09.03.2020 - 12:51 Uhr
Steinberg am SeeOberpfalz

Steinberg: Radikal-Rodung für die Umwelt

Nur auf den ersten Blick sieht die Fläche nahe des Steinberger Sees aus wie ein Kahlschlag. Auf den zweiten Blick sind die viele Baumschößlinge zu sehen. Hier soll aus einer Monokultur ein Mischwald werden.

Jan Vaclavik (links) setzt Laubbäume, sein Kollege Franz Deml von der Bodenwöhrer Landschaftspflegefirma Reiger zerkleiner Äste. Die beiden arbeiten auf einer Fläche zwischen Westfeld und Hirtlohweiher, die Uniper gehört und ökologisch aufgewertet wird.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Holzvollernter und Motorsägen haben beinahe ganze Arbeit geleitet. Von den ehemals dicht an dicht stehenden Bäumen sind nur etliche Kiefern übrig geblieben. Und ein paar Baumtorsos stehen auf der Fläche zwischen Westfeld und Autobahn A 93. Sie gehört zu den rund 5,5 Hektar, die zu einem robusten Mischwald umgestaltet werden. Das übernimmt die Uniper, Nachfolgeunternehmen der ehemaligen Bayerischen Braunkohlenindustrie (BBI).

"Das gehört zur Verbindung zwischen Westfeld und dem Schutzgebiet am Hirtlohweiher", erläuterte Uniper-Pressesprecher Jan Kiver bei einem Vor-Ort-Termin am Donnerstag. Zwar wurde auf diesen Flächen nie Braunkohle abgebaut. Dennoch ließ die BBI hier einst Fichten pflanzen, dicht an dicht. Ausgelichtet wurde hier nicht mehr, nach dem Ende der BBI. Wo diese Monokulturen noch stehen, ist zu sehen, dass am Boden nichts sprießt. Kein Licht. Der Begriff "Dickicht" wurde für solche Waldflächen erfunden.

Daraus sollen nun Klima-stabile Mischwälder werden. In diesem Jahr werden 2,8 Hektar in Angriff genommen. Rund 750 Festmeter Kiefern- und Fichten wurden gefällt. Das Stammholz ist verkauft und wird abtransportiert, das restliche Holz gehäckselt. Die Hackschnitzel bleiben auf der Fläche.

Vor wenigen Tagen begann die Neupflanzung von Hand: 4400 Rotbuchen, 6800 Eichen und 1700 Hainbuchen werden mit dem Hohlspaten gesetzt. Die Rotbuchen werden unter den ausgelichteten Kiefernbestand platziert. Eichen und Hainbuchen ersetzen den komplett entfernten Fichtenbestand. Das Unternehmen "Landschaftspflege Reiger" aus Bodenwöhr übernimmt die Aufgabe. Uwe Binner überwacht als Freiberufler für Uniper die Maßnahme. An den Rändern des künftigen Waldes und an den Wegen werden zum Abschluss stufenweise 450 Sträucher wie Hartriegel, Weißdorn und schwarzer Hollunder gepflanzt, in zweiter Reihe 450 Bäume wie Feldahorn, Vogelkirsche und Wildobstbäume, ehe die höher wachsenden Buchen und Eichen kommen. Zum Schutz vor Verbiss wird das Gelände eingezäunt. Der Zaun kommt weg, wenn die Schößlinge "aus dem Äser" sind, also höher gewachsen, als sie Rehe verbeißen können. Die "Torso-Bäume," auch Totholzhaufen aus Stamm- und Ast-Resten sollen Vögeln, Fledermäusen und Insekten Lebensräume bieten.

Die Anpflanzung und Umgestaltung ist laut Kiver eng mit den zuständigen Behörden abgestimmt und entspricht den Vorgaben des Waldumbauplans der Staatsregierung. Einige Waldflächen wurden bereits 2012 wieder vernässt, hier soll sich ein Moorwald bilden. Auch das Wegenetz wird instand gesetzt.

An der nördlichen Grenze der Waldumbaufläche, zum ehemaligen BBI-Becken hin, verläuft der Graben, der jetzt aus den Oberflächenwässern des Westfelds gespeist wird. Er versorgt den Hirtlohweiher mit Wasser. Rund um den Weiher südlich der Staatsstraße 2145 erstreckt sich ein 64 Hektar großes Naturschutzgebiet.

Laut Kiver hatte Uniper zugesichert, im Zuge der Rekultivierung des Westfelds (wir berichteten) die Monokulturen auf der Flur des Steinberger Ortsteils Oder umzubauen und ökologisch aufzuwerten. Den Waldumbau lässt sich das Unternehmen rund 300 000 Euro kosten. Das Programm ist auf drei Jahre angelegt. "Wir liegen im Zeitplan", sagte Kiver. Bis hier ein prächtiger Mischwald steht, wird es freilich Jahrzehnte dauern.

Neben jedes der vielen Tausend frisch gesetzten Baumpflänzchen wird zur Markierung ein Bambusstab gesteckt.

Rekultivierung des Westfelds

Wackersdorf
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