14.07.2019 - 19:39 Uhr
StadlernOberpfalz

In Stadlern werden keimfreie OP-Instrumente produziert

Patienten bekommen Sterilisations- und Desinfektionsanlagen selten zu sehen, doch ohne keimfreies Werkszeug kann kein Eingriff gelingen. Ein Unternehmen an der deutsch-tschechischen Grenze löst die Aufgabe immer umweltschonender.

Panelleiter OTH-Professor Beer und OTH-Vizepräsidentin Christiane Hellbach.
von Siegfried BühnerProfil

Gerade einmal 600 Einwohner zählt die Gemeinde Stadlern (Kreis Schwandorf) an der bayerisch-tschechischen Grenze. Wer aber glaubt, dass es dort nur Landwirtschaft und Fremdenverkehr gibt, unterliegt einem Irrtum. Die kleine Gemeinde beherbergt die zentrale Produktionsstätte der MMM Group (Münchener Medizin Mechanik GmbH). Knapp 300 Mitarbeiter schaffen laut Unternehmensangaben ein "Produkt- und Dienstleistungsangebot rund um Sterilisations- und Desinfektionsanlagen für Krankenhäuser, wissenschaftliche Institute, Labore und die Pharma-Industrie". Einfach ausgedrückt, es geht vor allem um keimfreie Pinzetten, Klemmen, Zangen und alle anderen OP-Instrumente in den Kliniken.

Die MMM Group kann von sich sagen, Marktführer ihrer Branche in Europa zu sein. Beim Wissenschaftstag der Metropolregion wird dieses Unternehmen im Panel "Energie, Technologie und Nachhaltigkeit" eine wichtige Rolle spielen. Die Panel-Leiter Maschinen- und Umwelttechnik-Professor Stefan Beer und Vizepräsidentin Christiane Hellbach halten das Unternehmen beispielgebend für modernste Energie- und Klimaschutzkonzepte. Deshalb haben sie Unternehmenschef Michael Koller zum Vortrag eingeladen.

Das Nachhaltigkeitskonzept der MMM-Group betrifft die Produkte aber auch den Betrieb selbst. Im Mittelpunkt steht die Energie-und Ressourceneffizienz beim Betrieb der Sterilisations- und Desinfektionsanlagen. Die Geräte arbeiten mit einem "geschlossenen Energiekreislauf", erklärt Koller. Reinigungsvorgänge erfolgen bei 121 Grad beziehungsweise 143 Grad Celsius. Wärmepuffer sorgen dafür, dass Wärme nicht verloren geht, sondern in allen Betriebsphasen der Anlage zur Verfügung steht.

Ein intelligentes Energiemanagement schafft es, dass bei parallel laufenden Anlagen - in Großkliniken sind bis zu zehn in Betrieb - der Wärmeaustausch auch zwischen den einzelnen Anlagebereichen erfolgt. Maschinenintelligenz und technischer Fortschritt führen dazu, dass der Wasserverbrauch um bis zu 50 Prozent gesenkt werden konnte.

Die MMM Group produziert nicht nur solche Anlagen, sondern ist in der Person des Geschäftsführers Robert Eibl auch beteiligt, wenn DIN-Normen für die Reinigung, Desinfektion und Sterilisation von Operationsinstrumenten festgelegt werden. Drei Mal gehörte die MMM Group auch zu den 100 innovativsten Unternehmen in Deutschland.

In Stadlern sorgt ein Bündel vieler kleiner Maßnahmen für Nachhaltigkeit, Energieeinsparung und Ressourcenschonung. Beispielsweise wird in den Arbeitspausen die Beleuchtung reduziert, automatische Rolltore schließen sofort nach Durchfahrt um Wärme zu sparen. Die Abwärme der Produktionsanlagen wird in die Heizung eingespeist.

Die Panel-Leiter Beer und Hellbach sind begeistert. Beim Wissenschaftstag wollen sie auch grundsätzlich diskutieren. "Letztendlich geht es um die Bewahrung der Erde als unseren Lebensraum", stellt Beer fest. Nachhaltigkeit in der Erzeugung und Bereitstellung von Energie zu gewährleisten stelle die große Herausforderung für die Industriegesellschaft dar. Natürliche Ressourcen müssen geschont, Klimaneutralität und Biodiversität garantiert werden. Doch Versorgungssicherheit, Preisstabilität und langfristige Planbarkeit dürften nicht vernachlässigt werden.

Für Beer stehen für die Zukunft eine große Zahl "mehr oder wenig ausgereifter Technologien" zur Verfügung. Unter anderem nennt er Pumpspeicher, die Umwandlung von Strom in Gas, Netzverbünde und intelligente Netze. Lange Zeit sei die Stromversorgung eine Einbahnstraße vom Erzeuger zum Verbraucher gewesen. "Die fluktuierende Einspeisung von Strom aus Windenergie- und PV-Anlagen erzeugt bei den Netzbetreibern erhöhten Regelungsaufwand und drängt die konventionelle Energieerzeugung immer weiter zurück", sagt Beer. Zwar bestehe ein gesellschaftlicher Konsens über Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit, Sicherheit und Bezahlbarkeit doch "es gibt erhebliche Differenzen, welcher Weg verfolgt werden soll".

MMM-Group Werksleiter Norbert Weinhold (links) und Geschäftsführer Robert Eibl.

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