Sulzbach-Rosenberg
18.12.2019 - 15:53 Uhr

Im Capitol den Begriff "Heimat" zerfleddert

Heimat, eine Besichtigung des Grauens, nennt sich das Programm, mit dem das Literaturarchiv in das Capitol eingeladen hatte. Vielleicht hatte der Titel potentielle Interessenten von einem Besuch abgehalten, der Saal war dürftig besetzt.

von mfh
Der Autor, Publizist und Dramaturg Thomas Ebermann (links) und sein Mitstreiter Thorsten Mense, ein freiberuflicher Soziologe, Journalist, Autor und Filmvorführer. Bild: mfh
Der Autor, Publizist und Dramaturg Thomas Ebermann (links) und sein Mitstreiter Thorsten Mense, ein freiberuflicher Soziologe, Journalist, Autor und Filmvorführer.

"Es ist ein Anti-Heimatabend." So beschreibt Autor Thomas Ebermann das fast dreistündige Geschehen, das er zusammen mit seinem Mitstreiter Thorsten Mense im Capitol darbietet. Ein Zusammenschnitt verschiedener Lieder aus allen Genres der Musik mit dem Thema Heimat als Inhalt oder einer mehr oder weniger starken Glorifizierung des Wortes stimmte auf den Abend ein. Heimat sei das Grundrauschen der Rechten, sagte Ebermann und wiederholte sein Credo in vielen Varianten an diesem Abend. Als Beweis analysierte er akribisch Texte, Reden und Aussagen von Personen des öffentlichen Lebens. Ja, er sezierte die Sätze regelrecht mit analytischer Gewissenhaftigkeit bis sie ins linke Schema des Vortrags passten.

Das Wort Heimat wird mittlerweile von Aussagen aller Parteien belegt, hieß es. Gemäß einer Forsa-Umfrage ist für 85 Prozent der Deutschen das Gefühl heimatlicher Verbundenheit persönlich wichtig. Für 92 Prozent ist der Begriff Heimat wichtig. Dabei ist für Ebermann die heimatliche Glorifizierung ein Kriegstreiber. Er sagte, Heimat sei eine geographische Abgrenzung, für die man auch bereit sei, sie zu verteidigen. Ja, er ging sogar soweit, nachdem die Begrifflichkeit im Wandel der Zeit erklärt wurde, eine männliche Inanspruchnahme und eine daraus resultierende Macht des Mannes über die Frau hinein zu interpretieren. Er begründet seine These, dass der Mann über die Heimat bestimme, deren Artikel ja eindeutig weiblich ist.

Im Streitgespräch mit Mense oder auch allein über das für eine Nachrichtensendung typische Vortragen von Fakten wurden Beispiele und Beweise ermittelt, inwieweit die Rechte bereits den Heimatbegriff in ihrer Propaganda wieder "vergewaltigt" habe.

Ebermann und Mense polemisierten und polarisierten. Aber sie motivierten auch, über das eigene Heimatempfinden und den vielleicht schon lange verwurzelten Standpunkt nachzudenken.

 
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