Update 01.03.2019 - 15:02 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Biber wichtige Partner in der Natur

Er lebt und arbeitet in der Vils, der Lauterach, im Lehenbach und auch im Stadtpark in Sulzbach-Rosenberg. Horst Schwemmer nennt ihn den guten Geist des Wassers. Aber der Biber hat nicht nur Fans.

Fachsimpeln am Rande des Vortrags: Gerd Ponkratz (links) und Peter Lehner (rechts) befragen Bibermanager Horst Schwemmer.
von Helga KammProfil

Die Sonderausstellung über den Biber im Stadtmuseum nutzte Horst Schwemmer, der Bibermanager für Nordbayern, um von den "guten Geistern des Wassers" zu erzählen. Sachkundig, lebendig und mit viel Leidenschaft führte er den überschaubaren Kreis der Gäste ein in die Welt eines faszinierenden Tieres. Einst ausgerottet, ist nach der Wiedereinbürgerung sein Bestand in Deutschland, Österreich und der Schweiz mittlerweile wieder auf 6000 Reviere und etwa 22 000 Tiere angewachsen, zur Freude der Naturschützer, aber oft auch zum Leidwesen von Land- und Teichwirten.

Sogar ein Exportschlager

Neben Brandenburg und Thüringen ist vor allem Bayern von diesem "Baumeister am Wasser" dicht besiedelt. So dicht, weiß Horst Schwemmer, dass er sogar ein Exportschlager ist. 926 Biber sind in etwa 15 Jahren zur Wiederansiedlung an andere Länder abgegeben worden. Darüber hinaus müssen offiziell immer wieder Tiere in Bayern "entnommen" werden, wenn sie vor allem die Teichwirtschaft gefährden. Für entstandene Schäden bei Landnutzern kommt ein Ausgleichsfonds der Staatsregierung auf. "Die Biber aber schreiben uns keine Rechnung", verteidigt Schwemmer die Nager, "durch ihre Gestaltung und Pflege von Biotopen ersparen sie uns Millionen für Landschaftspflege und Hochwasserschutz". Der Biber baut Dämme aus Ästen und Zweigen, hält damit Wasser länger in der Landschaft. Es entstehen Feuchtgebiete und ein Mosaik verschiedener Biotope.

Artenreiche Biberreviere

"Biberreviere zählen zu den artenreichsten Biotopen überhaupt", schildert der Biber-Manager die segensreiche Arbeit des Nagers. Fische, Vögel, Insekten, Amphibien und weitere gefährdete Tiere und Pflanzen profitieren davon, weil sie wieder einen Lebensraum haben. Dass in Biberrevieren mit ihrer mosaikartigen Landschaft und ihren Riesel- und Stillgewässern bei bedrohten Arten Zunahmen zu verzeichnen sind, beweise, dass der Biber ein extrem wichtiger Partner in der Natur ist.

Trotzdem, auch das verschwieg Horst Schwemmer nicht, gibt es immer wieder Konflikte. So könne es sein, dass Biber Nutzbäume fällen, dass sie Fischteiche untergraben oder sich in Mais-, Rüben- und Kornfeldern bedienen. Man müsse den Bibern Raum geben, das Land nicht bis an die Gewässergrenzen hin nutzen. Für guten Rat und Lösung von Konflikten sorge das bayernweite Bibermanagement, das der Bund Naturschutz erarbeitet hat. In den gravierendsten Fällen, so Schwemmer, dürften Biber nach behördlicher Genehmigung sogar von Fachleuten gefangen und getötet werden. Das seien mittlerweile 1200 Tiere pro Jahr.

"Und wenn es zu viele Biber werden?", war eine der skeptischen Fragen aus dem Zuhörerkreis. Auch da konnte der Bibermanager beruhigen. Eine Biberpopulation wachse langsam, pro Jahr kämen nur zwei bis drei Junge zur Welt, von denen lediglich die Hälfte überlebe. Als bestes Beispiel nannte Schwemmer die Biber im Weiher des Stadtparks in Sulzbach: "Sie leben dort schon sehr lang, werden aber nicht mehr."

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