12.06.2020 - 15:34 Uhr
StörnsteinOberpfalz

Kulturscheune: Architekten und Firmen in Kritik

Wieder fallen deutliche Worte, diesmal aber im Beisein der Architekten. Und diese wissen sich zu verteidigen. Dass die Kulturscheune Störnstein immer noch im Rohbau dasteht, liegt den Architekten zufolge an Baufirmen.

Der Gemeinderat tagt auf der Baustelle: von links Architekt Ulrich Greiner, Bürgermeister Markus Ludwig, Eka Reber, Johann Confal, Hubert Meiler, Karlheinz Schreiner, Otto Müller.
von Gabi EichlProfil

Die Dauerbaustelle Kulturscheune beschäftigt den Gemeinderat in einer Sitzung vor Ort. Das provisorische Dach ist nicht dicht, die Gemeinderäte stehen zwischen mehreren großen Wasserflecken. Verschiedene Räte fragen, wer für diese Bauschäden hafte. Der FW-Sprecher Hubert Meiler sagt: „Wir haben die Ruine da, ehe wir fertig sind.“ Die Frage kann nicht eindeutig geklärt werden, ein Gemeinderat meint, die Angelegenheit werde wohl vor Gericht enden.

Kettenreaktion

Architekt Ulrich Greiner, der in Begleitung des Diplomingenieurs Jochen Rosner gekommen ist, erläutert den Gemeinderäten die Ursachen für die massiven Verzögerungen aus seiner Sicht und die mangelnde Handhabe eines Architekturbüros in so einem Fall. Die für den Dachstuhl zuständige Holzbaufirma habe ursprünglich vor Weihnachten mit ihren Arbeiten fertig sein sollen; stattdessen habe die Firma sich aber mehr oder weniger tot gestellt, habe nicht auf Anrufe reagiert, nicht auf Mahnungen, nicht auf die Androhung des Auftragsentzugs.

Und damit sei die unglückselige Kettenreaktion in Gang gekommen, die dazu geführt habe, dass man nun immer noch in einem Rohbau stehe. Denn dadurch habe sich Gewerk um Gewerk verzögert, dadurch habe man Monate verloren. „Der Holzbau hat uns das ganze Bauwerk gekostet, der hat uns fünf Monate hängen lassen, wir wussten nicht, kommt der überhaupt nochmal“, sagt Greiner in aller Deutlichkeit. Aber nicht nur die Holzbaufirma sei vollkommen unzuverlässig: „Die Firmen lassen uns komplett im Stich auf dieser Baustelle.“

Vor allem die FW-Gemeinderäte Karlheinz Schreiner und Hubert Meiler kritisieren das Architekturbüro stark. Schreiner beklagt mehrmals, dass der Bauzeitplan von Beginn an illusorisch gewesen sei, Meiler kann eigenem Bekunden zufolge nicht nachvollziehen, warum den beauftragten Firmen die Daumenschrauben nicht stärker angezogen würden. „Anscheinend können die Firmen mit Ihnen machen, was sie wollen“, sagt Meiler zu den Architekten.

Vertragsstrafe schreckt nicht ab

Greiner erwidert, man habe allen Druck aufgebaut, der nach VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, Anm. d. Red.) möglich sei. Man habe keine Handhabe gegen eine Firma, die nicht auftauche auf der Baustelle, außer dem Entzug des Auftrags. Das könne aber nur die Gemeinde selbst. Und die nach VOB zulässige Vertragsstrafe sei bei kommunalen Projekten so gering, dass sie keinerlei abschreckende Wirkung habe.

Wie Bürgermeister Markus Ludwig erläutert, habe man durchaus überlegt, der Holzbaufirma den Auftrag zu entziehen. Die Frage sei jedoch: Wer macht es dann und zu welchem Preis? Sicher niemand zum aktuell vereinbarten Preis und vermutlich auch niemand von heute auf morgen, sagt Ludwig. Und dann stehe man noch schlechter da als im Moment. Man sei derzeit in einer Spirale gefangen: „Wir stolpern von einem Verzug zum anderen.“

Künftig wöchentlich Jour fixe

Eka Reber (FW) beklagt die mangelnde Information der Gemeinderäte; man werde dauernd von Bürgern angesprochen auf den Sachstand, könne aber kaum etwas antworten. Der SPD-Sprecher Konrad Schell regt einen wöchentlichen Jour fixe an, was auf allgemeine Zustimmung stößt. Nur so sei zu gewährleisten, so sagt Schell, dass einerseits der Informationsfluss gesichert sei, andererseits die beteiligten Firmen sich in kurzen Abständen immer wieder rechtfertigen müssten für eventuelle Verzögerungen. „Es muss ein regelmäßiger Druck da sein“, sagt Schell.

Ludwig bittet wiederholt darum, das gemeinsame Ziel im Auge zu behalten, den Bau so rasch wie möglich voranzubringen. Alles andere sei kontraproduktiv.

Die Bauarbeiten verzögern sich

Störnstein

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