18.12.2019 - 09:17 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Abbruch der Maxhütte: Bald ist das Stahlwerk verschwunden

Links und rechts scheppern Metallteile, die zu Boden fliegen. Heute staubt es ausnahmsweise mal nicht, weil es geregnet hat. Der Abbruch der Maxhütte ist in vollem Gange.

von Sabrina BauerProfil

Kaum zu glauben, dass hier einmal das Herz der Stahlindustrie schlug. Verlassen sieht das Maxhütten-Areal aus. Rostige Stahlkonstruktionen, eingestürzte Dächer, umgefallene Mauern und eine Werkstatt, in der am Tag der Schließung des Werks alles stehen und liegen gelassen wurde. Ordner vom Jahr 2000 stehen noch in den Regalen, ein Magazin von 2001 liegt am Schreibtisch, in den Schüben herrscht Chaos. Immer noch hat die Maxhütte Charme, trotz oder erst wegen des Stillstands.

Das meint auch Karl Reyzl, der das Schicksal der Maxhütte über Jahrzehnte begleitet hat und jetzt als Berater der Max-Aicher-Gruppe fungiert. „Das ist schon dramatisch und gigantisch, was hier einmal stand. Ich selbst habe meine Ausbildung hier gemacht, war für kurze Zeit an der Ingenieursschule und habe anschließend nichts besseres gewusst, als wieder bei der Maxhütte weiterzumachen“, lacht der 71-Jährige, der zuletzt als Geschäftsführer im Rohrwerk tätig war.

Zwischen Geschichte und dem Lost-Place-Charakter: Bagger und Kräne, Lastwagen und Lärm. „Die Abbauarbeiten laufen nach Plan, Anfang kommenden Jahres verschwindet auch noch das Stahlwerk. Dort wurde Roheisen zu Stahl verarbeitet, die Fremdstoffe sind durch ein von der Maxhütte patentiertes Verfahren entfernt worden. Das war dann die Schlacke, das Abfallprodukt“, erklärt Reyzl. Auch beim Abbau fällt viel Schrott an. Dieser wird recycelt oder nach Schadstoffen bewertet und in entsprechende Deponien transportiert.

Doch nicht alles kommt weg: Hallen, die in guten Zustand sind, haben eine Zukunft. „Die Halle hinter dem Stahlwerk, also das Walzwerk, wird eine neue Funktion erhalten. Auch andere Gebäude werden Firmen einen Platz geben. Jedes einzelne Objekt betrachten und bewerten wir für sich, denn auf die Nachhaltigkeit wird viel Wert gelegt und auch den Denkmalschutz müssen wir beachten. So wie wir es mit dem oberen Teil schon vor Jahren getan haben.“

Dort, wo Günter Grass auf einem Sessel gelesen hatte und die Betriebsversammlungen oft turbulent wurden, arbeitet jetzt die Firma Maxhütte-Technologie. „Die Grundkonstruktion sowie die Mauern sind erhalten. Die Halle wurde restauriert und modernisiert. Das soll mitunter auch mit den anderen Gebäuden geschehen.“

Was mit dem Hochofen passieren wird, ist noch nicht entschieden. „Wir arbeiten gerade an einem Konzept, damit die Hochofenplaza weiterhin für Veranstaltungen genutzt werden kann. Wir haben auch an ein Dokumentationszentrum gedacht. Das Wahrzeichen muss erhalten bleiben. Die Atmosphäre dort ist einfach schön, sie ist perfekt für Festivals und andere Veranstaltungen.“

Auch Wohnungen sind geplant, die am Rand des gut 80 Hektar großen Geländes einmal stehen sollen. Reyzl freut sich darüber, dass auf dem Gelände auch etwas Neues entsteht. Für die Stadt ist das Areal nicht nur ein Grundstück, sondern ein großes Stück Geschichte, auf dem jetzt neu aufgebaut wird.

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