06.09.2020 - 14:50 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

25 Meter hoher Baum auf der Rosenberger Corona-Kirwa

Da staunte manch ein Passant nicht schlecht, als am Rosenberger Dorfplatz plötzlich ein stattlicher, geschmückter Baum stand. Die Rousnberger Kirwaleit wollten trotz Corona nicht auf dieses Symbol verzichten.

von Heidi FranitzaProfil

Eine heiß geliebte und weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannte Tradition schien dieses Jahr den aktuellen Corona-Einschränkungen zum Opfer zu fallen: Die Rosenberger Kirwa. Aber es wären nicht die Rosenberger Kirwaleit, wenn sie das so einfach hingenommen hätten. Mit sehr viel Ideenreichtum entwickelten sie ein Konzept, das mit viel Arbeit die Umsetzung eines kleinen Fests unter Beachtung aller Hygienevorschriften, wie es hieß, ermöglichte.

Andacht zum Auftakt

Das Wochenende wurde mit einer Andacht eingeläutet, heuer im Zeichen der Ökumene mit Roland Kurz und Pfarrer Saju. Nachdem der Bolzplatz am Schulmuseum von der Stadtverwaltung in einem bürokratischen Akt einer Nutzungsänderung zugeführt worden war, durfte die Andacht dort stattfinden, war zu hören. Die Abstandsregelungen ließen sich unter freiem Himmel mit einer größeren Personenanzahl besser einhalten, war der Plan der Kirwaleit. Der CVJM-Posaunenchor unter der Leitung von Kurt Lehnerer gab der gut besuchten Andacht einen würdigen Rahmen. Die beiden Geistlichen wertschätzten das Engagement der Kirwagemeinschaft mit den Worten: „Wir danken den Kirwaleit, dass sie das Kirchweihfest und den ökumenischen Gottesdient möglich gemacht haben und damit auch in solch schwierigen Zeiten ein Zeichen des Mutes setzen, den Mut Verantwortung zu übernehmen, aber auch Mut im Glauben zu haben.“

Anschließend fand im Fischergarten das traditionelle Schlachtschüsselessen statt. Nur nach Voranmeldung durfte der Fischergarten betreten werden. Schlachtschüssel und andere Leckereien vom Gasthaus Kreiner wurden nach Vorbestellung ausgegeben. Die Formation „In oina Dur“ vom Heimat- und Trachtenverein Stamm 1921 hatten ihre Probe in den öffentlichen Raum verlegt und so begleiteten die Klänge heimatlicher Blasmusik den Gaumenschmaus.

Tänzchen und Bier

Eine Aktion der Kirwaleit am Samstag war für alle Rosenberger eine echte Überraschung. Klammheimlich hatten sie einen Baum gefällt, ins Dorf gebracht und geschmückt. Pünktlich fuhr ein großer Kranwagen in Rosenberg ein und flugs stand ein 25-Meter-Kirwabaum amn gewohntem Platz. Zufällig war der zweite Bürgermeister Günter Koller vorbei gekommen und beobachtete die schweißtreibende Arbeit der Wenigen, die den Baum aufstellten. Als Kirwabaum-Flashmob wird diese Aktion in die Dorfchronik eingehen. Benny Neidel, der Vorsitzende der Kirwaleit meinte dazu: „Mit dem Baum setzen wir dieses Jahr nicht nur ein Zeichen der Tradition, vielmehr ist es unser Geschenk und ein Dankeschön an die Rosenberger, die sich während der zurückliegenden Corona-Zeit so vernünftig und hilfsbereit verhalten haben.“ Christian Weiß ergänzte: „Der Baum ist auch ein weithin sichtbares Symbol der Gemeinsamkeit. Wir Rosenberger werden auch die schwere Zeit der Pandemie gemeinsam durchstehen.“ 2. Bürgermeister Günter Koller fand lobende Worte, trotz der Pandemie sich so viel Arbeit zu machen und das Wahrzeichen des Dorfes auch dieses Jahr aufzustellen.

Eine Abordnung der Kirwaleit fuhr unterdessen das bestellte Dahoambleibböia aus. Geliefert wurde nicht nur kastenweise Gerstensaft, sondern mit einem Tänzchen eines Kirwa-Paares bei mitgebrachter Live-Musik auch noch richtiges Kirwa-Feeling. Das Gasthaus Kreiner hatte an beiden Tagen am Nachmittag einen Lieferdienst für frische Küchl eingerichtet. Süßwaren Schmaußer hatte seinen Stand neben dem Kirwa-Baum und am Sonntag beim Kettelerhaus abgestellt, und im Fischergarten und Kettelerhaus gab es unter freiem Himmel herzhafte Speisen und süffige Getränke. In einer Pause der öffentlichen Probe der Phil Seccer Band äußerte sich Wolfgang Fischer zur Corona-Kirwa: „Wir haben ein umfangreiches Hygienekonzept mit Voranmeldung und Vorbestellung konzipiert, ergänzt durch Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen vor Ort. Alle Rosenberger haben sich strikt daran gehalten. Sie haben sie durch ihre Vernunft sicher auch den Weg für eventuelle Veranstaltungen in der Zukunft geebnet.“

Üppige Speisen und Musik

Am Sonntag zog der Geruch von Sur-Knöcherln durch den Fischergarten. Und beim Alex im Biergarten des Kettelerhauses fand sich nach dem üppigen Mittagstisch am sehr späten Nachmittag die Hausband der Rosenberger Kirwa, die Birgländer, zu einer öffentlichen Probe ein.

Die Rosenberger Corona-Kirwa war klein und auseinandergezogen, der Kirwabaum überraschend groß und kerzengerade gewachsen, das Dahoambleibböia süffig, die Speisen schmackhaft. Und all dies wurde ermöglicht und zusammengehalten von einer Dorfgemeinschaft, für die Tradition und Solidarität die Grundlage für das einmalige Miteinander in Rosenberg ist, zogen die Verantwortlichen als Fazit.

So zünftig wird in Rosenberg gefeiert

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