10.01.2020 - 14:51 Uhr
Steinberg am SeeOberpfalz

Auf den Spuren des Kardinals

Dem Namen Reisach begegnet man in Steinberg am See oft. Kreis- und Ortsheimatpfleger Jakob Scharf forscht seit Jahrzehnten über dieses Adelsgeschlecht - mit interessanten Resultaten.

2014 entdeckte Orts-und Kreisheimatpfleger Jakob Scharf nach mehrjähriger Suche in Rom den Epitaph des Kardinals.
von Autor SJAProfil

Das Adelsgeschlecht ist mit Kardinal Karl August Graf von Reisach ausgestorben. Dessen 150. Todestag war am 22. Dezember vergangenen Jahres. Sein Onkel gleichen Namens - letzter Hofmarksherr in Steinberg und hoch verschuldet - floh aus Bayern und nahm Zuflucht in Preußen.

Der spätere Kardinal war am 6. Juli 1800 in Roth zur Welt gekommen. Sein "Steinberger Onkel" (1774-1846) war sein Taufpate. Karl August studierte Philosophie in München, dann Jura in Heidelberg, Göttingen und Landshut. Eine glänzende Karriere als Jurist schien vor ihm zu liegen, als er sich zum Studium der Theologie entschloss und drei Jahre später in das Collegicum Germanicum in Rom eintrat. Am 10. August 1828 wurde er zum Priester geweiht, promovierte - und schon ein Jahr später ernannte ihn Papst Pius VIII. zum Studienrektor des Collegiums der Propaganda.

Erzbischof von München-Freising

Wie kam nun der Bayer aus Rom wieder zurück in die Heimat? König Ludwig I. weilte mehrmals in Rom und lernte dort den Landsmann kennen und schätzen. Er wollte ihn in Zusammenhang mit der konservativen Umorientierung seiner Politik als Bischof für eine bayerische Diözese. Papst Gregor XVI. "konsekrierte" ihn am 11. Juli 1836 (nach anderen Angaben am 13.3.1837) in der Kirche Santa Maria Maggiore persönlich zum Bischof. Am 25.2.1847 wurde Reisach Erzbischof von München-Freising. Er setzte sich von Anfang an vehement dafür ein, die Kirche aus den "Fängen" einschränkender staatlicher Bestimmungen zu befreien, wobei er auf die Huld des Königs setzte. Doch diese verlor er sehr schnell, da er weiter gegen das "Staatskirchentum" kämpfte und sich dann auch noch im Zusammenhang mit der Lola-Montez-Affäre des Königs warnend und mahnend äußerte.

"Seherin" mit großem Einfluss

Karl August Reisach war gegenüber übersinnlichen und mystizistischen Phänomenen sehr "anfällig", wobei im 19. Jahrhundert übersinnliche Erscheinungen keine Seltenheit im religiösen Denken darstellten. Die "Seherin" Louise Beck aus Altötting übte nicht wenig Einfluss auf den Bischof aus. Reisach ließ sich in kirchenpolitischen Fragen von ihr "beraten. Sein Verhältnis zum bayerischen Königshaus kühlte immer mehr ab. Ein Jahr später wurde Reisach zum Kardinal ernannt - heute würde man wohl sagen "wegbefördert". Nachfolger wurde der in Neunburg vorm Wald geborene Mettener Abt Georg Scherr.

Sein Hang zur Mystik holte Reisach auch in Rom ein. Einen Einblick, welche Auswüchse dies hatte, gibt der Kirchenhistoriker Hubert Wolf in seinem Buch "Die Nonnen von San Ambrogio. Eine wahre Geschichte". Der Autor nutzte die Öffnung des sehr lange verschlossenen Inquisitionsarchivs durch Papst Johannes Paul II , um unter anderem über Katharina von Hohenzollern-Sigmaringen zu forschen. In diesem Zusammenhang stieß er auch auf ihren Beichtvater: Kardinal Reisach.

Nach zwei kinderlosen Ehen trat die Witwe in die Gesellschaft vom Heiligen Herzen Jesu ein, dann wieder auf Anraten Reisachs am 27. März 1858 auf Probe in das Kloster Sant Ambrogio della Massima. Warum Reisach ihr zu diesem Kloster riet, ist unschwer zu erraten, denn er war immer schon begeistert von gefühlsbetonten Frömmigkeitsformen und angetan von "außergewöhnlichen und übersinnlichen Dingen". 1816 wurde das Kloster von der Inquisition geschlossen und die Gründerin als falsche Heilige in ein anderes Kloster verbannt.

In den höchsten Kreisen

Ihre Anhänger wurden auch aus der Klosterverbannung heraus mit Briefen weiter "versorgt". Ihr Netzwerk reichte bis in die höchsten kirchlichen Kreise. Katharina merkte sehr bald, dass es nicht mit rechten Dingen zuging und bat, sie aus dieser "Klosterhölle" zu retten, was auch geschah. Am 26. Juli 1859 holte ein mit ihr verwandter Bischof sie auf seinen Landsitz in Tivoli. Hier besuchte sie auch Reisach, dem sie sich aber nicht anvertraute. Wenige Wochen nach ihrer Rettung wandte sich Katharina an das Heilige Tribunal des Sanctum Officium und erstattete "Anzeige". Am 23. August 1859 stand sie zum ersten Mal dem Inquisitor Vincenco Leone Sulla gegenüber.

Verbrecherische Details

Das Ergebnis der Inquisition bestätigte nicht nur den Verdacht des versuchten Giftmordes an ihr, sondern deckte auch sexuellen Missbrauch, Initiationsriten, Geschlechtsverkehr mit Priestern, Abtreibungen und zwei Morde auf - ganz zu schweigen vom verbotenen Kult um die "falsche Heilige".

Hintergrund:

In seinem Todesjahr 1869 hatte Papst Pius IX. Reisach das Amt des Präsidenten des 1. Vatikanischen Konzils übertragen Während der Vorbereitung war er bereits krank, so dass ihm der Papst eindringlich dazu riet, wenigstens bis Allerheiligen kürzer zu treten. Daraufhin begab sich Reisach nach Frankreich in das Redemptoristenkloster in Contamine-sur-Arve in Savoyen.

Sein Zustand verschlechterte sich dort immer mehr, so dass er bereits am 24. Oktober die Sterbesakramente verlangte. Am 22. Dezember 1869 starb er gegen 22 Uhr nach einem schweren Todeskampf. Er ist in der Kirche Santa Anastasia am Abhang des Palatins in der Nähe des Circus Maximus begraben.

Hier machte Jakob Scharf bei einer seiner Romreisen 2014 voller Freude die Entdeckung seines Epitaphs.

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