Ein schwerer Verkehrsunfall mit Verletzten, ein Feuer, ein bewaffneter Täter auf der Flucht: Für die Polizei bedeutet das Blaulicht an, Martinshorn an – und so schnell wie möglich zum Einsatzort. Weil sich solche Blaulichtfahrten nicht im öffentlichen Straßenverkehr üben lassen, gehört seit 2001 auch das Training mit einem Verkehrstrainingssimulator (VTS) zur zweieinhalbjährigen Polizeiausbildung, erklärt Polizeihauptmeister Oliver Eckl. Seit über zehn Jahren ist er bei der Bereitschaftspolizei in Sulzbach-Rosenberg für das Fahrtraining der Auszubildenen zuständig. Neben Fahrten durch einen Hindernisparcours und dem Fahrsicherheitstraining leitet er auch die Übungen am VTS.
Die Polizeischüler sitzen dabei in einer Fahrerkabine, die im Innenraum einem echten Einsatzfahrzeug ähnelt. Sieben große Bildschirme rundherum zeigen die virtuelle Verkehrsumgebung. Eine bewegliche Plattform unter der Fahrerkabine sorgt dafür, dass sich der Simulator passend zum Fahrmanöver zur Seite und nach hinten oder vorne bewegt, erklärt der Polizeihauptmeister. "Ganz wie bei einer echten Fahrt fühlt es sich natürlich nicht an. Es kommt auch vor, dass dem einen oder anderen am Anfang etwas schwindelig wird. Das legt sich aber schnell wieder." Der Grund: Was die Augen sehen und der Körper wahrnimmt, stimme nicht vollständig überein. Deshalb beschränken sich die ersten Trainingseinheiten auf etwa drei Minuten, damit sich die Auszubildenden langsam an die ungewohnte Situation gewöhnen können, fährt Eckl fort.
So schnell die Situation erlaubt
Zwischen fünf und sieben Minuten dauern die Fahrten im Simulator. "Wir haben da zu jeder Strecke, also Autobahn, Landstraße aber auch Stadt, vorprogrammierte Strecken, auf denen unterschiedliche Problemfälle auftauchen", erklärt Eckl. Zum Beispiel laufen Fußgänger oder Tiere auf die Fahrbahn, oder Autos bremsen plötzlich oder weichen ungünstig aus. Auch Wetter und Tageszeit lassen sich verändern. Bei Dunkelheit, Regen oder Schnee sieht man wie im echten Straßenverkehr schlechter.
Während der Fahrt verfolgt Eckl das Geschehen auf mehreren Bildschirmen. Dort kann er unter anderem sehen, wie schnell der angehende Polizeibeamte unterwegs ist und ob er in einer Gefahrensituation rechtzeitig bremst. Im Anschluss wird die Fahrt gemeinsam ausgewertet. Grundsätzlich gehe es darum, ein Gefühl für die Geschwindigkeit zu entwickeln, sagt Eckl: Wann kann schneller gefahren werden? Wann ist besondere Vorsicht geboten? Und mit welchen kritischen Situationen müssen die Polizeischüler rechnen? Gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres steht schließlich ein dreimonatiges Praktikum an, bei dem die Nachwuchskräfte gemeinsam mit einem erfahrenen Kollegen im Einsatz sind.
Alles steht Kopf
Doch was passiert, wenn die Fahrt zum Einsatz selbst zum Ernstfall wird? Wenn das Polizeiauto von der Straße abkommt, sich überschlägt und schließlich auf der Seite oder auf dem Dach liegen bleibt? Auch darauf werden die angehenden Polizeibeamten vorbereitet. Dabei kommt ein sogenannter Rettungssimulator zum Einsatz: ein Auto, das in einer Vorrichtung eingespannt ist und sich auf die Seite oder das Dach drehen lässt. "Den Auszubildenden soll vermittelt werden, wie wichtig der Gurt ist und wie sie sich im Ernstfall aus dem Fahrzeug befreien können", sagt Eckl.
Was im Rettungssimulator mit der eigenen Rettung beginnt, führt im nächsten Szenario zur Hilfe für andere. Treffen Polizeibeamte als Erste an einer Unfallstelle ein, müssen sie möglicherweise Verletzten helfen, noch bevor Feuerwehr und Rettungsdienst eintreffen. Deshalb üben die Polizeischüler auch, wie sie Personen direkt im Fahrzeug versorgen können. Dabei trainieren die Auszubildenden verschiedene Szenarien. Zum Beispiel, was zu tun ist, wenn sich nach einem Unfall die Fahrzeugtüren nicht mehr öffnen lassen. Oder: Wie orientiert man sich nachts, wenn lediglich das Blaulicht die Unfallstelle erhellt?
Der Rettungssimulator bilde allerdings den Idealfall ab, räumt Eckl ein. Die Seiten oder das Dach sind nicht eingedrückt und das Fahrzeug liegt nicht schräg, sondern "sauber in der Waagrechten oder auf dem Kopf". Trotzdem sei auch das schon hilfreich: "Es geht konkret darum, dass die Auszubildenen eine gewisse Handlungssicherheit bekommen und nicht unvorbereitet sind, sollte der Fall eintreten."
























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