29.04.2021 - 16:50 Uhr
StadlernOberpfalz

Auf den Spuren der Vergangenheit rund um Stadlern

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"An die Vergangenheit erinnern und so das frühere Leben in der Heimat nicht vergessen lassen." Diesem Motto hat sich der Heimatkundliche Arbeitskreis in Stadlern verschrieben. Die Mitstreiter haben ein Faible für historische Überbleibsel.

Peter Lampl (links) und Hans Vogl haben ein Faible für Heimatgeschichte. Die Restaurierung der über 100 Jahre alten Fahnen des Burschenvereins (oben) und des Männervereins soll als nächstes angepackt werden.
von Ludwig HöcherlProfil

Seit mehr als zehn Jahren stellen sich Peter Lampl und Hans Vogl der Herausforderung, die Stadlerner Heimatgeschichte für kommende Generationen zu erhalten. Schon vorher interessierten sie sich unabhängig voneinander dafür: Lampl sammelte alte Bilder des Dorfs, Vogl richtete seine Aufmerksamkeit auf Fotos vom Gebiet um Böhmisch-Schwarzach über der Landesgrenze. Mit einer gemeinsam organisierten Bilder-Zeitreise durch die Geschichte des Grenzortes weckten die beiden an den Oster-Feiertagen im Jahr 2010 die Neugierde der Öffentlichkeit.

"Das Interesse der Besucher animierte uns damals, weiter nach alten Bildern sowie Gebrauchsgegenständen aller Art zu suchen." So beschreiben die beiden Hobby-Heimatforscher ihr Engagement während des vergangenen Jahrzehnts. Wegen der unmittelbaren Nachbarschaft Stadlerns zum Gebiet des früheren Kirchensprengels im westböhmischen Waier (Rybnik), stellten frühere Bewohner dieses Landstrichs reichhaltiges Bildmaterial von nicht mehr existierenden Ortschaften und Personen jenseits von Bayerisch-Schwarzach zur Verfügung. Die nächste größere Bilderausstellung stellten Lampl und Vogl zum Anna-Fest in Schwarzach im Juli 2012 auf die Beine. Die Besucher – vor allem jene, die aus früheren böhmischen Orten stammten – hatten nicht nur Lob parat, sondern immer wieder auch Infos zu den Bildern mit Kapellen, Wegkreuzen, einzelnen Personen oder ganzen Schulklassen.

Die beiden Heimatkundler sammeln aber nicht nur Bilder. Interesse weckten zum Beispiel das Schreibpult, das vor über 100 Jahren der Stadlerner Bürgermeister nutzte, Teile der Einrichtung aus der Bäckerei Seitz oder auch Gegenstände aus dem alten Bräuhaus. "So etwas muss erhalten und aufbewahrt werden", lautet ihre Devise.

Viel Zuspruch seitens der Bevölkerung bestärkten die beiden immer wieder in ihrer Idee. "Da blieb nichts anderes übrig, als nach geeigneten Räumlichkeiten zu suchen" erinnert sich Peter Lampl heute. Unterstützung dazu kam von der Gemeinde – fündig wurden sie schließlich im Obergeschoss des früheren Polizeihauses. Und dort wird es schon wieder eng. Als Ausweichquartier dient jetzt zusätzlich die frühere Gemeindekanzlei in der ehemaligen Schule. Utensilien des Spitzenklöppelns haben dort ihren Platz, ebenso die Fahnen des Krieger- und Veteranenvereins von 1955 und dessen Nachfolgevereins, der Krieger- und Soldatenkameradschaft, aus dem Jahr 1983. Für die Fahnen des Katholischen Männervereins aus dem Jahr 1908 und des Katholischen Burschenvereins aus dem Jahr 1914 denken Peter Lampl und Hans Vogl an eine Restaurierung.

Die inzwischen zum "wahrscheinlich kleinsten Museum Bayerns" getauften Archivräume beherbergen immer mehr Relikte vergangener Jahrzehnten. Ob geschenkt aus den Reihen der Bevölkerung oder als Leihgaben – Gegenstände aus früheren Einzelhandelsgeschäften oder Haushalten im Schönseer Land erinnern an den einstigen Alltag dies- und jenseits der Grenze. Unzählige Fotos dokumentieren die Entwicklung der Ortschaften. Besondere Beachtung fand im Herbst 2017 das Archiv durch Bürgermeister aus dem Kreis Poběžovice. Dort sollte das Projekt "Aufdecken von Spuren vergangener Zeit" Licht ins Dunkel der Geschichte untergegangener oder verschwundener Ortschaften in Westböhmen bringen. Große Anerkennung für das kleine Museum sprach auch der Oberpfälzer Regierungspräsident Axel Bartelt bei einem Besuch im Oktober 2018 aus.

Besondere Unterstützung erfährt das Heimatkundler-Duo immer wieder durch ältere Mitbürger. Bei Zusammenkünften im "Heimatkundlichen Arbeitskreis" werden sie immer wieder über Land und Leute aus der Vergangenheit fündig. "Seit einem Jahr bremst natürlich Corona das gemeinsame Engagement aus", bedauert Hans Vogl, der auf seinem Computer mehr als 17 000 Bilder und Skizzen digitalisiert hat. Selbst in dieser kontaktarmen Zeit ist aber Peter Lampl im Schönseer Land unterwegs, um Bilder und Gegenstände für das kleine Museum aufzutreiben. "Es läuft halt momentan alles auf Sparflamme" sagt er und hofft, dass sich der Arbeitskreis bald wieder im "Normalbetrieb" treffen kann. Dazu sind dann auch wieder geschichtlich Interessierte aus dem Schönseer Land eingeladen.

Ein Besuch in den Archivräumen ist aktuell nicht möglich. Interessenten können sich wegen einer Besichtigung nach Aufhebung der Pandemiebeschränkungen bei Peter Lampl, Telefon 09674/1274, oder Hans Vogl, Telefon 09674/1559, melden.

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