23.01.2020 - 11:31 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Denkanstöße zum Umgang mit Plastik

Plastik ist nützlich und wird gebraucht. Plastik ist aber auch zur Gefahr für Mensch und Tier geworden: Mit Fakten und Bildern schockiert Julia Möller beim Frauenfrühstück des Bauernverbands.

Julia Möller zeigt beim Landfrauenfrühstück den Nutzen, aber auch die Belastung von Plastik und Mikroplastik auf.
von Helga KammProfil

"Es wird immer gut angenommen", kommentiert Brigitte Trummer den Ansturm beim Wulfen in Kauerhof. Rund 130 Frauen aus dem nördlichen Landkreis lassen sich ein köstliches Frühstück schmecken. Ihnen wünscht die Kreisbäuerin fürs neue Jahr "alles, was Sie glücklich macht und nichts, was Sie verzweifeln lässt".

Beides, nämlich Nutzen und Belastung, umfasst auch das Thema des Tages. Julia Möller, Umwelt-Ingenieurin und Doktorandin an der Uni Bayreuth, spricht sachlich über Plastik und Mikroplastik, ohne erhobenen Finger, aber mit Daten und Bildern, die erschrecken. Als "Stoff der tausend Möglichkeiten" bezeichnet sie Plastik, als "erfolgreichste Erfindung des 20. Jahrhunderts". Seit ab den 1950er Jahren nach und nach Cellophan, Nylon, Teflon, PET und Polypropylen erfunden wurden, stieg die Produktion steil an. "360 Millionen Tonnen Plastik wird jedes Jahr neu produziert", so Möller, " davon 61,8 Millionen Tonnen in Europa."

Medizin, Technik und insbesondere die Verpackungsindustrie nutzen die Vorteile von Plastik, in vielen Einsatzbereichen kann nicht mehr darauf verzichtet werden. Das Problem aber ist die Entsorgung. Zwei Drittel des Plastikmülls, zeigt die Referentin auf, werden verbrannt, ein Drittel recycelt, teils im Ausland, teils in deutschen Wiederverwertungsanlagen. Beides sei umstritten. "Deutschland ist nach den USA und Japan der drittgrößte Plastikmüll-Exporteur, liefert in den Osten und in Länder der Dritten Welt." Dort, so schildert die Referentin anhand dramatischer Bilder, liege der Müll auf offenen Halden, zersetze sich und belaste die Umwelt.

Deutschland ist nach den USA und Japan der drittgrößte Plastikmüll-Exporteur, liefert in den Osten und in Länder der Dritten Welt.

Julia Möller, Umwelt-Ingenieurin und Doktorandin an der Uni Bayreuth

Die Zersetzung von Plastik zu Mikroplastik findet überall auf der Welt statt, im Meer, in der Luft, in Flüssen und im Boden. "Selbst im arktischen Eis, einem See in Tibet und auf unbewohnten Inseln wurde Mikroplastik gefunden", so die Expertin. Viele Organismen nähmen diese Partikel auf, die Nahrungskette reiche vom Wasserfloh bis zum Menschen. Bei Fischen und Vögeln werde unverdauliche Mikroplastik im Magen-Darm-Trakt festgestellt: "Sie verhungern bei vollem Magen."

Auf zahllosen Gebieten wird die Umwelt durch Mikroplastik belastet. Den Abrieb von Autoreifen, vom Asphalt, ja selbst von den Schuhsohlen zählt die Umweltingenieurin dazu. Auch das Waschen von Kunststoff-Textilien fällt darunter. Bei jeder Wäsche würden um die 700 000 Fasern freigesetzt. "Das landet dann im Klärschlamm, letztendlich auf den Äckern". Und was im Jahr auf die Äcker verbracht wird, ergebe die unglaubliche Zahl von 35 Milliarden bis 2,2 Billionen Partikel.

Einiges könne getan werden, appelliert die Referentin an ihre Zuhörerinnen. Dass Menschen Plastikverpackungen achtlos auf die Straße werfen, dass der Handel verdorbenes Obst samt Plastikverpackung in den Container kippt, dass Kosmetika mit Mikroplastik gekauft werden und der Müll in der Biotonne nicht ordentlich getrennt wird, müsse nicht sein. Auch den bewussten und nachhaltigen Erwerb von Kleidung, Handys und Gebrauchsgegenständen zählt sie dazu. Es gebe Beispiele, die Hoffnung machen - wenn die Firma Frosch zum Beispiel ihre Verpackungen aus hundert Prozent Altplastik herstelle und dafür kein Patent anmelde, um anderen Produzenten die gleiche Möglichkeit zu eröffnen.

Julia Möller zeigt beim Landfrauenfrühstück den Nutzen, aber auch die Belastung von Plastik und Mikroplastik auf.

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