28.01.2020 - 17:35 Uhr
StullnOberpfalz

"Hauptstadt" rüstet sich für Gaudiwurm

Das Volksbegehren zum Artenschutz ist abgehakt. Neue Ideen sind gefragt. Am besten solche, die sich bunt und einprägsam auf einen Wagen hieven lassen. In der Faschingshochburg Stulln sind die Vorbereitungen längst angelaufen.

Die "Faschingshauptstadt Stulln" will ihrem Ruf auch in diesem Jahr beim Gaudiwurm am Faschingssonntag, 23. Februar, gerecht werden und gibt sich dabei international.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Soll es eine Weltkugel sein? Oder vielleicht doch ein Flugzeug? "Auf jeden Fall wird unser Wagen kunterbunt wie die Welt", verspricht die Vorsitzende der Stullner Faschingsgesellschaft, Marion Raab. Denn dass es für die führenden Faschingsfans in Stulln diesmal schwerpunktmäßig um eine "Reise um die Welt" geht, ist nach den ersten Auftritten von Kinder- und Prinzengarde kein Geheimnis mehr. Die Kleinsten tendieren dabei auf den Spuren von Aladin Richtung Orient, die Prinzengarde tourt durch Russland, Afrika, Asien, Brasilien und Frankreich. "Themengemäß" werde deshalb auch der Wagen geschmückt, verrät Raab.

Mit "Familienampel"

Termin für die große Rundreise in der Ortschaft mit rund 1700 Einwohnern ist am Faschingssonntag, 23. Februar. Weil Stulln an diesem Tag regelrecht überrannt wird von rund 800 Teilnehmern und zehnmal so vielen Zuschauern, bemühen sich die Organisatoren darum, ein größeres Gedränge zu entzerren und haben dafür auf Facebook sogar eine "Ampel" eingerichtet: Eine Skizze der Faschingszug-Route zeigt die Brennpunkte mit Engstellen (beispielsweise Kirchstraße) auf, die Familien mit Kindern lieber meiden sollten, gelb markiert sind die Straßen, die bedingt geeignet sind, grün diejenigen, wo Familien problemlos das Spektakel verfolgen können.

Los geht es um 14 Uhr, ab 13 Uhr ist Aufstellung im Lissenthaner Weg. Die Organisation des Faschingszugs liegt beim TSV Stulln, der auch mit einem großen Faschingszelt vor der Mehrzweckhalle aufwartet. Der 870 Mitglieder zählende Verein stellte an diesem Tag allein 200 freiwillige Helfer. "Da können gar nicht mehr so viele im Faschingszug mitmarschieren", gibt Jürgen Priehäuser als Sprecher des Organisationsteams zu bedenken. Knapp die Hälfte der Gruppen formiert sich aus Einheimischen. Viele haben inzwischen große, motorisierte Gefährte mit kleinen Handwägelchen vertauscht oder sich einer Fußgruppe angeschlossen. "Durch unsere engen Kurven können die größeren Fahrzeuge mit Anhänger ohnehin nicht teilnehmen", berichtet Priehäuser, der über die Themen-Auswahl aktuell nur spekulieren kann. "Da geht es sicher um die Kommunalwahl, vielleicht um Fridays for Future", so seine Einschätzung.

Rückblick auf 2019:

Stulln

Verpflegung garantiert

An Verpflegungsstellen für Zuschauer und Maskierte herrscht an der Strecke kein Mangel. Am Schützenheim gibt es Kaffee und Kuchen, an der Ecke in der Nähe des Friseurgeschäfts können sich hungrige Maschkerer und ihre Fans mit Bratwurst und Getränken eindecken, der "Stullner Hof" öffnet seine Tore, im Gasthof Bodensteiner finden nicht nur Hoheiten neben der Pilsbar einen warmen Saal und einen Gewölbekeller vor, und gegenüber der Kirche köchelt im Topf der Faschingsgesellschaft eine Gulaschsuppe.

Wie viele Besucher sich den Faschingszug anschauen, hängt allerdings weniger vom kulinarischen Angebot als vom Wetter ab. "Wenn die Stullner Fasching feiern, scheint die Sonne in ganz Bayern", zitiert die Präsidentin der Faschingsgesellschaft eine Prognose, die sich die Aktiven in der Vergangenheit schon vor einigen Jahren auf die Fahnen geschrieben hatten.

Sie erinnert sich aber auch an Umzüge, nach denen die Landwirte mit Traktoren anrücken müssten, um parkende Autos aus Schnee und Matsch zu ziehen. Am Faschingssonntag ist in Stulln jedenfalls der ganze Ort auf den Beinen. "Wer nicht mitmacht, dem bleibt nur zu verreisen", ist sich Priehäuser sicher.

Was die Konkurrenz angeht, ist man sich in der "Faschingshauptstadt" recht sicher, am 23. Februar die Nase vorn zu haben. Lediglich im Neunburger Ortsteil Seebarn schlängelt sich ebenfalls am Faschingssonntag ab 13 Uhr ein Gaudiwurm durch die Straßen. Einer, der sich rar macht: Er ist nur alle fünf Jahre unterwegs.

Sicherheitsvorkehrungen:

Sicherheitsvorkehrungen

Strenge Vorschriften, Straßensperrungen und der Einsatz von Sicherheitskräften sollen verhindern, dass es beim Faschingszug und der anschließenden Feier zu Unfällen kommt. Besonders problematisch sind nach Einschätzung der Organisatoren die vielen jungen Faschingsfans. "Stulln ist ein Hotspot für 17-bis 25-Jährige", weiß Jürgen Priehäuser, Sprecher des TSV-Organisationsteams. Viele würden zu Fuß kommen und bereits auf dem Weg mitgebrachten Alkohol konsumieren. "Dieses Problem ist auch laut Polizei kaum in den Griff zu bekommen", so Priehäuser. Außerdem weist er darauf hin, dass von Sonntag, 23. Februar, 13 Uhr, bis Montagmorgen die Durchfahrt in Stulln gesperrt ist - mit weitläufiger Umleitung. Mit Security und einem eigenen Sicherheitsteam beugt der TSV Stulln als Organisator Ausschreitungen vor und spricht die einzelnen Erfordernisse auch jedes Jahr mit Polizei und Rettungskräften ab. "Wir erfüllen schon seit Jahren die strengen Vorschriften und Auflagen, die später Maßstab für andere Faschingszüge wurden", berichtet Priehäuser.

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