30.08.2018 - 18:15 Uhr
Süß bei HahnbachOberpfalz

Oberpfälzer Apothekerin schießt bei WM in Südkorea

2018 ist das Jahr für Julia Simon: Die 28-jährige Schützin wird für den Nationalkader nominiert, fährt zur EM, tritt bei ihren ersten Weltcups an die Scheibe und holt den Deutschen Meistertitel. Jetzt startet sie bei der Weltmeisterschaft.

Julia Simon aus Süß startet mit dem Luftgewehr bei der Weltmeisterschaft in Südkorea.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Nach 22 Stunden Reisezeit kam die Apothekerin aus Süß, die in Maxhütte-Haidhof lebt, am Donnerstagnachmittag in Changwon in Südkorea an. Dort wird vom 31. August bis 14. September die Weltmeisterschaft der International Shooting Sport Federation (ISSF) ausgetragen. Simon, die mit ihrer Mannschaft von der SG Eichenlaub Saltendorf seit 2016 in der 1. Bundesliga Süd schießt, tritt bei der WM am 2. September im Mixed- und am 3. September im Einzel-Wettbewerb an.

ONETZ: Sie sind gerade Deutsche Meisterin mit dem Luftgewehr geworden – alleine und im Mixed-Teamwettbewerb zusammen mit Ihrem Freund Benjamin Moser. Mit welchem Gefühl treten Sie bei der Weltmeisterschaft an?

Julia Simon: Mit einem sehr guten. Das hat mir nochmal gezeigt, dass ich auch unter Druck meine Leistung abrufen kann, dass ich gut trainiert habe und bereit für die Weltmeisterschaft bin.

ONETZ: Wer begleitet Sie nach Südkorea?

Julia Simon: Die WM-Mannschaft. Angehörige sind da nicht dabei – bei keinem Schützen. Der Bundestrainer ist dort die Hauptbezugsperson. Und natürlich meine Zimmerkameradin Selina Gschwandtner, mit der ich am meisten Zeit verbringen werde.

ONETZ: Ihre Final-Gegnerin bei der Deutschen Meisterschaft?

Julia Simon: Ja, richtig.

ONETZ: Ist das irgendwie komisch?

Julia Simon: Nee, gar nicht. Egal wer gewinnt, man freut sich füreinander. Da gibt’s keinen Neid. Natürlich, im Vorkampf sind wir klar Konkurrentinnen. Jede will es ins Finale schaffen und jede schaut auf sich. Andererseits werden die Leistungen von Selina Gschwandtner, Isabella Straub und mir auch zusammengezählt, daraus bildet sich ein Mannschafts-Ergebnis.

ONETZ: Was machen Sie nach der Ankunft?

Julia Simon: Im Flieger habe ich sofort mein Handy umgestellt und versucht, mich an die koreanische Zeit zu gewöhnen. Außerdem haben wir noch zwei Trainings, bei denen wir den Stand kennenlernen. Wir fahren jeden Tag auf die Anlage, müssen dort eine Waffen- und Bekleidungskontrolle machen.

ONETZ: War der Deutsche Meistertitel Ihr bisher größter Erfolg?

Julia Simon: Natürlich freue ich mich riesig darüber, weil ich damit am Saisonende bestätigen konnte, dass ich schon das ganze Jahr im Luftgewehr an der deutschen Spitze schieße. Aber der größte Erfolg für mich ist, dass ich an der WM teilnehmen kann. So eine Weltmeisterschaft ist eben nur alle vier Jahre.

ONETZ: Wie haben Sie Ihre WM-Nominierung aufgefasst?

Julia Simon: Nach meinem letzten Wettkampf war mir klar, dass ich zur Weltmeisterschaft fahre. Das war der schönste Moment.

ONETZ: Haben Sie sich danach anders vorbereitet?

Julia Simon: Normalerweise trainiere ich ein bis zwei Mal in der Woche. Öfter schaffe ich es nicht. Jetzt habe ich schon versucht, ein bisschen häufiger zu trainieren und bin anders an die Einheiten herangegangen.

ONETZ: Sie sind Pharmazeutin. Schießen ist Ihr Hobby. Unterscheidet Sie das von anderen Schützen, die bei nationalen und internationalen Wettbewerben antreten?

Julia Simon: Definitiv. Den Trainingsaufwand, den andere leisten können, würde ich nie und nimmer hinkriegen. Gerade Berufssoldaten oder Schützen, die bei der Sportfördergruppe Polizei sind, sind acht Monate im Jahr freigestellt. Andererseits ist es eben deren Beruf – die müssen liefern. Bei mir ist es trotzdem immer noch ein Hobby. Eines, das mittlerweile sehr professionell ist. Deswegen kann ich ab und zu vielleicht lockerer sein.

ONETZ: Waren Sie deshalb die Außenseiterin bei der Deutschen Meisterschaft?

Julia Simon: Kann man so sagen. Im Finale waren eine Olympiateilnehmerin, eine Olympiasiegerin und eine mehrfache Welt-Cup-Siegerin. Die haben viel mehr internationale Erfolge aufzuweisen als ich. Wobei ich schon das ganze Jahr über vorne dabei war.

ONETZ: Ihr Trainer war nicht überrascht von Ihrem Titelgewinn, er kennt Ihre Nervenstärke. Woher kommt diese?

Julia Simon: Ich bin in der Bundesliga total gereift. Da hat man viele Zuschauer, es herrscht großer Trubel, es ist laut, es läuft Musik, es wird geklatscht und ich habe richtig starke Gegner. Irgendwann lernt man, mit der Nervosität umzugehen.

ONETZ: Was sind Ihre größten Stärken?

Julia Simon: Mittlerweile die Nervenstärke im Wettkampf und bei mir muss jeder Schuss hundertprozentig sein, ich bin da schon sehr ehrgeizig.

ONETZ: Wie bekommen Sie Sport und Beruf unter einen Hut?

Julia Simon: Das schaffe ich nur, weil mein Arbeitgeber so kooperativ und kulant ist. Sonst könnte ich nicht auf dieser Ebene schießen, ich fehle einfach so viele Tage im Jahr wegen den Wettkämpfen. Dass ich nicht öfter trainieren kann, damit habe ich mich einfach abgefunden.

ONETZ: Wer ist Ihre wichtigste Stütze?

Julia Simon: Auf jeden Fall mein Freund Benni. Dem kann ich wirklich sagen, was ich denke, und auch mal Wut ablassen. Da er selbst schon jahrelang schießt, kennt er sich einfach aus. Und auch meine Eltern fiebern immer mit. Ich weiß ganz genau, dass ich mich hundertprozentig auf sie verlassen kann.

ONETZ: Was erhoffen Sie sich bei der WM?

Julia Simon: Ich hoffe, dass ich das gleiche Leistungsniveau bringen kann wie das ganze Jahr über. Es gibt Ergebnisse, bei denen man weiß, dass man international mithalten kann, die habe ich jetzt immer geschossen. Um in ein Finale zu gelangen, muss ich aber trotzdem einen Sahne-Tag erwischen. Da muss schon alles passen, dass man sich unter die ersten acht qualifiziert. Die Asiaten sind sehr stark. Aber es ist nicht auszuschließen.

ONETZ: Gibt es schon ein Ziel nach der WM?

Julia Simon: Noch in weiter Ferne: Ich will zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020. Es wäre gelogen, das nicht zuzugeben. Das ist aber denke ich bei jedem Sportler, der in der Nationalmannschaft ist, so.

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