05.07.2019 - 17:19 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Biologie verwandelt Leerstand

Dort, wo früher Schweine quiekten und der Wurstkutter lief, soll schon bald behagliches Wohnen vorherrschen. Möglich macht dies Baubiologe Stefan Thar, denn er liebt Altstadtbereiche und ist kein Freund von Leerständen.

Von der Terrasse überblickt man die Dächer der Altstadt.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Seine Visitenkarten hat der Bauherr und Biokonstrukt-Geschäftsführer schon mehrfach in der Herzogstadt, wie etwa in der Klostergasse oder beim ehemaligen Gasthaus "Zur Waage" in Rosenberg hinterlassen. Und was ihn von anderen Bauträgern unterscheidet, ist die konsequente baubiologische Umsetzung von Altbausanierungen. Aktuelles Projekt: "Sanierung der ehemaligen Metzgerei Renner in der Frühlingstraße mit Umbau zu neun Eigentumswohnungen.

Bei Rundgängen mit den Freien Wählern Umland (FWU) und anderen Besuchergruppen stellte er sein "jüngstes Kind" vor, in dem er vor allem auf seine Sanierungsprinzipien verwies. "Nachdem die alte Renner-Metzgerei seit vielen Jahren praktisch dem Verfall preisgegeben war, fiel vor elf Monaten der Startschuss zur Sanierung. Die neun Wohnungen sind fast fertig, bereits an fünf Sulzbach-Rosenberger Bürger verkauft und bis auf wenige schon vor Bauabschluss vermietet", erklärte der Bauträger.

Die Vertreter der FWU lobten Mut und Tatendrang des Wahl-Sulzbach-Rosenbergers und interessierten sich vor allem für die spezielle Vorgehensweise Thars bei der Umwandlung der Leerstände. "Zur konsequent ökologischen Altbausanierung gehören Naturbaustoffe, Innen-Dämmung, Wandheizung und Lehmputz", so der Fachmann. Hauptproblematik sei nach Ansicht des Baubiologen der Umstand, dass ein altes Gebäude nie ganz trocken werde. Der Bau müsse atmen und die Feuchtigkeit transportiert werden können, was die Verwendung des Lehms erkläre - Stefan Thar nannte auf Nachfrage hier das Stichwort "Diffusionsoffenes Bauen".

Steuern sparen

In allen sanierten Wohnungen sprachen die Besucher von sehr behaglichen Eindrücken. Die Lage des Gebäudes hoch über dem Bachviertel lässt weite Rundblicke über die Dächer Sulzbachs zu, viele Sichtbalken und Ziegelstein-Aufmauerungen sorgen zudem für eine angenehme Atmosphäre. "Wir haben hier Wohnungen in Größen zwischen 50 und 100 Quadratmetern, die natürlichen Materialien kommen vor allem der Gesundheit der Bewohner und dem Raumklima zugute und wir haben sogar Parkplätze im Hinterhof." Ein weiteres Lieblingsthema des engagierten Biokonstrukt-Chefs sind "Steuerermäßigungen in Sanierungsgebieten". Hier gebe es in Sulzbach und Rosenberg enormes Potenzial, was im Endeffekt eine Menge gespartes Geld bedeute. "Viele Eigentümer von denkmalgeschützten Immobilien wissen womöglich nicht, dass die Kosten für die Sanierung als Abschreibung von der Steuer abgesetzt werden können - mindestens acht Jahre lang. Schade, dass diese Möglichkeiten hier vor Ort nur sehr sporadisch genutzt werden."

Die frühere Renner-Metzgerei.
Baubiologe Stefan Thar (rechts) erklärt der FWU seine Arbeitsweise bei der Sanierung der vom Verfall bedrohten Metzgerei Renner.
Sichtbalken, Ziegelsteine, Wandheizung und Lehmputz gehören dazu.
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