02.12.2019 - 08:00 Uhr
Steinberg am SeeOberpfalz

Weltkrieg bringt Leid über Steinberger

„80 Jahre Beginn 2. Weltkrieg aus Steinberger Sicht“ lautet das Thema eines Bildvortrages durch HAK-Vorsitzenden und Ortsheimatpfleger Jakob Scharf. Er berichtet dabei auch von zu Herzen gehenden Tragödien.

Ludwig Wagner war mit 30 Jahren der älteste Gefallene , die jüngsten waren 18 und 19 Jahre alt und sahen ihre Heimat nie wieder.
von Autor SJAProfil

Bei dieser Veranstaltung des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK) im Braunkohlemuseum erinnerte der Referent vor allem an die Gefallenen und Vermissten aus Steinberg, Oder und Holzheim, wobei er an alle appellierte, aktiv für den nicht selbstverständlichen Frieden etwas zu tun und aufkeimendem Rechtsradikalismus mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten.

Zu viele wählen undemokratisch

Zunächst zeigte der Referent die historische Entwicklung in Deutschland auf, als 1932 in freien Wahlen 37 Prozent der Deutschen der undemokratischen Partei NSDAP ihre Stimme gaben, während demokratische Parteien wie die SPD oder das katholische Zentrum zusammen weniger erreichten. Auch die Kommunistische Partei habe über 14 Prozent erreicht. So sei Adolf Hitler durch die Ernennung zum Reichskanzler durch Reichspräsident Hindenburg auf legale Weise an die Macht gekommen, obwohl er von der deutschen Bevölkerung dafür nicht gewählt wurde.

Man könne in manchen Landstrichen Deutschlands heute insofern Parallelen zur Zeit vor 1933 ziehen, weil auch hier die etablierten Volksparteien zuletzt weniger Zustimmung fanden "als die rechten und linken Ränder", deren Parteien nach Ansicht von Scharf trotz totaler ideologischer Gegensätze Ähnlichkeiten zwischen ihren extremistischen Flügeln erkennen lassen."

"Das Wort vom Lernen aus der Geschichte gilt heute mehr denn je", warnte der Kreisheimatpfleger 80 Jahre nach Kriegsbeginn, ehe er konkret auf die Situation in Steinberg im Jahr 1939 einging. An einem Septembersonntag traten Schwandorfer Parteifunktionäre plötzlich in das Gasthaus Fenzl, unterbrachen das Kartenspiel und verlasen 20 Namen mit dem Einberufungsbefehl für den Tag darauf. Damit begann auch für die jungen Steinberger der Krieg, an dem über 60 teilnahmen und über die Hälfte davon gefallen sind sowie 16 als Vermisste nicht mehr in ihre Heimat zurückkehrten.

Vier Geschwister kommen um

Dieser sinnlose, hohe Blutzoll habe viel Leid über den damals rund 500 Einwohner zählenden Ort gebracht, wobei aus einer Familie drei Brüder auf den Schlachtfeldern ihr Leben lassen mussten und deren Schwester beim Bombenangriff auf Nürnberg ums Leben kam. Fast alle vom Referenten gezeigten Feldpostbriefe an die Eltern oder die Braut schlossen mit "Auf Wiedersehen", das es für viele nicht mehr gab. Aber auch im Ort selbst gab es viele Veränderungen: Die beiden Radfahrvereine "Solidarität" und "Concordia" wurden ebenso aufgelöst wie der Katholische Knappenverein, während judenfeindliche Aktionen oder Übergriffe durch Nazis im Gemeindebereich nicht zu beklagen waren. Lediglich Benefiziat Alfons Beck wurde wegen einer kritischen Predigt bei der Nazi-Partei denunziert. Hausdurchsuchungen und Verhöre durch die Gestapo brachten aber nichts Belastendes zutage.

Viele der Bergleute sterben

Im Gemeindebereich Oder jedoch wurden führende Mitglieder der Bayerischen Volkspartei durch bewaffnete SA-Männer verhaftet und ein Sozialdemokrat wurde sogar kurzfristig in ein Konzentrationslager gebracht. Von den 200 eingerückten BBI-Bergleuten kehrten 49 nicht mehr aus dem Krieg zurück. Ihnen wurde vor dem Museum vor einigen Jahren ein Denkmal gesetzt.

Der Betrieb der BBI konnte während des Krieges mit 595 eingesetzten deutschen Bergleuten sowie 150 belgischen und französischen und 50 polnischen Kriegsgefangenen aufrecht erhalten werden.

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