08.10.2019 - 13:29 Uhr
StörnsteinOberpfalz

Druckfrische Zeitreise durch Jahrhunderte

Sechs Jahre – nicht jeden Tag, aber trotzdem intensiv – arbeitete Konrad Kraus an seinem Werk. Jetzt ist das 585 Seiten umfassende Buch „Hof- und Familiengeschichte“ fertig. Der Inhalt erstreckt sich von 1731 bis in die Gegenwart.

Bei Konrad und Anni Kraus (Dritter und Vierte von rechts) steht ein Festtag an. Gemeinsam mit den Helfern präsentierten sie beim "Gerstbauer" ein neues Buch des Altbürgermeisters.
von Bernhard NeumannProfil

Nach „Gesagt wie“ und „Störnstein, meine Heimat“ ist die „Hof- und Familiengeschichte“ bereits die dritte, im wahrsten Sinne des Wortes durchaus auch gewichtige Veröffentlichung des Altbürgermeisters. Im Vordergrund steht allerdings der Inhalt: „Inzwischen bewirtschaftet die achte Generation unsere Scholle in Störnstein. Das umfasst 288 Jahre.“ Davon übten 67 Jahre Konrad Kraus, seine Vorfahren oder enge Verwandte das Amt des Bürgermeisters oder Gemeindevorstehers aus.

Der Autor leitete von 1978 bis 2002 die Geschicke der Gemeinde. Nicht zuletzt dadurch bedingt stand er häufig bei Beerdigungen an offenen Gräbern: „Immer wieder ging es mir durch den Kopf, wie viel Wissen, Erfahrungen, Erinnerungen, Leistungen oder auch Leid unwiederbringlich zugeschaufelt werden. Und meist sind dann all diese Schätze verloren.“ Das sollte ihm persönlich nicht passieren, dieser Gedanke schoss ihm jedes Mal auf dem Friedhof durch den Kopf.

Es blieb nicht bei solchen Gedanken. Nach der Epoche als Bürgermeister blieb die Zeit, den Vorsatz in die Tat umzusetzen. Kraus machte sich durchaus einen Namen als ein der Heimat verbundener Hobbyschriftsteller. 2013 begann er, ein Kapitel der Störnsteiner Geschichte, das ihn, seine Angehörigen und seine Vorfahren konkret betrifft, zusammenzutragen, zu ordnen und schwarz auf weiß festzuhalten.

Unterstützung gab es in vielfältiger Form, auch von Menschen, die nicht mehr leben: „Mein Großvater Franz Kraus sowie meine Eltern Wolfgang und Maria Kraus haben viele wichtige Unterlagen aufbewahrt. Das war eine Grundlage für meine Arbeit.“ Hinzu kamen eigene Erlebnisse und Erinnerungen. Der 81-Jährige bewahrte sie nicht nur im Gedächtnis, sondern hielt sie auch schriftlich fest.

Zwar beleuchtet das vorgestellte Buch Aspekte der Störnsteiner Geschichte, die sind allerdings am „Gerstbauer“ orientiert. So lautet der Hausname des Anwesens und seiner Bewohner. Das Werk erschien deshalb nur in einer Auflage von 72 Exemplaren und ist nicht im Handel erhältlich.

Mit Lob bedachte Kraus an dem Nachmittag besonders seine Frau Anni: „Sie hat in den 6 Jahren 956 Bilder zusammengetragen und sortiert.“ Für den Druck aufbereitet wurden die Aufnahmen von Sohn Martin. Anton Greiner kümmerte sich um Satz und Layout und Josef Frischholz wurde für das Korrekturlesen eingespannt. Gekommen war auch Regina Frischholz vom Rothenstädter Wendepunktverlag: „Mit allen Beteiligten gab es ein angenehmes, vertrauensvolles und gleichermaßen effektives Miteinander.“

Hunger und Durst leiden musste beim „Gerstbauer“ – auf dem Hof leben vier Generationen - bei dem Treffen niemand. Bei Kaffee und Kuchen wurden Erinnerungen an die aufwändige und akribische Arbeit wach. Und auch der gute Freund und Leiter der „Störnsteiner Blasmusik“, Gerhard Träger, schaute vorbei. Er brachte sein Akkordeon mit und spielte auf.

Auf die Frage, ob es ihm jetzt langweilig wird, schmunzelte Konrad Kraus: „Mein fertiggestellter Schatz für die Nachwelt wird wohl mein letztes Buch sein. Zu tun hab' ich aber noch genug.“ Der Autor bringt eine stattliche Sammlung von Sterbebildern zur Sprache. Sie stammen aus der Heimatgemeinde und aus zahlreichen weiteren Orten: „Ich werde sie ordnen und der Nachwelt erhalten. Das gilt auch für eine Vielzahl von Urkunden, die in Schubladen schlummern.“

Konrad Kraus machte sich auch schon in der Vergangenheit einen Namen als geschichts- und fachkundiger Buchautor. Jetzt erschien sein dritter, und wie er selbst sagt, sein letzter Band.
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