05.02.2019 - 17:23 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Blitzeis ist schlimmer als Neuschnee

Die Bewährungsprobe für 2019 ist geschafft - erfolgreich. "Wir können eben Winter", lautet die Bilanz von Stefan Noll vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach. Am Wochenende hatte seine Truppe gut zu tun.

Viel Arbeit hatten am Wochenende die Räum- und Streufahrzeuge.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Das bei der Netzlänge zweitgrößte Staatliche Bauamt in Bayern betreut immerhin rund 2000 Straßenkilometer in den Landkreisen Schwandorf, Tirschenreuth, Neunburg, Amberg-Sulzbach sowie den kreisfreien Städten Amberg und Weiden. Sogar das Stück Autobahn A 6 von Waidhaus bis zur A 93 fällt darunter. Sieben Straßenmeistereien mit ihren rund 200 Mitarbeitern und über 70, teils privat engagierten Fahrzeugen sind nun hauptsächlich auf Winter eingestellt.

Und hier existiert ein ausgeklügeltes Konzept: Das beginnt schon mit den sogenannten Spähern. Sie sind auch nachts unterwegs, besehen sich neuralgische Punkte und fordern auch schon mal den Winterdienst gezielt an. Ansonsten liefern sie die zeitliche Einschätzung für den Start der Räumer und Streuer. Auch 20 Glättemeldeanlagen steuern wichtige Daten von gefährdeten Stellen bei.

Straßen mit Vorrang

Beispiel Sonntag in Amberg: Um 5 Uhr rücken etwa 15 Fahrzeuge aus, teils von der Straßenmeisterei, teils von angeheuerten Privat-Unternehmen. Sie haben Trockensalz und Sole (Salzlösung zur Verbesserung der Wirksamkeit) geladen, besitzen vorne ein Räumschild und hinten den Streuteller. Von dort verteilen sie das Salz mit 30 Prozent Sole-Anteil auf den rund 410 Kilometern Bundes- und Staatsstraßen - je nach Straßenzustand und Niederschlagsmenge zwischen fünf und 40 Gramm pro Quadratmeter.

Vorrang haben natürlich die Hauptverkehrsadern - das sind meist Straßen wie die B 85 und die B 299, aber auch Staatsstraßen wie die Vilstalstraße und die Verbindung Vilseck-Amberg. Und natürlich das Stück Autobahn A 6 nach Waidhaus, das von der in Vohenstrauß ansässigen Straßenmeisterei betreut wird. Aber auch alle anderen Strecken kommen dran, nur eben etwas später und vielleicht nicht so oft. Das gesamte Gebiet ist in Räumschleifen eingeteilt. Ein Lastwagen befährt seine bis zu 60 Kilometer lange Strecke manchmal dreimal hintereinander im Schichtbetrieb teilweise bis 24 Uhr. Stefan Noll bezeugt den Fahrern Respekt: "Sie müssen ihre Strecke genauestens kennen, über Hindernisse und Gefahrenstellen Bescheid wissen - eine hochanstrengende Tätigkeit, aber sie sind alle bestens motiviert. Hut ab."

In Echtzeit vernetzt

In der Straßenmeisterei sitzt der Winterdienst-Leiter vor dem Bildschirm. Auf dessen Landkarte sind alle Einsatzfahrzeuge dank GPS in Echtzeit zu sehen, auch was und wie viel sie streuen. So kann rasch umdisponiert werden bei auftretenden Problemen. Ein detaillierter Wetterbericht, wie ihn auch Flughäfen nutzen, hilft bei der Planung. So kann bei Blitzeis schon im Vorfeld gesalzen werden. In den 26 Salzhallen der Straßenmeistereien des Bauamtes lagern gute 24 000 Tonnen, in Schwarzenfeld, in einem sogenannten "Salzhotel", liegt das Notfalldepot mit nochmals 22 000 Tonnen. Etwa 280 Tonnen Salz und 80 Kubikmeter Sole verteilte die Straßenmeister Amberg am Sonntag. Schon am Samstag war es stellenweise zu Vereisungen gekommen, speziell bei Ranzenthal und Mertenberg.

Zwischenfälle gab es glücklicherweise nicht, freut sich Bauoberrat Stefan Noll. "Die Autofahrer sind bei Schneefall in der Regel vernünftig und lassen dem Räumfahrzeug Platz." Geholfen habe natürlich am Wochenende, dass es keinen Schulbus- und Berufsverkehr gab. Am schlimmsten, ist Noll sicher, sind die Temperaturschwankungen um den Gefrierpunkt, wenn es Glatteis oder überfrierende Nässe gibt. Schnee sei leichter in den Griff zu bekommen.

Deswegen habe man auch eine Sperrung der B 85 nicht in Erwägung gezogen - wiewohl in der Nittenauer Gegend immer noch ein Stück Staatsstraße wegen Schneebruchgefahr nicht befahrbar sei. Das Bauamt bemüht sich also, natürlich gemeinsam mit Kreisen und Kommunen, die Straßen bei Raureif über Glatteis bis Starkschnee schnell frei zu bekommen. Dafür lohnt es sich dann auch, dem Schneeräumer einmal Platz zu machen. Denn dessen Job ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Sondern eher salzig.

Info:

Prioritäten beim Winterdienst

Viele Leser wunderten sich, dass Seitenstraßen oder Straßen durch Wohngebiete auch nach mehr als einem Tag noch nicht geräumt oder gestreut waren. Das liegt an den begrenzten Kapazitäten der Winterdienste in den Kommunen und einer daraus resultierenden Prioritätenliste. Während das Staatliche Bauamt stets alle betreuten Bundes- und Staatsstraßen räumt und nur zeitliche Unterschiede macht, müssen die Kommunen andere Maßstäbe setzen: In der Einsatzstufe 1 in Sulzbach-Rosenberg stehen alle verkehrswichtigen Durchgangsstraßen, Steigungen, steile Einmündungen in Hauptverkehrsstraßen und das Krankenhaus. Stufe 2 umfasst nicht allgemein verkehrswichtige Wohngebiete und Sackgassen. Diese werden erst abgearbeitet, wenn es zeitlich und vom Wetter her möglich ist.

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