22.11.2019 - 11:48 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Abend mit dem Büchermacher aus dem Ventil-Verlag

Vegan-Kochbücher können die Rettung sein: Ohne den großen Erfolg seiner Ox-Reihe hätte der Mainzer Ventil Verlag den 20. Geburtstag kaum erlebt. Und Buchhändler Ralf Volkert wäre um einen Gast seiner "Büchermacher-Abende" ärmer gewesen.

Mit-Verleger Jonas Engelmann (rechts) und Gastgeber Ralf Volkert hatten viel zu besprechen beim Büchermacher-Abend.
von Anke SchäferProfil
Mit-Verleger Jonas Engelmann (rechts) und Gastgeber Ralf Volkert hatten viel zu besprechen beim Büchermacher-Abend.

Viel Geschick, noch mehr Enthusiasmus und auch ein bisschen Glück waren nötig, um den Kleinverlag über so manche geschäftliche Hürde zu tragen, wusste Mit-Verleger Jonas Engelmann zu berichten. So habe man nach einem Grundsatz-Rechtsstreit über die Verwertung von Urheberrechten und der desaströsen Pleite des größten Großhändlers mit dem Rücken zur Wand gestanden.

Unter Bestsellern

Ein vielbeachtetes Crowdfunding half damals neben der veganen Schiene über das Schlimmste hinweg. Dass man in diesem Jahr erstmals in die Zukunft investieren könne, liegt wiederum an einem neuen Vegan-Ratgeber, der mit bislang 30 000 verkauften Exemplaren im Verlagsmaßstab schon unter Bestseller läuft.

Warum gerade dieses, momentan so hippe Sortiment überhaupt in einen auf Pop- und Subkultur spezialisierten Verlag passt, kann Engelmann schnell beantworten: In den 1980er-Jahren waren Veganismus und Vegetarismus nicht Lifestyle, sondern fester Bestandteil der Punk- und Hardcore-Szene, die wiederum zur Kernkompetenz des Verlages zählt.

Ein wichtiger Wegbereiter war der Autor und Mit-Verleger Martin Büsser, dessen scharfsinnige und feinnervigen Sondierungen im Bereich der Pop-Kultur bis heute Maßstäbe setzen. Sein früher Tod im Jahr 2010 entpuppte sich für den Ventil Verlag nicht nur menschlich als schwerer Schlag.

Befragt zur Programm-Auswahl öffnete Jonas Engelmann drei Wege: Der Verlag spricht potenzielle Autoren an und erhält aus dem Umfeld Empfehlungen oder es gibt Angebote von Agenten. Zur Not greife man ja auch mal selbst zu Stift und PC, ergänzte Volkert.

Gewisse Freiheit

Das Verleger-Kollektiv besteht derzeit aus fünf Enthusiasten, die ihre Leidenschaft nach wie vor mit Brotberufen absichern. Die Tatsache, nicht zwingend dem wirtschaftlichen Verlagserfolg ausgeliefert zu sein, gebe einerseits eine gewisse Sicherheit und Freiheit. Auf der anderen Seite dauere dadurch manches einfach länger.

Den Deutschen Verlagspreis 2019 sieht Jonas Engelmann als Anerkennung der problematischen Lage kleiner Verlage. Vielleicht hilft das auch dem Wunsch auf die Sprünge, endlich von der Verlagsarbeit leben zu können. Einen eigenen Preis für Bücher über die durchaus gesellschaftsrelevante Pop-Kultur würde er ebenfalls begrüßen.

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