13.10.2020 - 17:11 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bund Naturschutz-Kreisvorsitzender Peter Zahn: "Stromtrasse zerstört Lebensräume"

Bei den Inforunden und Gesprächen mit der Deutschen Bahn zu den Bahnstromtrassen können die Bürger kritische Fragen stellen. Die Position der DB verändert sich laut BN-Kreisvorsitzendem Peter Zahn dadurch aber in keiner Weise.

Bei einer Führung der geplanten Bahnstromtrasse in Nähe der Bundesstraßen (im Vordergund das „Sulzbacher Kreuz“ mit der längslaufenden B 85 und der von rechts quer auftreffenden B 14) befürchtet Bund Naturschutz-Kreisvorsitzender Peter Zahn auch eine Beeinträchtigung des Naherholungsgebietes Sternstein (im Bild rechts) und weiterer geschützter Landschaftsbereich
von Andreas Royer Kontakt Profil

Die Pläne der Bahn für eine neue Stromtrasse, die zur Elektrifizierung des Gleisnetzes in Nordostbayern benötigt wird, sorgt weiter für Wirbel in der Bevölkerung. Auch dem Bund Naturschutz gefallen viele Überlegungen der DB nicht. Wie Kreisvorsitzender Peter Zahn im Pressegespräch angibt, würden bei allen vorliegenden Stromtrassen-Planungen nur die Argumente der Bahn, wie etwa: "Aus unserer Sicht ist das das Sinnvollste, Sicherste und Kostengünstigste", eine entscheidende Rolle spielen.

Neue Dauerbelastungen

Vorschläge zu Trassenverschiebungen aus der Bevölkerung würden kommentarlos in den Leitungsentwurf aufgenommen. "Einer davon ist, dass die Stromtrasse mit der Bahnlinie gebündelt werden soll. Damit führt die Trasse mit sehr geringen Abständen durch die Siedlungsgebiete von Sulzbach-Rosenberg und setzt damit einen Großteil der Wohnbevölkerung neuen Dauerbelastungen aus", so Zahn.

Beim Vorschlag, die Bahnstromtrasse mit der B 14 und der B 85 zu bündeln, zweige östlich von Kauerhof die Leitung von der B 14 nach Süden ab, quere das Landschaftsschutzgebiet Sternstein, laufe dann annähernd parallel zur B 85 über den Kempfenhoferweg, über das Areal des SV Loderhof und den Auffahrast der Staatsstraße 2164 zur B 85. Zwischen den Anlagen der Bepo und der Krötenseeschule verlaufe sie dann entlang der B 85 Richtung Amberg. Auch hier sei der Abstand zu den Wohngebieten relativ gering und das Orts- und Landschaftsbild würde erheblich belastet.

"Die Probleme und Bedenken von einem Standort werden nur in einen anderen Standort verschoben. Alternativen, die ohne die kritisierten Trassenvarianten auskommen, werden bei den vorliegenden Entwürfen nicht einmal angesprochen", merkt Peter Zahn kritisch an. Wegen der anhaltenden Diskussionen solle jetzt der Vorschlag "dezentrale Bahnstromversorgung" durch Gutachter überprüft und ins Raumordnungsverfahren übernommen werden. Der Vorschlag "Bündelung der Bahnstromleitung mit bestehenden Stromleitungen" tauche offiziell auch nirgends auf, lautet ein weiterer Vorwurf des BN-Kreischefs.

Der Schutz von Tieren und Pflanzen ist somit keine freiwillige Leistung der Bahn.

BN-Kreisvorsitzender Peter Zahn

BN-Kreisvorsitzender Peter Zahn

Wie er weiter feststellt, gebe es von der Bahn zum Thema Natur- und Umweltschutz dazu lediglich Absichtserklärungen, wie etwa, dass der Schutz der Natur im Vordergrund stehe und die Zerstörung von Wäldern vermieden werden solle. Da aber völlig unklar sei, wo die Bahnstromleitung gebaut wird, könne niemand sagen, welchen Umfang mögliche Eingriffe haben werden. "Für den damit verbundenen Ausgleich gibt es gesetzliche Regelungen. Diese muss die Bahn einhalten. Der Schutz von Tieren und Pflanzen ist somit keine freiwillige Leistung der Bahn", sagt Zahn.

Er verweist auch auf mehrere Schutzgebiete, die durch die Trassenvariante beeinträchtigt würden: Der Naturpark Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst werde gequert, der Naturpark Hirschwald in Randbereichen berührt. Vier Landschaftsschutzgebiete (LSG) seien betroffen und zahlreiche kartierte Biotope im Gesamtstreckenverlauf.

"Die gravierenden Eingriffe im Lehental verändern den Charakter des Schutzgebietes erheblich und widersprechen dem besonderen Schutzzweck des Naturparks. Daher ist diese Eingriff zu verbieten. In den LSG sollen Natur und Landschaft besonders geschützt werden. Eine Bahnstromtrasse leistet dazu keinen besonderen Beitrag. Auch wenn Biotope überspannt werden und Eingriffe damit nicht so dramatisch ausfallen, kann man sagen, dass sich die ökologische Situation eines Biotops nicht verbessern wird."

Massive Beeinträchtigung

Die DB-Trassenvariante müsse aus Sicht des Natur- und Umweltschutzes wegen massiver Beeinträchtigung der hier wohnenden Menschen, der Zerstörung von Lebensräumen lokaler Tier- und Pflanzenpopulationen und den sich daraus ergebenden nicht ausgleichbaren Eingriffsfolgen ebenso kategorisch abgelehnt werden.

Unabhängig davon, wo die Bahnstrom-Trasse verläuft, kommt es nach Auffassung von BN-Kreisvorsitzendem Peter Zahn immer zu nicht ausgleichbaren Eingriffen: „Bei der Querung des Lehentals ergeben sich dramatische und dauerhafte Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes. Auch wenn die Leitung über Felder und Wiesen verläuft, kommt es zu einer Belastung des Landschaftsbildes. Die betroffenen Anwohner werden täglich damit konfrontiert und müssen das künftig dauernd ertragen“, warnt der Umweltschützer. Auch wenn der Umfang der notwendigen Wald-Eingriffe noch nicht genau bestimmt werden könne, sei zu berücksichtigen: Es müssten Waldflächen im zweistelligen Hektarbereich ersetzt werden.

Schwierige Suche

„Es wird sehr schwer werden, so große Flächen für diesen Ausgleich im Landkreis zu finden. Wenn dann irgendwo im gleichen Naturraum, ausreichend große Aufforstungsflächen gefunden werden, ist es sehr fraglich, ob sich unter den aktuellen Wetterbedingungen ein funktionsfähiger Wald überhaupt entwickeln kann“, gibt Zahn zu bedenken.

Durch Schutzmaßnahmen sollen Vögel vor Stromschlägen an Masten geschützt werden. Was nütze es aber einem Greifvogel, wenn er den Abflug von einem Masten sicher übersteht, sich dann aber in den Leitungsseilen verfängt und abstürzt ? Der vorgesehene Bau der Leitung durch den Landkreis Amberg-Sulzbach hinterlasse somit bleibende, nicht ausgleichbare Eingriffsfolgen.

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