08.01.2019 - 15:40 Uhr
StörnsteinOberpfalz

Skispringen mit drei Sternen

Die besten Sportler treten in den 1950er Jahren auf der Skisprungschanze in Störnstein an. Doch das Glück der Fans währt nur drei Jahre: 1956 wird die Drei-Sterne-Schanze" abgerissen - weil sie ein Schwarzbau ist.

Im 6. Januar 1953 wurde beim SV Störnstein eine Skiabteilung gegründet. Mit großem Eifer machten sich die Mitglieder an den Bau der Skisprungschanze „Drei Sterne“ am Bühl. Der Schanzenrekord: 42 Meter durch Heini Klopfer.

(cr) Hunderte Menschen trafen sich in den 1950er Jahren an schneereichen Wochenenden in Störnstein (Landkreis Neustadt/WN). Bis aus der Nürnberger Gegend reisten sie an. Der Grund: Skispringen. Am Bühl stand zu dieser Zeit die nach dem Wappen der Gemeinde benannte "Drei-Sterne-Sprungschanze".

Daran erinnert das Buch "Störnstein - meine Heimat, Erinnerungen von 1944 bis 2002" des Altbürgermeisters Konrad Kraus. Auf rund 550 Seiten hat er einen gehörigen Wissensschatz zusammengetragen und beschreibt das Leben in seiner Heimatgemeinde. 24 Jahre war Konrad Kraus Bürgermeister, sechs Jahre Stellvertreter und weitere sechs Jahre Gemeinderat. Das Buch wurde 2013 herausgegeben.

Tribüne am Bahndamm

Von der einstigen Skisprungschanze in Störnstein weiß kaum noch jemand. Die Idee hatte damals der aus dem Riesengebirge stammende und über Zwiesel nach Störnstein zugezogene Hans Hofmann. Die Mitglieder des Sportvereins waren begeistert, gemeinsam wurde aus Brettern eine Schanze am Bühl gebaut, der Damm der Bocklbahn bildete dabei die Zuschauertribüne.

Nach anfänglichen Problemen ging es 1953 los. Am 28. Januar wurde die Schanze vor Hunderten Besuchern eingeweiht. Bereits beim zweiten Springen am 8. Februar gingen vor rund 600 Zuschauern 32 Springer an den Start. Die Menge wuchs bei jedem weiteren Springen an bis sich schließlich bis zu rund 1500 einfanden, um den kühnen Sportlern zuzujubeln.

Das Springen startete stets nach 14 Uhr. Dann hielt nämlich die Dampflok aus Neustadt in Störnstein. Ihr entstiegen massenweise enthusiastische Wintersportfans. Die Störnsteiner Anton Wedel und Konrad Kraus können sich noch genau an diese Zeiten erinnern: "Zwischen 600 und 1500 Zuschauern fanden sich ein." Am 19. Februar 1956 fand nochmals eine Bezirksmeisterschaft statt. Helmut Matejka stellte dabei einen Schanzenrekord von 41 Metern auf.

Heini Klopfer am Start

Zu den Meisterschaften fanden sich sogar Skispringer aus dem Allgäu ein. Mit dabei war auch Heini Klopfer aus Immenstadt. Der Sportler und Architekt wurde berühmt durch den Bau von über 250 Skisprungschanzen weltweit. Die erste Sprungschanze in Oberstdorf trägt noch heute seinen Namen. Heini Klopfer war begeisterter Skispringer und gehörte Anfang der 1950er Jahre zu dem berühmten Oberstdorfer Trio Klopfer, Brutscher und Weiler. Sie gehörten damals zur Weltspitze.

Als die schwäbischen Springer jedoch die Anlage in Störnstein sahen, weigerten sie sich anzutreten. Ihnen war die Auslaufstrecke zu kurz. In einer Nacht- und Nebel-Aktion wurden ihre Forderungen umgesetzt und die Strecke verlängert. Die Gäste gingen an den Start. Mit 42 Metern errang Klopfer den absoluten Sprungschanzenrekord.

Abriss gefordert

Olympiaverdächtige Störnsteiner gab es nie im Sportverein. Der Betrieb auf der "Drei-Sterne-Sprungschanze" wurde 1956 eingestellt. Der Grund: Das Landratsamt Neustadt/WN forderte mit Nachdruck den Abriss des Anlaufturmes. Er war ein Schwarzbau. Um den Turm zu stabilisieren, hatten die begeisterten Störnsteiner Skisprung-Fans ihn an Bäumen befestigt. Diese erheblichen statischen Mängel beendeten den Traum. Ein Paar Ski aus dieser Zeit werden heute noch im Rathausarchiv aufbewahrt.

Das Buch "Störnstein - meine Heimat, Erinnerungen von 1944 bis 2002" von Altbürgermeister Konrad Kraus ist im Wendepunkt-Verlag erschienen.

Bis zu 1500 Zuschauer fanden sich bei den Skisprungwettbewerben ein. Sie kamen bis aus Nürnberg angereist.
An das einstige Skisprung-Mekka erinnert auch das Buch „Störnstein – meine Heimat, Erinnerungen von 1944 bis 2002“ des Altbürgermeisters Konrad Kraus. Das Buch wurde 2013 im Wendepunkt-Verlag von Regina Frischholz herausgegeben.

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