20.09.2020 - 16:20 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Buchdrucker enorm unter Druck

In der Zeit des Nürnberger Druckers Georg Stuchs aus Sulzbach war der Buchdruck, was heute das Internet ist: die modernste Form der Kommunikation. Das Geschäft mit dem Druck war trotzdem schwierig und risikoreich.

Stadtheimatpfleger Markus Lommer (rechts) begrüßt Jürgen Hellmann in humorvoller Weise im Seidel-Saal.
von Autor GACProfil

"Verbum charta factum est - Das Wort ist Papier geworden" lautete der Titel des Vortrages von Jürgen Hellmann im ehemaligen Drucksaal der Druckerei J. E. von Seidel. Stadtheimatpfleger Markus Lommer begrüßte den "Büchernarren und Wahl-Sulzbach-Rosenberger" in der Georg-Stuchs-Ausstellung. Hellmanns faktenreicher Vortrag lieferte ein Porträt der Zeit um 1500 mit Schwerpunkt auf den technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen im Druckereiwesen.

Die ersten mit beweglichen Lettern aus Metall gedruckten Bücher wurden im 13. Jahrhundert in Korea hergestellt, erhalten ist ein Buch aus dem Jahr 1377. Nachdem Gutenberg den Buchdruck in Europa erfunden hatte, breitete er sich sehr schnell aus: Schon 1480 gab es Druckereien an 180 Orten.

Georg Stuchs aus Sulzbach erlernte sein Handwerk bei einem der größten Druckunternehmer seiner Zeit: Anton Koberger (1440 - 1530), der in Nürnberg 18 Druckpressen betrieb und unter anderem eine der frühesten deutschsprachigen Bibelausgaben herstellte. Eine solche Bibel kostete in etwa den Jahreslohn eines Handwerksgesellen. Hinzu kam - je nach Solvenz des Kunden - noch das Rubrizieren (von Hand geschriebene Überschriften), Kolorieren und Binden, was teurer als der Druck sein konnte.

Obwohl Drucke in großen Mengen hergestellt und verkauft wurden, war das Geschäft schwierig. Mancher Drucker musste sein ganzes Hab und Gut verpfänden, nur um das sündhaft teure Papier zu erwerben. Der Verkauf der wertvollen Ware musste europaweit organisiert werden, und es konnte Jahre dauern, bis eine Auflage an den Mann gebracht war. Da ist es nicht verwunderlich, dass fast die Hälfte der im 15. Jahrhundert nachgewiesenen Druckereien innerhalb eines Jahres schließen musste.

Georg Stuchs ist für die Druckgeschichte bedeutend, weil er schon um 1500 italienische Bücher ins Deutsche übersetzen und drucken ließ und weil er als einer der ersten in Deutschland Noten mit beweglichen Lettern druckte.

Zum Schluss ging Hellmann noch auf zwei außergewöhnlich populäre Werke der Frühzeit des Drucks ein: die Schedelsche Weltchronik, von der ein Exemplar auch im Seidel-Saal zu sehen ist, sowie Sebastian Brants "Narrenschiff". Beide wurden vielfach nachgedruckt, auch ohne Genehmigung der Autoren. Urheberrecht gab es damals eben noch nicht.

Die Ausstellung zum 500. Todestag von Georg Stuchs im Saal der Historischen Druckerei J. E. von Seidel ist noch bis zum 27. September zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch 15 - 17 Uhr, Donnerstag 11 - 13 Uhr, Freitag und Samstag 10 - 12 Uhr und 14 - 16 Uhr.

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