15.03.2020 - 09:21 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Anstrengende russische Reise

Schostakowitsch, Prokofjew und Tschaikowski – ein Programm, das sich nicht viele Ensembles zutrauen. Das Eliot-Quartett nimmt bei der 57. Konzertreihe des VHS-Kammermusikkreises diese Herausforderung an

Zeigten ihr Können: bei der 57. Konzertreihe des VHS-Kammermusikkreises spielte das Eliot Quartett mit (von links) Maryana Osipova, Alexander Sachs, Dmitry Hahalin und Michael Preuss Stücke von Schostakowitsch, Prokofjew und Tschaikowski.
von Autor GACProfil

Dmitri Schostakowitschs Streichquartett Nr. 1 C-Dur op. 49 entstand 1938 in einer Phase der Anpassung an die stalinistische Diktatur, nachdem seine frühen Sinfonien von den Kulturfunktionären kritisch aufgenommen worden waren, was in der damaligen Zeit lebensgefährlich war. Obwohl es nicht die bedrohliche Düsternis und sarkastische Dramatik der Leningrader Kriegsjahre hat, beginnt es doch im Moderato mit verstörenden Harmonien.

Im zweiten Satz Thema mit Variationen hat die Bratsche ihren großen Auftritt. Dmitry Hahalin spielte das slawische Thema sehr ausdrucksvoll, mit großer Wärme und makelloser Intonation. Das fiebrige Flirren des Scherzo arbeiteten die Musiker fabelhaft heraus. Maryana Osipova (1. Violine) spielte die sehr flotten Läufe auch im Pianissimo mit schönem Ton. Das frühlingshafte Allegro interpretierten die Musiker mit starker Dynamik und mit durchgehend hohem Tempo bis zum bombastischen, fast parodistischen Schluss.

Sergej Prokofjew schrieb sein Streichquartett Nr. 2 F-Dur in Naltschik, der Hauptstadt der kabardino-balkarischen Republik nahe der georgischen Grenze, wohin er während des 2. Weltkrieges evakuiert worden war. Die kaukasische Musiktradition verarbeitete Prokofjew im ersten Satz Allegro Sostenuto vor allem rhythmisch, mit eher schweren Tanzschritten und stark gezupften Abschnitten, die in einem ziemlich überraschenden Dur-Akkord enden. Danach mussten die Musiker erst einmal neu stimmen. Im "Adagio" wanderte ein orientalisch anmutendes Thema durch alle Instrumente.

Michael Preuss spielte sein Cello sehr virtuos und arbeitete häufig sehr weit unten am Griffbrett. Auch im Allegro erfreute er mit großartigem Klang und äußerst virtuoser Fingerarbeit. Insgesamt war der Klang bei Prokofjews Werk allerdings etwas zu basslastig, so dass die Filigranarbeit von Alexander Sachs an der 2. Violine ein bisschen unterging.

Das Streichquartett Nr. 3 in der ungewöhnlichen Tonart es-moll widmete Pjotr Iljitsch Tschaikowski seinem verstorbenen Freund, dem Geiger Ferdinand Laub. Den ersten Satz Andante Sostenuto begann das Eliot-Quartett mit fast orchestraler Klangfülle. Das folgende Violin-Solo spielte Osipova mit lyrischem Ausdruck und sehr feinem Klang. Am Schluss, der an einen Beerdigungsmarsch erinnert, trat sie in einen sentimentalen Dialog mit Hahalins Bratsche. Das Allegretto vivo e scherzando interpretierten die Musiker mit einer fast mozartschen Leichtigkeit. Das Leitmotiv des Satzes enthielt eine Folge von einzelnen Tönen von jedem Instrument, was beim Eliot-Quartett wie aus einem Guss klang. Das Andante funebre begann sehr schwer und bedrückend, selbst in den gezupften Partien. Sachs spielte auf einem Ton eine orthodoxe Totenliturgie. Dieser Satz, der Höhepunkt des Werks, endete sphärenhaft, fast vergeistigt.

Einen fröhlicheren Schlusspunkt setzte das tanzartig bewegte Allegro non troppo, bei dem das Cello zeitweise wie der Zupfbass einer Dorfkapelle klangt. Nach anhaltendem Beifall spielten die Musiker noch ein Werk von Tschaikowski: das choralartige Morgengebet aus dem Album für die Jugend. Ein prächtiger Abschluss eines gelungenen Konzerts.

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