10.03.2020 - 16:22 Uhr
Oberpfalz

Sucht nach Spray – Der Weg aus der Nasenspray-Abhängigkeit

Ob bei Erkältung oder Heuschnupfen – ein Nasenspray wirkt Wunder, um wieder richtig atmen zu können. Aber bei jedem Einkauf warnt der Apotheker: „Nicht öfter als dreimal am Tag und nicht länger als eine Woche anwenden.“ Warum ist das so?

Nicht zu lang nehmen: Die Schleimhäute können sich an Nasenspray gewöhnen - ohne das Medikament wird die Nase dann gar nicht mehr frei.
von Mona-Isabelle Aurand Kontakt Profil

Schnupfen ist ein lästiges Übel. Die Schleimhäute sind angeschwollen, die Nase läuft, das Atmen fällt schwer. Vor allem in der Nacht ist eine verstopfte Nase extrem unangenehm, denn sie hindert am Einschlafen und entspannten Durchschlafen. Da ist der Griff zum abschwellenden Nasenspray nicht weit. Die sogenannten Sympathomimetika, die in den handelsüblichen Nasensprays enthalten sind – normalerweise Xylometazolin und Oxymetazolin – bewirken, dass sich die Blutgefäße in den Nasenschleimhäuten zusammenziehen.

Für etwa sechs bis acht Stunden ist die Nase frei. Wenn die Schleimhäute wieder normal durchblutet werden, schwillt die Nase erneut zu. Mediziner sprechen von dem sogenannten Rebound-Effekt. Dabei treten die Symptome, nachdem sie mit Arzneimitteln behandelt wurden, von neuem auf – manchmal stärker als vorher. In scheinbar logischer Konsequenz versuchen Betroffene, ihre Beschwerden immer öfter mit Nasensprays oder -tropfen zu lindern. Das ist allerdings gar nicht so gesund.

Auf einmal abhängig

Der Körper gewöhnt sich sehr schnell an eine regelmäßige Dosis abschwellender Wirkstoffe. Schon nach relativ kurzer Anwendungsdauer können Nasenspray oder -tropfen, die Xylometazolin oder Oxymetazolin enthalten, zu einer Abhängigkeit führen. Schätzungen zufolge sind deutschlandweit etwa 100.000 bis 120.000 Menschen süchtig. Um eine Sucht im eigentlichen Sinn handelt es sich dabei aber nicht. Denn Nasenspray verursacht kein euphorisches Hochgefühl, sondern eine freie Nase. Es ist auch nicht mit gefährlichen Entzugserscheinungen verbunden, wenn es der Abhängige absetzt. Der Teufelskreis, in den Patienten geraten, ist allerdings durchaus mit gesundheitlichen Risiken verbunden.

Mit der Zeit trocknen die Nasenschleimhäute aus, wodurch die Nase ihrer natürlichen Abwehrfunktion nicht mehr vollständig nachkommen kann. Die Flimmerhärchen transportieren Staub, Schmutz und Keime nicht mehr aus der eingeatmeten Luft ab. Dadurch werden Betroffene anfälliger für Erkältungen. Es kann zu chronischem Schnupfen, Entzündungen in den Nasennebenhöhlen oder häufigerem Nasenbluten kommen, wenn sich vermehrt Borken in den Nasenhöhlen bilden. Eine weitere typische Folge von Nasenspray-Sucht ist die sogenannte Stinknase. Dabei bildet sich ein übel riechendes Sekret in der Nase, das nur die Mitmenschen der Betroffenen wahrnehmen. Im Extremfall können sogar das Riechvermögen und der Geschmackssinn dauerhaft geschädigt werden. Selbst psychische Folgen wie Erstickungsängste und Stimmungsschwankungen sind möglich.

Erfolgreicher Entzug

Doch es gibt auch eine positive Nachricht: Betroffene können ihre Sucht nach Nasenspray überwinden. Das erfordert einen starken Willen und viel Durchhaltevermögen. Der Entzug kann in zwei Phasen eingeteilt werden. Zunächst wird dabei ein Nasenloch vom Nasenspray entwöhnt. Sobald sich die eine Seite normalisiert hat, kann das Nasenspray komplett abgesetzt werden. Vor allem in der Anfangszeit besteht jedoch die Gefahr, wieder rückfällig zu werden. Bei zukünftigen Erkältungen sollte auf abschwellende Nasensprays verzichtet werden. Ein HNO-Arzt ist in jedem Fall der richtige Ansprechpartner, um erfolgreich vom Nasenspray loszukommen. Er kann die tatsächliche Ursache der verstopften Nase diagnostizieren und so eine gezielte Behandlung festlegen. Er verschreibt gegebenenfalls eine Alternative zu Xylometazolin- und Oxymetazolin-haltigen Arzneimitteln. Dazu zählen beispielsweise Nasenduschen auf Basis von Kochsalzlösungen, Nasenöl- oder Meerwassersprays sowie verschreibungspflichtige Nasensprays mit Kortison.

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