14.11.2019 - 14:49 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Mit angemessener Empfindsamkeit und perlender Leichtigkeit

Violine und Klavier gelten als ideale Kombination für Wellness-Musik. Bernd Buß (Violine) und Tobias Hartlieb (Piano) zeigten im Saal der Berufsschule Sulzbach-Rosenberg, dass das nicht ganz falsch ist - aber dass es auch anders geht.

Ein gelungenes Kammerkonzert spielten Bernd Buß (links) und Tobias Hartlieb (rechts) im Saal der Staatlichen Berufsschule in Sulzbach-Rosenberg.
von Autor GACProfil

Den Auftakt machten die Musiker mit der Sonate G-Dur, KV 301 von Wolfgang Amadeus Mozart. Dieses Werk begann der 21-jährige Mozart im Winter 1777/78 am Musenhof des Sulzbacher Kurfürsten Karl Theodor in Mannheim, nachdem er zum ersten Male der Knute seines strengen Vaters entkommen war. Buß und Hartlieb spielten mit angemessener Empfindsamkeit und perlender Leichtigkeit. Vor allem in den leisen Passagen kam der feine Klang der 250 Jahre alten Violine zur Geltung.

Ein starker Kontrast ist Robert Schumanns Sonate für Klavier und Violine a-moll op. 105, vor allem im ersten Satz "Mit leidenschaftlichem Ausdruck". Nach dem eher lyrisch-märchenhaften "Allegretto" folgt ein "Lebhaft" betitelter Satz. Hier trieb Hartlieb am Flügel mit drängenden, sehr flotten Läufen die Violine geradezu vor sich her. Auf dem Höhepunkt dieses Hexentanzes erklang erneut eine kurze Reprise des Themas aus dem ersten Satz.

Geradezu jazzig

Damit war der Boden bereitet für Claude Debussys Sonate g-moll, op. 532. Buß und Hartlieb interpretierten das expressionistische Werk modern, zeitweise geradezu jazzig. Buß überzeugte durch dramatische Glissandi, klangvolles Fortissimo, aber auch sehr zartes Piano und perfekt intoniertes Flageolett.

Der zweite Teil des Konzerts war für die Zuhörer entspannter. Die zwei Mazurken des polnischen Geigenvirtuosen Henryk Wienawski, op. 19, sind Kabinettstückchen für die Violine. Der "Obertass" ist rasend schnell mit extremen Lagenwechseln. "Le Menetrier" ist zwar weniger flott, dafür ist das erste Thema durchgehend zweistimmig, und das zweite enthält einige anspruchsvolle Flageolett-Töne. Buß spielte mit tänzerischer Leichtigkeit, die die Schwierigkeiten in Musikalität auflöste.

Clara Schumann war in vieler Hinsicht kongenialer Gegenpart ihres Mannes Robert. Das zeigten Buß und Hartlieb, indem sie zwei Romanzen von Clara (op. 22) mit einer von Robert Schumann (op. 94) kombinierten.

Die Pianistin Clara Schumann komponierte gleichberechtigte Klavierstimmen, und insbesondere bei der dritten Romanze hatte Hartlieb am Flügel einige Arbeit. Der Pianist erfreute mit leichten, perlenden Läufen, die einen schönen Gegensatz zu Buß' elegischem Violinspiel bildeten.

Bestens eingestellt

Bei Fritz Kreislers tänzerischen Walzern "Schön Rosmarien", "Liebesfreud" und "Liebesleid" konnte Buß wieder seine Virtuosität unter Beweis stellen. Buß und Hartlieb zeigten sich bestens aufeinander eingestellt und spielten wie aus einem Guss. So konnten die Zuhörer ungestört in den bekannten Walzermelodien schwelgen.

Mit Edward Elgars "Salut d'Amour", einem Verlobungsgeschenk an seine Braut Alice Roberts, schloss das Programm. Dieses Stück, oft als unbedeutende Salonmusik abgetan, ist bis heute populär und bietet insbesondere der Violine große Entfaltungsmöglichkeiten. Buß spielte melodiös und obertonreich und ließ die Geige in höchster Lage im Pianissimo verklingen.

Nach stürmischem Applaus setzten die Musiker noch ein schönes Rigaudon von Fritz Kreisler als "leichte Zugabe" obendrauf. Ein gelungener Abend.

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