Stulln
27.03.2025 - 16:21 Uhr
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Arbeitsplätze bei insolventer Fluorchemie Stulln durch Haustarifvertrag gesichert

Die Arbeitsplätze bei der insolventen Fluorchemie Stulln sind durch einen Haustarifvertrag bis 2028 gesichert. Die Mitarbeiter sollen den Rückbau übernehmen. Ein Projekt des Müll-Zweckverbands birgt Chancen für die weitere Zukunft.

Für die Mitarbeiter der insolventen Fluorchemie Stulln, die im Industriepark (Bild) angesiedelt ist, gibt es gute Nachrichten. Ihre Arbeitsplätze sind für drei Jahre gesichert. Bild: Hösamer
Für die Mitarbeiter der insolventen Fluorchemie Stulln, die im Industriepark (Bild) angesiedelt ist, gibt es gute Nachrichten. Ihre Arbeitsplätze sind für drei Jahre gesichert.

Die Arbeitsplätze bei der insolventen Fluorchemie Stulln sind gesichert. Ein Haustarifvertrag und eine Betriebsvereinbarung wurden geschlossen. Die Verträge laufen ab 1. April 2025 bis zum 31. März 2028. Das bestätigte der Bezirksleiter der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Nordbayern, Rainer Hoffmann, gegenüber Oberpfalz-Medien. "Die Verhandlungen sind sehr fair verlaufen", sagte der Gewerkschafter.

Mit am Tisch saß neben dem Insolvenzverwalter auch der Landkreis Schwandorf. Warum? Die Fluorchemie Stulln (FCS) ist ein "Störfallbetrieb". Der Umgang mit der giftigen Flusssäure war Tagesgeschäft. Das Landratsamt ist in diesem Fall in seiner Rolle als staatliche Sicherheitsbehörde gefragt und muss auf die fachgerechte Entsorgung der Gefahrstoffe bei der FCS hinwirken. Dafür hat das insolvente Unternehmen kein Geld. Die Allgemeinheit springt im Wege einer Ersatzvornahme ein.

"Menschen haben Sicherheit"

Diese Tatsache habe bei den Verhandlungen auch eine Rolle gespielt, so Hoffmann. "Letztlich muss der Steuerzahler die finanzielle Sicherheit zur Verfügung stellen." Ziel der Vereinbarungen sei es, erläuterte Hoffmann, "die Leute zu halten, damit der Rückbau ordnungs- und sicherheitsgemäß erledigt werden kann." Jetzt, so der Gewerkschafter, "haben die Menschen für drei Jahre Sicherheit."

Ein Zwang, bei der Fluorchemie Stulln zu bleiben, besteht für die Mitarbeiter natürlich nicht. Vielmehr sind nach Informationen der Oberpfalz-Medien "Halteprämien" vereinbart worden. Zuletzt, so hatte Landratsamts-Sprecher Manuel Lischka Oberpfalz-Medien mitgeteilt, wurden pro Monat etwa 500.000 Euro für die Fluorchemie fällig. Nun steht der Rückbau der Produktions- und Lageranlagen sowie die "Entfrachtung" von Gefahrstoffen an. Diese Maßnahmen sollen nach Informationen der Redaktion am 1. April offiziell eingeleitet werden.

ZMS zeigt Interesse

Die Tradition als Chemie-Standort Stulln einerseits und die vorhandenen Fachleute andererseits sind auch Gründe dafür, warum der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) Interesse für einen Teil des Standorts geäußert hat. Hintergrund ist ein Patent der Firma ESy-Labs, an der der ZMS über seine Tochter Schwandorfer Rohstoff- und Recycling (SRR) beteiligt ist. Der von ESy-Labs entwickelte Prozess klingt vielversprechend: Aus dem relativ feinkörnigen Teil der Rostasche des Müllkraftwerks ließe sich ein Produkt gewinnen, das in Kläranlagen als Phosphatfällmittel Verwendung findet. Dieses "Grünsalz" könnte also wieder den Kommunen zugute kommen, die Kläranlagen betreiben. "ESy-Labs"-Geschäftsführer Dr. Tobias Gärtner findet schon allein diesen Kreislauf-Gedanken charmant. Als Betreiber einer solchen Anlage kommt ESy-Labs nicht infrage, die Firma ist auf Forschung und Prozessentwicklung ausgelegt.

Hier käme der ZMS oder eine seiner Töchter ins Spiel. "Wir sind mit verschiedenen Stellen im Gespräch, ob man das Verfahren anwenden will und was es kostet, wenn man zumindest eine erweiterte Technikums-Anlage baut", sagte ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll bei einem Presse-Hintergrundgespräch zur Abfallwirtschaft. "Großtechnisch ist das nochmal eine andere Nummer." Stulln sieht Knoll auch wegen der qualifizierten Mitarbeiter als guten Standort. Im Blick sei zunächst eine Pilotanlage für 2000 oder 3000 Tonnen Jahresdurchsatz.

Geeignete Hallen

Auch eine zweite ESy-Labs-Entwicklung könnte eine Rolle spielen: Die Rückgewinnung von Wertstoffen aus Produktionsrückständen aus einem metallverarbeitenden Betrieb. Das Projekt sei schon weit gediehen, so Knoll. Auch dafür werden Flächen gesucht. "In Stulln gäbe es geeignete Hallen", sagte der Verbandsdirektor. Hier seien aber noch Gespräche mit den Verantwortlichen zu führen. "Der Insolvenzverwalter ist an seine rechtlichen Vorgaben gebunden", schränkte ZMS-Vorsitzender Landrat Thomas Ebeling bei dem Hintergrund-Gespräch ein, "das wird nicht ganz einfach zu lösen sein." Seinem Eindruck nach sei aber auch der Insolvenzverwalter an pragmatischen Lösungen interessiert. Auch aus Sicht des Landkreises würde sich eine Nachnutzung lohnen: "Wenn ein Teil der Anlage weiter genutzt werden kann, müssen wir weniger zurückbauen."

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Hintergrund:

Fluorchemie in Stulln

  • Flusssäure: wird seit 1940er-Jahren in Stulln aus Spat hergestellt.
  • 1982/83: VAW Flussspat-Chemie GmbH errichtet nach Bergwerks-Einsturz neue Flusssäureanlage.
  • 1994: VAW Flussspat-Chemie GmbH gründet die Fluorchemie Stulln GmbH, Übernahme durch die Fluorchemie Gruppe.
  • 2021: Übernahme durch die Thanatos Chemical Industries GmbH und die Fluorchemie Kronberg GmbH
  • 2023: Fluorchemie-Gruppe meldet Insolvenz an.
  • 2024: Investor scheint gefunden. Geschäft scheitert aber.
  • 2025: Rückbau der Fluorchemie Stulln soll am 1. April beginnen.
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