18.09.2018 - 15:52 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Augen auf und Fuß vom Gas

Vor einigen Tagen begann auch in der Herzogstadt das neue Schuljahr. Doch einige Zeit vorher bemerkten Autofahrer erste Anzeichen dafür: Vor Schulen oder Bushaltestellen standen mobile Messgeräte, die die Fahrgeschwindigkeit anzeigten. Wer schneller als mit 30 km/h unterwegs war, bekam einen grantigen Smiley zu sehen.

Das richtige Verhalten an der Haltestelle und im Bus brachte Polizei-Verkehrserzieher Uwe Aulinger den Schülern und Schulbuslotsen des Sonderpädagogischen Förderzentrums am Dienstag bei.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Der Hintergrund ist jedoch durchaus ernst: Im Jahr 2016 kamen in Deutschland mehr als 4000 Schüler im Schulbusverkehr zu Schaden. Viele dieser Unfälle wären durch umsichtiges Verhalten vermeidbar gewesen, sagen die Sachverständigen der Dekra.

"Vor allem an den Haltestellen kommt es zu schweren Unfällen, wenn Fahrgäste direkt nach dem Aussteigen vor oder hinter dem Bus die Fahrbahn überqueren wollen. Diese Situation ist für Fußgänger wie Autofahrer ganz schwer zu überblicken", so Dekra-Unfallforscherin Stefanie Ritter.

Im Jahr 2017 verunglückten laut Statistik an Haltestellen deutschlandweit 706 Personen, zwei von ihnen kamen ums Leben. Die wichtigste Regel lautet daher: Nie vor oder hinter einem haltenden Bus über die Straße gehen, sondern immer warten, bis der Bus abgefahren ist. Leider kennen auch viele Autofahrer die Regeln an den Bushaltestellen nicht. Für sie gilt: Überholverbot:Nähert sich ein Bus mit eingeschaltetem Warnblinklicht einer Haltestelle, dürfen andere Fahrzeuge den Bus nicht überholen. Autofahrer müssen damit rechnen, dass verspätete Buspassagiere noch schnell die Straße überqueren.

Schrittgeschwindigkeit:Steht der Bus mit Warnblinkanlage an der Haltestelle, dürfen Fahrzeuge zwar am Bus vorbeifahren, aber nur mit Schrittgeschwindigkeit (4 bis 7 km/h) und genügend Abstand. Fußgänger dürfen nicht gefährdet werden.

Gegenverkehr: Was viele nicht wissen: Diese Regelung gilt auch für den Gegenverkehr. Auch Autofahrer, die dem Bus entgegenkommen, müssen jederzeit anhalten können, wenn ein Fußgänger am Bus die Straße quert.

Die Dekra rät jedoch, vor allem in Wohngebieten, auf Schulwegen, an Haltestellen und im Bereich von Schulen und Kindergärten generell langsam zu fahren. Auch Fußgänger und Radfahrer sollten den Kindern ein Vorbild sein und Ampeln sowie Fußgänger- und Radüberwege nutzen, um die Straßenseite zu wechseln. Auf keinen Fall sollte man Straße überqueren, wenn die Ampel "rot" zeigt, denn Kinder übernehmen falsche und gefährliche Verhaltensweisen häufig von Erwachsenen.

Doch auch die Eltern sind gefragt, ihren Kindern das richtige Verhalten an Haltestellen zu erklären und am besten auch mit ihnen einzuüben. So sollten die Kinder niemals vor oder hinter dem haltenden Bus die Straße überqueren, sondern warten, bis der Bus die Haltestelle passiert hat. Beim Aussteigen ist auf vorbeifahrende Radfahrer und vorbeigehende Fußgänger zu achten. An den Haltestellen darf nicht gedrängelt werden. Auch auf Abstand zum heranfahrenden Bus ist zu achten. Um brenzlige Situationen zu vermeiden, sei es laut Dekra wichtig, genügend Zeit für den Weg zum Bus einzuplanen. "Wer spät kommt, ist versucht, noch schnell über die Straße zu rennen, ohne auf den Verkehr zu achten", so Ritter. Im Bus selbst gilt: Die Gänge sind auch Rettungswege und dürfen nicht zugestellt werden. Gepäckstücke gehören unter den Sitz oder auf die Ablagen, größere Teile in Reisebussen in die Gepäckfächer. In allen Bussen mit Sicherheitsgurten sind die Fahrgäste verpflichtet, diese anzulegen.

Info:

Um gefährliche Situationen für Kinder in den Bussen und an Haltestellen zu vermeiden, bietet die Polizei jährlich „Bus-Schulen“ an. Bei den praktischen Übungen am Sonderpädagogischen Förderzentrum unterrichtete Polizei-Verkehrserzieher Uwe Aulinger am Dienstag Schüler und Buslotsen. „Unser Ziel ist es, den Kindern mögliche Gefahren bewusst zu machen, damit sie durch richtiges Handeln ihre eigene Sicherheit erhöhen können“, erklärt der Hauptkommissar.

Mit dem Verweis auf einen Unfall im Oktober 2015 vor der Schule in Hahnbach, bei dem ein achtjähriger Bub vor dem Bus die Fahrbahn überquerte, unterstreicht der Ordnungshüter die Wichtigkeit der „Bus-Schule“. Im ersten Halbjahr sei es in Bayern zu 352 Schulwegunfällen gekommen, bei denen vier Schüler ihr Leben lassen mussten. „2017 gab es 681 Unfälle auf den Schulwegen mit einem getöteten, 84 schwer und 665 leicht verletzten Schülern“, ergänzt Aulinger. Auch Busfahrer Sebastian Tirchi sieht sich oft mit gefährlichen Situationen an Haltestellen konfrontiert. „Es vergeht fast kein Tag ohne Drängeleien oder Unachtsamkeiten. Deshalb wäre es von Vorteil, wenn in den Bussen immer Schulbuslotsen mitfahren würden.“ (oy)

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