14.05.2018 - 18:04 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Interkommunales Gewässerentwicklungskonzept liegt vor Bäche brauchen dringend Hilfe

Zwar schaffen es Fische trotzdem, dort zu existieren, aber Barrieren hindern sie am lebensnotwendigen Wandern. Doch es gibt Verbesserungspotenzial.

Ein Super-GAU für die Umwelt: Die Betonschlucht des Rosenbaches am Zentralbüro.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Wie es wirklich um die Lebensräume am Bach steht, ist nun offiziell zusammengefasst: Das interkommunale Gewässerentwicklungskonzept liegt vor, Landschaftsarchitekt Christopher Trepesch hat sich viel Arbeit gemacht und auch Auerbach, Königstein und Hirschbach gleich mit untersucht. Im Stadtrat stellte er die Ergebnisse vor. Die SRZ begab sich mit ihm und Hans-Hermann Lier vom Fischereiverein Amberg zu einigen Stellen am Rosenbach, die symptomatisch zeigen, wo es hakt.

Doch zunächst zum Gesamtergebnis: Untersucht sind 24 Kilometer Hauptgewässer im Stadtgebiet (Gewässer dritter Ordnung, um die sich die Stadt kümmern muss). Lediglich 22 Prozent davon fallen in die Kategorie "zufriedenstellend". Der Rest liegt teilweise stark darunter. So sind 63 Prozent "deutlich" oder "stark verändert" - sehr bedenklich, wenn man weiß, dass sich nach europäischen Vorgaben aus der Wasserrahmenrichtline sämtliche Gewässer in gutem Zustand befinden sollten.

Erste Station macht das Expertenduo nahe der Kläranlage. Dort laufen Rosenbach und MH-Flutgraben, die sich am Wehr geteilt haben, wieder zusammen. Lier zückt den Käscher und präsentiert eine winzige Bachforelle. "Nachwuchs ist da, wenn auch sehr wenig!" Etwas weiter oben zeigen sich die Ursachen: Die landwirtschaftliche Fläche reicht bis an den Gewässerrand, da sind Einspülungen programmiert. Eine hohe Steinschwelle weiter oben im Rosenbach-Bett verhindert durch ihren gewaltigen Schwall die Wanderung der Fische. "Hier könnte ein Ladung Steine die Stufe abmildern, zur Rampe machen und so wieder als Wanderweg freigeben", erklärt Trepesch. Einfach zu machen, große Wirkung.

Genauso unten am Zusammenfluss von Flutgraben und Hauptbach. Dort hat ein Hochwasser schon einen Kessel am Ufer ausgewaschen, das Wasser ist verwirbelt, es entstehen im Bachbett viele kleine Verstecke für die Bewohner. "Windungen und Unterstände sind das A und O für ein Fließgewässer", meinen beide Experten. Schon ein dicker Stein an der einen Seite und ein anderer weiter unten gegenüber helfen, Strukturen zu schaffen. Zudem hat sich der Biber am Uferbewuchs schadlos gehalten. Das sollte verhindert bzw. ausgeglichen werden, denn Bäche brauchen auch ihre Schattenzonen. Mit ein paar Weidensetzlingen kann man dem gegenwirken.

Letztes Beispiel: Der kerzengerade fließende Rosenbach von der Hofgartenstraße bis entlang des Dultplatzes. Hier ist vielerlei zu "bewundern": Anlieger mähen den Rasen neben dem Bach und entsorgen das Schnittgut gleich am Ufer: Eintönige Brennessel-Wälder sind die Folge. Der Bachgrund ist bedeckt mit braunem Schlamm, von den Äckern und Grundstücken hinabgespült.

Auch hier könnte man vieles verbessern: stärkere Kontrolle, Verhindern der Ausschwemmung und am Dultplatz entlang (ein Herzenswunsch der Gewässerexperten) besteht die Chance den Rosenbach aus seinem begradigten Bett zu befreien: "Hier könnte man ein paar Windungen und Biegungen bauen und den Bach auf die freie Fläche verlegen, um ihm auch im Hochwasserfall mehr Raum zu lassen." Das Gewässer würde aufleben, und hochwassertechnisch sei das alles zu schultern.

Fazit: Viel ist hier mit wenig Mitteln zu erreichen. Durchgängigkeit, Uferbewuchs, Sohlen-Struktur, Wasserpflanzen, das alles könnte den Wasserbewohnern enorm helfen. Und Zuschüsse gibt es sicher auch. Die beiden Fachmänner richten also den dringenden Appell an die unterhaltspflichtige Stadt, das Ergebnis der Untersuchung ernst zu nehmen und schnellstens Abhilfe zu schaffen, in Absprache mit den Praktikern. Damit europäische Vorgaben aus der Wasserrahmenrichtlinie erfüllt werden und der Stadt nicht wieder ein Stück Lebensqualität davonschwimmt.

Zwei Beispiele

Am Wehr beim Meierfeld zeigt sich Ähnliches: Auch hier hat der Überlauf zum Flutgraben zu viel Gefälle, als dass die Fische ihn überwinden könnten. Richtung Hammerphilippsburg hemmt eine Betonschwelle den Austausch der Fischpopulation. Rampen würden der Situation auch hier gut tun. Weiter oben dann, neben dem Zentralbüro-Parkplatz, zwei Extreme im Gewässer: Im Westen der in Beton kanalisierte ausgeräumte Bach, im Osten das ruhig zwischen Bäumen fließende Gewässer Richtung Wehr - einer der wenigen "grünen" Abschnitte in der Bewertung "mäßig verändert". Richtig gut ist der Zustand aber nur im Oberlauf des Erlbaches, im renaturierten Bereich vor Erlheim etwa oder im Wald zwischen Forsthof und Kleinfalz. (ge)

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