02.05.2019 - 14:14 Uhr
Süß bei HahnbachOberpfalz

Zustände wie im Wilden Westen

Irgendwo im Nirgendwo, ohne Bahnanbindung und Romantik, geht es in einem heruntergekommenen Saloon im Wilden Westen zur Sache. Die Theaterfreunde Süß ziehen alle Register ihres schauspielerischen Könnens.

Was hat es nur mit der mysteriösen Ordensschwester auf sich? Molly McDonalds (Zweite von rechts) ist schon wieder auf 180.
von Tatiana SichelstielProfil

Zur Abwechslung mal ein Western, auf Oberpfälzisch getrimmt und kräftig durch den Kakao bzw. die Goasmaß gezogen: Statt rauchender Colts aus schmierigen Cowboyhänden servierten die Theaterfreunde Süß mit „Die Western-Schwestern“ scharfzüngigen Wortwitz in locker-leichtem (Weiber-) Gewand.

Der mürrischen Besitzerin Molly McDonalds (wieder ausdrucksstark griesgrämig gespielt von Sabine Weber) steht ein aufregender Tag bevor, denn ihr nicht besonders geschätzter Vater soll beerdigt werden. Doch damit nicht genug, denn die stille Teilhaberin aus New Orleans, Lassie Laroque, hat sich ebenfalls angekündigt. Tochter Milly (Sabrina Meier) hat alle Hände voll zu tun, die Mutter wieder etwas milde zu stimmen. Auch Sheriff Slow (wunderbar schwunglos gespielt von Sebastian Schötz) und sein leicht nervöser Helfer Sam Shout (Jonas Graf) sind etwas in Aufruhr, als die stille Teilhaberin aus der großen, feinen Stadt auftaucht. Mit viel zu kurzen, schwingenden Röcken und enormem Kopfputz rauscht Etablissement-Betreiberin Lassie Laroque alias Julia Jung nebst Gefolge in den Saloon und wirbelt alles ordentlich durch. Doch auch sie ahnt noch nicht, welche Überraschungen der (Testaments-)Vollstrecker, gerissen-geschäftstüchtig gespielt von Hans Mäckl, für alle bereit hält.

Damit ist es jedoch auf der Theaterbühne nicht getan. Es tauchen noch einige andere bunte Vögel und sogar (falsche) Schlangen wie Snake, die Tochter der Lassie Laroque (Manuela Wawersig), in diesem Spiel der ungeahnten Möglichkeiten auf. Auch der trunksüchtige, muffig-alte Trapper Old Daddle (gespielt vom Urgestein Tom Fenk) und die mysteriöse Ordensschwester Innozenzia (Sabine Lindner) kommen immer wieder wie zufällig ins Spiel.

Diesmal war es richtig eng auf der Theaterbühne beim Rouherer in Süß. So viele Charaktere (insgesamt sind es zwölf) gab es wahrscheinlich noch nie zu besetzen. Daher verstärkten gleich fünf neue Talente das etwas ausgedünnte Stammteam der Theaterfreunde. Der Qualität der Darbietung tat dies keinen Abbruch, denn besonders die Damenriege McDonalds – Laroque, allen voran Julia Jung als verruchte Bordellbesitzerin, spielte stark auf (auch dank der tollen Kostüme) und hatte (fast) alle Männer voll im Griff. Für das gewisse Etwas in der Story sorgten aber alle zusammen: Die sehr bildhaft und gekonnt gespielten Szenen der Western-Schwestern treffen auf viel Wortwitz (gute Szenen von Sam Shout alias Jonas Graf), eingängige Phrasen („Iiiiimmer mit der Brems“ von Sheriff Slow/Sebastian Schötz) und die sehr glaubhaft zur Schau gestellte Überlegenheit des Vollstreckers (Hans Mäckl), der seine Finger überall drin zu haben scheint.

Auch wenn die sonst für Süßer Theaterstücke typische Tiefgründigkeit diesmal vor der Saloontür warten musste, gab es am Ende des Dreiakters viel Applaus für die absolut gelungene Darbietung der Akteure, standesgemäß zu den Klängen eines bekannten Popsongs mit Westerncharakter. Noch sind Restkarten für die weiteren Vorstellungen im Süßer Landgasthof Rouherer erhältlich.

Theaterfreunde Süß :

Die Western-Schwestern

An folgenden Tagen öffnet der McDonalds-Saloon im Gasthof Rouherer seine Schwingtür:

Samstag, 4. Mai; Sonntag, 5. Mai; Freitag, 10. Mai; Samstag, 11. Mai

Beginn ist jeweils um 19 Uhr, Einlass ab 18 Uhr. Karten gibt es für fünf Euro (Kinder) beziehungsweise sieben Euro (Erwachsene) telefonisch bei Maria Ritter unter 09664/95 49 64 zu bestellen.

Au weh, jetzt wird's brenzlig - Die Auflösung steht kurz bevor.
Was flüstert die Bordell-Besitzerin Lassie Laroque da schon wieder? Molly McDonalds Miene spricht Bände.
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