(mmj) Urkunden aus der Anfangszeit fehlen, doch dürfte die Wallfahrt schon vor der Einführung der Reformation bestanden haben. In einer Karte von 1626 ist Stadlern als "Städla zur Wallfahrt" eingetragen. Der Pfleger von Murach berichtet 1629 von einer "sehr großen Wallfahrt zu unserer lieben Frauen Bildnuß aus Erden gebrannt".
Der Sage nach hat sich einst ein Ritter in unwegsamer Wildnis im Wald verirrt. Er wusste weder ein noch aus und gelobte, eine Kapelle zu Ehren der Mutter Gottes zu errichten, wenn er aus dem Wald herausfinden sollte. Sein Gelöbnis wurde erhört, er fand den Weg. Der Ritter fühlte sich an seine Zusage gebunden, wusste aber den genauen Platz nicht mehr, an der er das Versprechen gegeben hatte. Da verlor plötzlich sein Pferd ein Hufeisen und war nicht mehr von der Stelle zu bewegen. Erst nachdem der Reiter den Ort freigelegt und gekennzeichnet hatte, setzte sich das Tier wieder in Bewegung. Die Kapelle wurde dort erbaut, und der Ritter ließ das Hufeisen, das sein Pferd verloren hatte, an der Kirchentür anbringen. Im Bildband über Stadlern beschreibt Bischöflich Geistlicher Rat Andreas Lesser die Geschichte der Wallfahrt in dem Grenzort. Dabei erwähnt der im Jahr 2006 verstorbene Geistliche auch, dass die Geschichte im 18. und 19. Jahrhundert der Religion und dem Wallfahrtswesen nicht immer gewogen war. Die Wallfahrt lebt aber bis heute, und jährlich kommen am Frauentag Tausende nach Stadlern um diesen Tag mitzufeiern.
"Mariä Himmelfahrt" ist für den Ort ein großer Festtag. Viele Gläubige kommen aus der ganzen Umgebung nach Stadlern. Höhepunkt ist am Vormittag der Gottesdienst auf dem Kalvarienberg. Eine lange Prozession, voran die Blaskapelle, marschiert dann feierlich zur Kreuzigungsgruppe, bei der ein Altar aufgebaut ist. Ministranten, Geistlichkeit, Vertreter aus verschiedenen politischen Ebenen und Abordnungen der Ortsvereine geben dem Zug ein farbenprächtiges Bild. Alle huldigen bei diesem Anlass mit den vielen Marienverehrern der Gottesmutter in dem kleinen Wallfahrtsort. Nach dem Festgottesdienst gedenkt die Sudetendeutsche Landsmannschaft der verstorbenen Heimatvertriebenen nahe des Kalvarienbergs am Sudetenkreuz.
In einem ländlich geprägten Ort gehört neben der Kirche das Wirtshaus: Diese oft zitierte Aussage wird an diesem Tag in Stadlern dahingehend abgeändert, dass zur Kirche an diesem Tag die Kirwa gehört. Bereits am frühen Morgen geht es in der Hauptstraße rund, wenn die Fieranten ihre Verkaufswagen herrichten und dann ihre Waren anbieten. Geweihte Kräuterbüschel gibt's, und Kaffee und Schmierkuchen werden angeboten. Hier wird der Reinerlös meist für einen sozialen Zweck verwendet. Der Duft von Bratwürsten vermischt sich mit dem von geräucherten Forellen. Autopolitur ist genauso zu bekommen, wie Wollsocken, Strohhüte oder Korbwaren.
Stadlern
01.08.2018 - 17:45 Uhr
Hufeisen markiert den Ort
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