird das nicht mehr über die Bühne gehen", so Reiters Einschätzung, der dabei auch die wirtschaftliche Lage allgemein und die finanzielle der Gemeinde im Blick hat. Allein für den inzwischen dritten Bauabschnitt sind rund 130.000 Euro veranschlagt, etwa 50.000 bis 60.000 Euro wird die Gemeinde nach Abzug der Fördermittel aus mehreren Töpfen selbst stemmen müssen. Am Ende wird der Erhalt des Denkmals annähernd eine halbe Million Euro gekostet haben, etwa ein Drittel bleibt an der Kommune hängen.

Höher als vorher werden die Mauern aber auch nach dieser Sanierung nicht ausfallen, nur viel stabiler. "Die Grundform bleibt", beruhigt Reiter. Immerhin hat die Burg schon in den 20er Jahren und in den 60er Jahren so eine Kur durchgemacht. "Das sollte jetzt auch wieder 30 bis 40 Jahre halten", gibt sich der Fördervereinsvorsitzende optimistisch, der in der kleinen Kommune nicht nur auf 60 Mitglieder, sondern auch auf einen Heimatkundlichen Arbeitskreis bauen kann.

Dass Stadlern eines Tages selbst Besitzer der Burg werden könnte, danach sieht es aber aktuell nicht aus. Reiter rechnet sich hier wenig Chancen aus: "Das ist nicht hoffnungslos, aber sehr schwierig", beurteilt er die Lage und hofft, dass es im nächsten Jahr zum Sanierungsende zumindest eine Feier gibt: "Irgendein öffentlichkeitswirksames Fest werden wir definitiv machen, vielleicht in Form einer Wanderung oder einer Führung."

So kümmern sich die Bürger um ihr Denkmal

Stadlern
Info:

Ein Schatz mit vielen Eigentümern

  • Entstehung: früher Siedlungsmittelpunkt im Schönseer Land, wird auf spätes 11. Jahrhundert, teilweise auch erst 12. oder 13. Jahrhundert datiert
  • Eigentümer: Erbauer unbekannt, im 13. Jahrhundert im Besitz der böhmischen Herren von Hostau und Muttersdorf, im 14. Jahrhundert in der Hand der Landgrafen von Leuchtenberg, im 15. Jahrhundert von Hussiten eingenommen, aber wieder zurückerobert, zahlreiche weitere Besitzer; aktuelle Besitzverhältnisse: Erbengemeinschaft der Gräfin Eva Du Moulin Eckart mit Zuständigkeit der Gräflichen Forstverwaltung.
  • Zustand: Mauerreste, Stumpf des Bergfrieds
  • Lage: auf dem Gipfel des Reichensteins in 874 Meter Höhe, nördlich von Stadlern; Ausgangspunkt für Wanderer am Hochfels, Waldhäuser Straße, Stadlern.
  • Sage: Angeblich geistern "weiße Frauen" dort herum, unter den Mauerresten soll ein Goldschatz liegen. Angeblich kann man ihn heben, wenn bei der Messe am Palmsonntag in der Kirche von Stadlern die Passion gelesen wird. Wird diese Wer diese Frist auch nur um eine Sekunde versäumt, gilt als unrettbar verloren, der Berg verschließt sich.

"Jetzt hatten wir fast ein Jahr Stillstand, die Pandemie hat unsere Pläne ganz gewaltig durcheinander gebracht."

Bürgermeister und Fördervereinsvorsitzender Gerald Reiter

Bürgermeister und Fördervereinsvorsitzender Gerald Reiter

 

 

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