15.04.2019 - 17:58 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Anleitung für den Himmels-Eintritt

"Well-Brüder aus'm Biermoos" begeistern im Sulzbach-Rosenberger Seidel-Saal mit hintersinnigen Texten und einer Flut an Instrumenten.

Christoph (links) und Michael (rechts) haben mit ihrem Bruder Karl die neue Formation „Well-Brüder aus’m Biermoos“ gegründet. Im Seidel-Saal nahmen sie das Zeitgeschehen aufs Korn – zugespitzt und hintersinnig, wie zu besten Biermösl-Zeiten.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Scheinbar bedeutet ihm die Oberpfalz wirklich etwas, denn Christoph "Stofferl" Well, war nach seiner Strawanzen-Tour im August letzten Jahres jetzt schon wieder in den Mauern Sulzbach-Rosenbergs - allerdings diesmal mit seinen beiden Brüdern Michael und Karl als neue Formation "Well-Brüder aus'm Biermoos".

Die drei Sprosse der Großfamilie Well nehmen in bewährter Familientradition das politische Geschehen Bayerns und im Rest der Welt aufs Korn. Unter Zuhilfenahme unzähliger Instrumente ist den Brüdern nichts heilig. Nicht einmal die Herzogstadt, denn sie wussten von einem leerstehenden Einkaufszentrum, Lokalpolitikern mit täglicher Medienpräsenz und Zuordnungsschwierigkeiten zwischen Sulzbach und Rosenberg. Aber auch die Nachbarstadt Amberg bekam ihr Fett als "schwärzestes Loch des Universums" weg, wo schon tagsüber das Licht eingeschaltet werden müsse.

Neben der ihnen ureigenen Zuspitzung verschiedener Ereignisse - die regierende CSU immer schwer unter Beschuss - punkten die drei aus Hausen stammenden Volksmusik-Verehrer mit einer unglaublichen Menge an Instrumenten, deren Einsatz mit einer Leichtigkeit im ausverkauften Seidel-Saal daherkommt, als wäre es zumindest bayernweit die Ausnahme, wenn man nur ein Instrument beherrscht. Es wird gejodelt und geplattelt, Bauchtanz und Highland-Dance fehlen ebenso nicht, wie der virtuoseste Gebrauch von Harfe, Steirischer Quetschn, Bachtrompete, Tenorhorn, Dudelsack, Tuba, Klarinette, Alphorn und Brummtopf. Das Publikum ist begeistert, Beifallstürme begleiten die Musikkabarettisten, die den G 8-Trouble mit "Gymnasium bavaricum chaoticum" bezeichnen, über Baby-Yoga den Kopf schütteln und Andreas Gabalier in die Kategorie "Zuchtperlen der Volksmusik mit Zombies und Untoten" einstufen.

Doch eigentlich sind sie im Auftrag der guten, alten, echten und vor allem bodenständigen Klänge unterwegs. Diese scheinen ihnen durch ihre Eltern in der 15-köpfigen Well-Großfamilie schon in die Wiege gelegt worden zu sein. Gstanzl und Couplet finden sich genauso in ihrem Programm wie zünftige Landler - immer garniert allerdings mit satirischem Unterton oder unbarmherziger Zuspitzung in den Texten.

Das macht auch der Jodler "Wennst in Himme mechst kemma", deutlich, der zwar von Bayern als Vorstufe zum Paradies spricht, aber Bestechung und Korruption bei uns zur Tradition erklärt. Nur nütze das alles den Roten nichts, denn die sind sogar zu blöd zum B'scheißn. Und letztlich machen die drei Brüder das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern als Ort der Hölle aus. Ein Seitenhieb auf die oft vorgetragene Überheblichkeit manch eines weiß-blauen Politikers.

Doch die Zuhörer erfahren noch viel mehr. Sie wissen jetzt, dass im Hause Well Stubenmusik als Streitschlichter diente, die Reliquien von Franz-Josef Strauß in der Blackbox zu einem neuen CSU-Stern mitgenommen werden sollten, und Theodor zu Guttenbergs Doktorarbeit künftig im Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg aufbewahrt wird

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