08.02.2021 - 16:53 Uhr
Steinfels bei MantelOberpfalz

Landratsamt bestätigt: Teile eines Biotops bei Steinfels sind zerstört

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Planierungsarbeiten auf einer Fläche am Ortsausgang von Steinfels haben im Sommer 2020 Teile eines Biotops zerstört. Die Bauarbeiten sind eingestellt. Für die Behörden und auch die Naturschützer ist der Fall noch nicht abgeschlossen.

Die Winteridylle trügt. Im Frühsommer 2020 wurden in Steinfels bei Mantel auf einer rund 8,5 Hektar großen Fläche Tümpel zugeschüttet und Gehölze zerstört. Eigentlich sollte der Urzustand schon längst wieder hergestellt sein, sagen Naturschützer.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

In Steinfels bei Mantel wird es keine Aufbereitungsanlage für Kraftfahrzeuge geben. Das Landratsamt lehnte das Bauvorhaben ab. Das teilte es auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien mit. Ein Speditionsunternehmer hatte im April 2020 einen Bauantrag beim Markt Mantel eingereicht. Der Bauausschuss des Marktrates gab damals grünes Licht. Das Landratsamt als eigentliche Genehmigungsbehörde sah dies anders. "Das Vorhaben erwies sich in der beantragten Form als nicht genehmigungsfähig", sagt dessen Sprecherin Claudia Prößl. Auch mit Auflagen konnte es nicht genehmigt werden.

Das Bauprojekt war auf einem Grundstück am Ortsausgang von Steinfels geplant, das sich in Privatbesitz befindet. Der Eigentümer hatte vor längerem das Gelände des ehemaligen Asphaltmischwerks Held und Franke gekauft - mitsamt einem Renaturierungsplan für frühere Kiesabbauflächen, den er vom Vorbesitzer übernahm.

Verfahren läuft noch

Und damit begann offenbar der Ärger, den Adolf Küblböck vom Landesbund für Vogelschutz Neustadt/Weiden (LBV) im Juni 2020 öffentlich machte. Küblböck kritisierte, dass hier eine ökologisch wertvolle Ausgleichsfläche (ein kartographiertes Feuchtbiotop) durch Planierungsarbeiten "weitgehend zerstört" worden sei und informierte die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Neustadt/WN. Die Planierungsarbeiten mussten daraufhin eingestellt werden, da keine Genehmigung vorlag.

Außerdem wurde gegen den Grundstücksbesitzer wegen Bauens ohne Baugenehmigung ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren eingeleitet. Ein dreiviertel Jahr später sei das noch nicht abgeschlossen, wie Landratsamtssprecherin Prößl auf Nachfrage bestätigt.

Eine rund 8,5 Hektar große Fläche wurde ausgeschoben und planiert. Damit verschwanden Hecken und Kleingewässer, die Bestandteil einer Ausgleichsfläche waren.

Hecken sind weg

Auf der Sandfläche wurden Hecken und Tümpel zerstört. Das hat die Naturschutzbehörde mittlerweile untersucht und bestätigt. Insgesamt wurde eine rund 8,5 Hektar große Fläche im Außenbereich abgeschoben und planiert. Teilbereiche davon wurden in dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan für das Sondergebiet "Regeneratives Licht" des Marktes Mantel als Ausgleichsfläche festgesetzt, teilt das Landratsamt mit. Konkret befanden sich auf der wertigen Fläche unter anderem eine Vielzahl an Gehölzen, die als Hecken und Feldgehölze dem Schutz des Bayerischen Naturschutzgesetzes unterfallen, und Kleingewässer.

Der Grundstückseigentümer hatte im Juni 2020 auf Anfrage die Vorwürfe auf Zerstörung einer Naturfläche zurückgewiesen. Er habe sich an den Renaturierungsplan gehalten. Die Ausgleichsflächen seien noch da, er habe nichts beschädigt, äußerte er sich damals. Für eine erneute Nachfrage zum Sachstand war er nicht zu erreichen.

Ebenfalls noch nicht abgeschlossen ist die Prüfung durch das Landratsamt, ob vor Ort oder an anderer Stelle die Ausgleichsflächen wiederhergestellt werden müssen. "Grundsätzlich wird bei derartigen Eingriffen die Wiederherstellung des vorherigen Zustands verlangt", so Claudia Prößl.

Dass das so lange dauert, wurmt Adolf Küblböck. Der Naturschützer aus Weiherhammer findet es auch nach Monaten "ungeheuerlich", was hier auf dem insgesamt rund 12 Hektar großen Areal zerstört wurde. "Die Hecken und Tümpel hatten eine wichtige Funktion auf dem geneigten Gelände. Nachdem das Gelände plattgemacht wurde, fließt das Wasser nicht gezielt ab, sondern der Regen schwemmt die Sandhänge ab und verursacht tiefe Erosionen im Boden." Küblböck sieht mit Sorge auf den nahen Frühling. "Der Urzustand des Biotops sollte längst wieder hergestellt sein, bevor die Natur wieder zum Leben erwacht."

Naturflächen planiert

Mantel
Info:

Stichwort: Ausgleichsfläche

  • Die Eingriffsregelung (auch Eingriffs-Ausgleichs-Regelung) ist im deutschen Recht das bedeutendste Instrument zur Durchsetzung von Belangen des Naturschutzes, das in der „Normal-Landschaft“ greift, also auch außerhalb naturschutzrechtlich gesicherter Gebiete. Grundidee ist ein generelles Verschlechterungsverbot für Natur und Landschaft.
  • Es sollen negative Folgen von Eingriffen in Natur und Landschaft vermieden und minimiert werden. Des Weiteren sollen nicht vermeidbare Eingriffe durch Maßnahmen des Naturschutzes ausgeglichen werden.
  • Rechtsgrundlage: §§ 14 und 15 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) sowie §§ 1a und 35 des Baugesetzbuches (BauGB). Einzelheiten ergeben sich aus den Naturschutzgesetzen (Landschaftspflegegesetzen u. a.) der Länder.
  • Mit Inkrafttreten des neuen Bundesnaturschutzgesetzes im März 2010 ist das Bundesgesetz selbst Rechtsgrundlage.

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