18.06.2020 - 17:12 Uhr
MantelOberpfalz

Steinfels: Wurde hier ein Biotop zerstört?

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"Das ist die größte Naturzerstörung seit Jahren im Landkreis." Adolf Küblböck vom Landesbund für Vogelschutz ist außer sich wegen einer Fläche am Ortsausgang von Steinfels. Der Grundstückseigentümer hält dagegen.

Am Ortsausgang von Steinfels, hinter den Photovoltaikanlagen, soll ein Gelände für Kfz-Stellplätze entstehen. Die Untere Naturschutzbehörde prüft nun das Vorgehen, da Teilbereiche davon eine Ausgleichsfläche sind. Wurde hier ein wichtiges Stück Natur zerstört?
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Uferschwalben, Laubfrösche, Seeadler: Im kartographierten Feuchtbiotop am Ortsausgang von Steinfels hatten viele Tierarten eine Brutstätte oder ein Zuhause gefunden. Doch nun soll alles zerstört sein. Das sagt zumindest Adolf Küblböck vom Landesverbund für Vogelschutz Neustadt/Weiden (LBV). Für ihn ist das eine Katastrophe: "Sowas habe ich in den vielen Jahren, in denen ich als ,Anwalt der Natur' unterwegs bin, nicht gesehen. Das ist die größte Naturzerstörung seit Jahren hier im Landkreis."

Wichtiger Faktor fürs Ökosystem

Ort des Geschehens ist eine Brachfläche am Ortsausgang von Steinfels bei Mantel hinter einer Fläche mit Photovoltaikanlagen. Diese Brache sei nach Aussage von Küblböck eine Ausgleichsfläche für frühere Baumaßnahmen gewesen. "Die ist enorm wichtig für das dortige Ökosystem und die Biodiversität." Richard Kammerer, Bürgermeister von Mantel, erklärt auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien: "Das Gelände gehört einem Privatmann, der es an eine Transportfirma vermieten will." Die Gemeinde habe deshalb nicht mehr direkt etwas mit den Flächen zu tun.

Eigentümer weist Vorwürfe zurück

Der Privatmann, der die Fläche gekauft hat, ist Roland Scharl. Der Grundstückseigentümer ist sich keiner Schuld bewusst und weist die Vorwürfe entschieden zurück: "Die Ausgleichsflächen sind definitiv noch da. Da haben wir nichts beschädigt oder entfernt." Was aktuell umgesetzt wurde, war ein Renaturierungsplan, den Scharl vom Vorbesitzer übernommen habe. "Dieser Renaturierungsplan entstand vor einigen Jahren als Folge von Kiesabbau oder der Abtragung von Bodenschätzen."

Woher die Anschuldigungen, er habe ein wichtiges Stück Natur zerstört, kommen, kann sich Scharl nicht erklären. Die Ausgleichsflächen würden weiterhin existieren: "Da sind zwei Tümpel, eine Sandfläche mit Mulden und Totholzhaufen. Ich bin Tierfreund und möchte die Natur nicht kaputt machen." Die Fläche habe er lediglich als Kapitalanlage gekauft. Auch bei einer Verpachtung sollen keine Flächen versiegelt werden, die Sandfläche soll weiterhin bestehen bleiben.

Naturschutzbehörde prüft

Möglicher Pächter für die Fläche ist die Firma Aichinger. Bereits in der vergangenen Marktratssitzung in Mantel im April stellten Anna und Josef Aichinger einen Bauantrag auf Errichtung einer Aufbereitungsanlage für Kraftfahrzeuge auf dem Gelände des ehemaligen Asphaltmischwerks. Gegenüber Oberpfalz-Medien bestätigte Josef Aichinger das Bauvorhaben, wollte sich dazu aber nicht weiter äußern.

So lief die Marktratssitzung in Mantel

Mantel

Planierungsarbeiten nicht genehmigt

Der Marktrat übergab die Entscheidung an den Bauausschuss, welcher den Antrag genehmigte. Küblböck hatte unterdessen die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Neustadt/WN informiert. Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bestätigte die Behörde: "Bei Steinfels wurde eine ca. 8,5 Hektar große Fläche im Außenbereich abgeschoben und planiert. Davon sind Teilbereiche in dem Bebauungsplan 'Regeneratives Licht' des Marktes Mantel als Ausgleichsfläche festgesetzt." Und auch Claudia Prößl, Pressesprecherin des Landratsamtes erklärt: "Die Ausgleichsflächen waren also teilweise von den aktuellen Baumaßnahmen betroffen." Grundsätzlich sei das Gelände und ihre naturschutzfachliche Wertigkeit der Unteren Naturschutzbehörde bekannt, die Behörde sei am baurechtlichen Verfahren beteiligt.

Quarzsandabbau wird fortgesetzt

Grafenwöhr

Als zuständige Genehmigungsbehörde prüfte das Landratsamt Neustadt an der Waldnaab außerdem die Genehmigungsfähigkeit des Bauvorhabens. Dabei stellte die Behörde fest, dass für die aktuellen Planierungsarbeiten keine Genehmigung vorlag. Claudia Prößl teilte in diesem Zusammenhang mit: "Die ungenehmigt begonnenen Planierungsarbeiten der Fläche wurden durch das Landratsamt letzte Woche eingestellt. Parallel dazu wird wegen Bauens ohne Baugenehmigung ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren eingeleitet." Im Rahmen dessen habe der Bauherr Gelegenheit sich zu äußern.

Keine schnellen Schlüsse

Claudia Prößl warnt in diesem Zusammenhang vor schnellen Schlüssen: "Es kann sich auch herausstellen, dass es nicht die Schuld des Eigentümers war." Verschiedene Szenarien seien denkbar, wie es zu der Zerstörung der Ausgleichsflächen gekommen sei. Anschließend wird geprüft, wo – ob vor Ort oder an anderer Stelle – die Ausgleichsflächen wiederhergestellt werden können. Im Nachgang wird dann das eigentliche Bauvorhaben nochmals auf Genehmigungsfähigkeit geprüft.

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