15.07.2019 - 16:29 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

"Das Böse ist immer und überall"

Ihre großen Hits hatte die EAV in den Achtzigern: Da schwammen sie auf der Neuen Deutschen Welle mit „Banküberfall“ und „Heiße Nächte in Palermo“. Die dürfen bei keinem Konzert fehlen. Auch sonst gab es noch so manche Überraschung.

Mehrere tausend Besucher begeisterte „Die Erste Allgemeine Verunsicherung“ bei ihrem „Stahlwerk-Festival“-Konzert in Sulzbach-Rosenberg. Band-Urgesteine Thomas Spitzer und Klaus Eberhartinger präsentierten Hits und Klassiker.
von Autor GACProfil

Bässe grummeln, Gitarren kreischen, ein Sarg wird auf die Bühne geschoben. Ist das hier ein Death-Metal-Konzert? Aus dem Sarg steigt eine schwarze Gestalt, die Musik schaltet zu einem Kaffeehaus-Foxtrott um, und der Schwarzgewandete singt im unverwechselbar wienerischen Tonfall: „Im Stahlwerk bin I gstoam“ - Willkommen bei der Ersten Allgemeinen Verunsicherung (EAV). Die Verunsicherung tragen Leadsänger Klaus Eberhartinger und Thomas Spitzer, Komponist, Texter und Gitarrist, nicht nur im Namen. Sie betreiben sie auch systematisch. "1000 Jahre EAV" feiern sie am Sonntagabend beim "Stahlzeit-Festival" , aber Eberhartinger gibt ohne Zögern zu, dass es die Band tatsächlich nur 40 Jahre gibt. Das ist aber schon deutlich mehr als zwölf.

Nach so langer Zeit und im Alter von deutlich über 60 machen die beiden nun ihre Abschiedstournee – jedenfalls die erste. Sicher ist da nichts.

Für den Live-Auftritt haben Eberhartinger und Spitzer zusätzliche Musiker engagiert und den Sound sehr viel rockiger, gitarren- und schlagzeugbetonter gemacht. Dank exzellenter Tontechnik bleiben die Texte trotzdem verständlich. Denn hinterfotzigen Humor und beißende Gesellschaftskritik hat Spitzer im Laufe der Jahre immer weiter geschärft: Bei „Trick der Politik“ vom letzten Album „Alles ist erlaubt“ bleibt einem das Lachen buchstäblich im Halse stecken.

„God Bless America“ ist eine bitterböse Abrechnung mit dem Präsidenten Donald, der von Entenhausen ins Amt gewählt wurde. An der aktuellen Politik arbeiten sich die Musiker ab: „Rechts, 2, 3“ und „Neandertal“ schockieren mit Textzeilen wie „Die Menschheit hat es gern brutal.“ Und bei „Am rechten Ort“ wird es sogar einmal ganz still und nachdenklich im Publikum: „Nur selten dringt an meine Ohr‘n das Lied der Dankbarkeit! Dabei sind wir unterm hellsten Stern gebor‘n, am rechten Ort zur rechten Zeit.“

Aber auch bei den alten Hits sind gut- und bösartige Spitzen garantiert. „Burli“, ein Song über die Folgen eines Kernkraftwerks-Unfalls, kam 1987 heraus, ein Jahr nach der Katastrophe von Tschernobyl. In Bayern war das Lied im Rundfunk nicht zu hören: „Der BR hat uns für diese Radioaktivität keine Radioaktivität gewährt“, kalauerte Eberhartinger dazu. „300 PS“ und „Bodybuilder“ attackieren männliches Potenzgehabe, das sich auf Muskelaufbau am eigenen Körper oder am Auto beschränkt. Und der „Samurai“ Meier macht bei den kleinen Straßenmädchen in Bangkok auf dicke Hose, weil nur das „M“ groß ist. Selbst beim Klamauk-Klassiker „Banküberfall“ bleibt die Zeile „Das Böse ist immer und überall!“ mit ihrer schiefen Grammatik im Kopf hängen – ist schon irgendwie wahr.

Musikalisch liegt der Schwerpunkt des Konzerts auf Rock ‘n' Roll, aber sie können auch anders: Von Country über Schlager bis zur jodelnden Heimatmusik geht das Spektrum. Der „Sandlerkönig Eberhard“ ist eine Schnulze, aber mit bitterböser Pointe.

Nach zwei Stunden Vollgas ohne Pause fordern die Zuhörer noch eine Zugabe, und jetzt gibt es die Klassiker, auf die das Publikum schon den ganzen Abend gewartet hat: „Märchenprinz“ und „Fata Morgana“. Endgültig Schluss ist mit „Morgen (fang‘ ich ein neues Leben an).“ Vielleicht sieht man sie ja doch einmal wieder, bei ihrer nächsten Abschiedstournee. Nichts ist sicher!

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