Vor 100 Jahren, am 9. August 1925, setzten sich sieben Zuchtfreunde an einen Tisch im Gasthaus von Christoph Sörgel: Sie entschieden, einen neuen Kleintierzuchtverein zu gründen. Den Beinamen „Edle Rasse“ gab es dazu, um sich von anderen Vereinen abzuheben. Am Samstag, 6. September, ab 18 Uhr feiert der Verein nun sein 100-jähriges Bestehen im Gasthof Bartl am Feuerhof/Sulzbach-Rosenberg.
Heute hat der Verein 34 Mitglieder, darunter vier Züchter. Ein Anstieg im Vergleich zur Gründung mit sieben Mitgliedern, jedoch auch deutlich weniger als zu den Hochzeiten des Vereins. In den 1980er Jahren erreichte er Rekordzahlen von 106 Mitgliedern. Die Gründe für die jetzt sinkende Mitgliederanzahl kennt der Erste Vorsitzende Horst Renner gut.
Die Vereinsgeschichte
Schon kurz nach der Gründung nahm der Verein an ersten Ausstellungen teil und begann mit der Züchtung und Tätowierung der ersten Kaninchen. Während des Zweiten Weltkriegs litten allerdings auch Zuchtvereine unter dem Nationalsozialismus. Züchter durften nicht mehr als zwei Tiere halten, alle anderen mussten als Schlachttiere an die Verwundeten des Reichsverbands Berlin geliefert werden.
Nach Kriegsende ging es langsam wieder bergauf. Der Verein reiste zu Bundesschauen, erlangte Preise mit mehreren Tieren und organisierte Stallschauen in der TuS-Turnhalle in Rosenberg. Selbst ein eigenes Vereinsheim wurde im Jahr 1992 gebaut, wodurch die Mitglieder sich einen eigenen Raum für die Haltung der Tiere und die selbst organisierten Ausstellungen schafften. Heute steht das Vereinsheim auch weiterhin in Sulzbach-Rosenberg, Ausstellungen veranstaltet der Zuchtverein aber nicht mehr.
Ungewisse Zukunft
Einmal stand der Kleintierzuchtverein „Edle Rasse“ schon kurz vor dem Aus: Im Jahr 1964 sollte er aufgelöst werden. Grund dafür war, dass der Verein sich als Ausrichter für die Kreisschau beworben hatte, die Mitglieder jedoch schnell der Mut zur Durchführung verließ. Letztlich konnte sich der Verein aber trotzdem noch aufraffen und die Kreisschau fand statt.
Die Zukunft der Kleinzuchtverbände in Deutschland sieht Horst Renner wenig optimistisch. Seit Jahren verliert der Verein in Sulzbach immer weiter an Mitgliedern. „Der Nachwuchs fehlt“, erklärt Renner. Heute sei kaum Interesse in der Jugend für die Zucht zu finden. Auch die Jugendgruppe des Vereins wurde aus diesem Grund schon längst aufgelöst.
Zucht wird schwieriger
Für Personen, die in die Zucht einsteigen möchten, wird es außerdem immer schwieriger. „Wenn mich heute junge Leute fragen würden, wie sie mit der Zucht anfangen sollten, würde ich ehrlich gesagt davon abraten“, gesteht Vorsitzender Renner. Heutzutage sei es nicht mehr in allen Orten erlaubt, Tiere für die Zucht zu halten. Wer trotzdem anfangen möchte, muss mit Kosten von bis zu 20.000 Euro für den Start rechnen. „Wer macht das noch?“, fragt sich Horst Renner.
Zusätzlich sind die Vorschriften in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Was laut Renner früher noch viel liberaler gehandhabt wurde, ist heute streng geregelt. "Die jungen Leute, die vom Tiermedizin-Studium kommen, kennen nur das, was im Buch steht. Sobald sie etwas sehen, das nicht so ist wie in ihrem Buch, rufen die den Tierschutzbund." Darin sieht Renner ein großes Problem.
Weniger Mitglieder, mehr Erfolge
Trotz der zuletzt gesunkenen Mitgliederzahlen verzeichnete der Verein in den vergangenen 25 Jahren so starke Erfolge wie noch nie. 2015, also 90 Jahre nach der Gründung, holte zum ersten Mal ein Züchter des Vereins den Titel des Deutschen Meisters. Schon zuvor, im Jahr 2012, konnte eine Züchterin den Titel Europa-Champion erlangen. Diese Erfolgsserie behielt der Verein auch auf Bundes- und Landesebene bei. Bewertet werden die Tiere auf den Ausstellungen unter anderem nach Fell, Farbe, Körperbau und Pflegezustand.
Dass der Verein „Edle Rasse“ sich in der Zukunft noch mit einem weiteren Zuchtverein aus der Region zusammenschließen könnte, schließt Renner nicht aus. Viele würden schon diesen Weg gehen und lieber gemeinsam einen starken Verein bilden. Für diese Lösung kämen mehrere Kleintierzuchtvereine aus dem Landkreis infrage, wie der Schlichter oder der Amberger. Denn auch diese Vereine hätten die gleichen Nachwuchsprobleme wie der Sulzbacher Zuchtverein, sagt Renner. „Es muss aber auch die Chemie zwischen den Vereinen stimmen.“
Noch drei Züchter im Verein
Renner glaubt nicht, dass es in 100 Jahren noch ein Jubiläum des Vereins „Edle Rasse“ geben wird. Dafür sehe es deutschlandweit zu schlecht aus für Zuchtvereine. Bei der Jubiläumsfeier am Samstag verabschiedet Horst Renner seine eigene Tochter aus dem Verein. Danach bleiben noch drei Züchter übrig.
Aktuell müssen Mitglieder schon mehrere Posten, wie Kassier und Zuchtwart, gleichzeitig besetzen. Horst Renner selbst hatte nie vor, für so eine lange Zeit der Erste Vorsitzende des Zuchtvereins zu bleiben. Doch es kommt niemand nach, der sein Amt übernehmen könnte und vor allem wollte. Für viele sei das schlichtweg zu viel Arbeit, sagt er.














Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.