26.06.2020 - 14:14 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Besuch bei Playmobil-Sammlerin: 20 Welten unter einem Dach

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Eine Almhütte mit Bergsteigern, verschiedene Abteilungen in einem Krankenhaus, ein Strandcafé und ein Flughafen. Wie passt das alles in eine Stadt? Gar nicht, denn es befindet sich unter dem Dach eines Einfamilienhauses.

Auf dem Dachboden hat Patrizia Zimmermann ihre Playmobil-Welten aufgebaut.
von Helga KammProfil

Es sind Welten, die Patrizia Zimmermann im Lauf der Jahre zusammengetragen hat: Häuser, Landschaften, Menschen, all das lebt auf ihrem Dachboden, bunt, naturgetreu und sehr klein. Die Sulzbach-Rosenbergerin sammelt Playmobil-Figuren und stellt sie in einen natürlichen Lebensraum.

"Das ist das Kindliche in mir", beschreibt die ehemalige Lehrerin, die schon als kleines Mädchen am liebsten mit Puppen und Puppenküchen gespielt hat, ihre Passion. Zum Spielen eignen sich ihre kleinen Plastikmenschen nicht, die Hände, Arme und den Kopf bewegen können und die nach einem Gerichtsurteil als "Werke der angewandten Kunst" bezeichnet werden dürfen. "Ich schaffe ihnen ihr Umfeld", erklärt die Sammlerin, setzt sie in einer Winterlandschaft auf den Schlitten, lässt sie in einem Strandcafé Eis essen oder in einem flotten Cabrio posieren.

Angefangen hat die Sammel-Leidenschaft natürlich auf die herkömmliche Art. Die Söhne Christian und Martin, heute längst erwachsene Männer, haben als Buben Playmobil-Figuren bekommen. "Die erste ,Welt' war Ende der 1990er Jahre eine Dschungelruine mit Tieren und Gehegen", erinnert sich Patrizia, "später kamen dann der Flughafen, ein Haus mit vielen Zimmern und andere Welten dazu". Als aus den Buben Gymnasiasten wurden, hat die Familie die Playmobil-Figuren und -Gegenstände in Kisten verpackt und in den Keller geräumt, wo sie fast in Vergessenheit gerieten.

Jahre später wurde der Dachboden im Familienhaus ausgebaut, wurden dort Bücherregale gefüllt und Vitrinen mit verschiedenen Sammlerstücken. "Da kam mir die Idee, dort auch eine kleine Playmobil-Ausstellung zu arrangieren", blickt Zimmermann zurück. Aus der Idee wurde eine Lebensaufgabe. Es blieb nicht bei den bisherigen Welten. Patrizia wurde zur Sammlerin, die Playmobil-Kataloge studierte, sich die Freude gönnte, jedes Jahr ein neues Haus, einen Laden, Post, Polizei, Bank oder sonstige Einrichtungen einer Stadt zu kaufen. Mit unzähligen Gebrauchs- und Schmuckgegenständen dazu und natürlich den Menschen, die darin leben und arbeiten. "So ist auf meinem Dachboden eine ganz eigene Welt entstanden, in der Männer, Frauen und Kinder ihrer Arbeit und ihrem Vergnügen nachgehen".

Nach Jahreszeit gestalten

Die Sammlerin lässt ihre Figuren am Jahreslauf teilhaben. Sie genießen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, sie feiern Halloween mit Kürbissen und Hexen, sie stürzen sich ins Faschingstreiben, sonnen sich am Strand oder fahren mit der Seilbahn auf die winterlichen Berge. "Das Umstellen und neu Gestalten macht mir Freude", beschreibt Patrizia diese heikle Arbeit mit den Miniaturen. Dabei geht es nicht nur um die kleinen Menschen, sondern auch um das Zubehör, das zur jeweiligen Situation passen muss.

Auf ihrem lichtdurchfluteten Dachboden leben all diese Figuren nebeneinander, auf engem Raum zwar, aber in einer eigenen Welt, friedlich und fern der realen Welt. 20 verschiedene Welten, schätzt sie, werden es wohl sein, die Kleinteile dazu gehen in die Tausende. Über den materiellen Wert ihrer Sammlung will sie nicht reden. Der ideelle Wert, nämlich die Freude an ihrem Hobby, sei viel größer. Viel Neues anschaffen will Patrizia des Platzmangels wegen nicht mehr. Wenn ihre Söhne oder Freunde ihr aber eine Freude machen wollen mit einem neuen Figürchen, sagt sie bestimmt nicht nein.

Patrizia Zimmermann hat sich auch mit der Geschichte von Playmobil vertraut gemacht. Die Präsentation dieses neuen System-Spielzeugs erfolgte 1974 durch das Unternehmen Brandstätter in Zirndorf auf der Nürnberger Spielwarenmesse. Den ersten Themen Baustelle, Wilder Westen und Ritterzeit folgen bis heute rund 40 weitere mit umfangreichem Zubehör.

1976 kamen weibliche Figuren hinzu, Kinder- und Babys wurden erst ab den 1980er Jahren verkauft. Die Figuren wurden im Laufe der Jahre nur leicht modifiziert, bekamen bewegliche Hände und verschiedene Haartrachten, blieben aber immer an den ursprünglichen Formen und der Größe von 7,5 Zentimetern ausgerichtet. 2014 feierten die Playmobil-Figuren ihren 40. Geburtstag mit einer Sonderausstellung in verschiedenen Museen in Deutschland. Seit 1991 gibt es in Zirndorf auch einen Playmobil-Freizeitpark sowie weitere Fun-Parks in europäischen Ländern und den USA.

Ein Oberpfälzer arbeitet in der Playmobil-Fabrik auf Malta

Über die Playmobil-Börse in Mantel (Kreis Neustadt/WN)

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