23.02.2020 - 17:27 Uhr
StullnOberpfalz

Abheben mit Beethoven und Bier

Bauern, Bier und Bons haben Hochkonjunktur, wenn der Stullner Faschingszug lautstark durch die Ortschaft tingelt. Komponist Beethoven hat seinen Flügel dabei, und die Deutsche Bahn bekommt ihr Fett weg.

von Monika Bugl Kontakt Profil

Das Stullner Kinderprinzenpaar führt den Faschingszug an, der sich an diesem Sonntag von kräftigen Windböen nicht aufhalten lässt. Die kleinen Harems-Damen der Lokalmatadoren sind dick eingemummt. Die windexponierten Verkehrsschilder schunkeln schon, bevor dass erste närrische Völkchen sein Gefährt zum Schaukeln bringt. Bären, Tiger, Bettelmönch und Superman, Hexe und Krokodil warten am Straßenrand auf einen guten Schluck, auf Popcorn und Bonbons oder originelle Gags. Und davon gibt es eine Menge.

Ganz abgehoben präsentiert sich die "Faschingshauptstadt Stulln" mit dem Motto "Reise um die Welt". Auf der Ladeschaufel eines Bulldogs thront eine Weltkugel und obendrauf noch ein selbst gezimmertes Flugzeug samt Pilot. Begleitet wird das Gefährt von originell ausstaffierten Ballonfahrern, und ein Bier-Kapitän gibt die Kommandos: "Hier spricht der Bier-Kapitän, darf ich bitte mal die Bierbäuche sehn?", tönt es aus den Lautsprechern.

"Kein Feinstaub und kein CO2, Hexen fliegen abgasfrei", lautet die Antwort der Hexen. Spaßig verpackte Kritik gibt es nicht nur an der Umweltpolitik, auch die Verkehrssituation in Nabburg ist Thema: "Ich steh' am Bahnübergang", ist da auf einem Schild zu lesen, davor wartet einer, der seinen Grill mitgebracht hat. Ein paar Meter weiter legt eine Gruppe Schaffner noch eins drauf: "Ein Zug der nicht mehr bremsen kann, bleibt steh'n in Stulln als Geisterbahn", heißt es da in Anspielung auf einen Zug, der hier tatsächlich unkontrolliert zum Halt kam.

Barbie und Hit-Giganten

Andere Gruppen haben sich von Jubiläen wie 50 Jahre Hitparade inspirieren lassen: "Hit-Giganten mit Heck & Co machen alle Stullner froh." Für "60 Jahre Barbie" haben kreative Geister ein rosa Schloss gebastelt und schicken die noch verpackten Puppen samt Hersteller-Logo im Faschingszug gleich hinterher. "Vor 250 Jahren kam Beethoven zur Welt, wir heben das Niveau in Zug &Zelt" verkündet ein Schild, und um den großen Flügel auf dem Wagen drängen sich gleich mehrere Exemplare des berühmten Komponisten mit grauer Mähne. "Am Flügel haut er in die Tasten, lasst uns dazu gemeinsam ausrasten", lautet der Appell der Stunde.

Nicht jeder kommt so elegant daher wie Poseidon und seine Schmalweiher-Nixen, die Bauernschaft rückt gleich mit einem mächtigen Lkw an und klagt "Früher geschätzt - heute gehetzt", aber die "Ninoininger" (Neunaigener) servieren als Eisbären und Korallenfische schon die Lösung: "Drink Beer, save Water". Der "Kemada Hänger" dagegen propagiert "Blümchensex mit der Alten", denn das "verringert ungeliebte Falten" und weist den Weg zurück in die Hippie-Zeit. Glaubt man den Faschingszug-Teilnehmern aus Fuchsberg, dann feiern Party-Funktionäre auf dem Mond Premiere, während in Rottendorf bei Oberviechtach und in der Pfreimder Disco ein Tauchgang angesagt ist.

"Bis zum Abriss"

"Wir feiern auch ohne Mauer bis zum Abriss" verkünden KLJB und Kolping aus Louh (Luhe). Die Zuschauer können sich beim Anblick der "Rauschalm" und der "M.S.UFF" schon mal auf ein feuchtfröhliches Ende des Faschingszugs im Partyzelt oder in einem der Gasthäuser einstellen, ganz nach Ansage des Bier-Kapitäns: "Wohin es geht ist scheißegal, Bier ist international."

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