11.05.2021 - 15:56 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Das Ende des Ramadans unter Corona-Bedingungen

Am Mittwoch endet für Muslime die 30-tägigen Fastenzeit. Normalerweise wird dann im großen Kreis gefeiert, aber durch Corona ist heuer wieder alles anders.

Mit dem dreitägigen Fest endet für viele Muslime ihre Fastenzeit, der Ramadan. Nach dem Besuch der Moschee wird normalerweise im Verwandten- und Freundeskreis gefeiert und gegessen. Doch durch Corona ist alles anders.
von Mareike Schwab Kontakt Profil

Das Ende des Ramadan ist für gläubige Muslime ein sehr wichtiger Festtag. Normalerweise treffen sich an diesem Tag Familie, Freunde und Bekannte und feiern ausgelassen das Ramadanfest. Das zweite Jahr in Folge kann in Deutschland aber nur im kleinen Rahmen gefeiert werden. Denn Corona schränkt die Feierlichkeiten deutlich ein.

Auch Bassam Haidar aus Sulzbach-Rosenberg hat wie jedes Jahr 30 Tage zwischen April und Mai gefastet. „In diesem Jahr hat der Ramadan am Dienstagabend, 13. April, begonnen und endet am Mittwochabend, 12. Mai“, erklärt der gebürtige Syrer. Je nach Land und Region werden am Ende der Fastenzeit bis zu drei Tage gefeiert. „Türkische Muslime nennen diese Festtage auch Zuckerfest“, sagt Haidar. Ähnlich wie an Weihnachten im Christentum bekommen die Kinder bei dem Fest neue Kleidung, Geld oder Geschenke und die ganze Familie kommt zusammen. Dieses Jahr feiert der 39-Jährige allerdings coronabedingt nur virtuell. „Ich darf mich nur mit einem weiteren Haushalt treffen. Vielleicht kommt mich Abends ein Kumpel besuchen“, sagt er . Trotzdem wird bei ihm das Fest nicht ganz ausfallen.

Bassam Haidar beim Fastenbrechen. Dieses Mahl wird im Islam als Iftar bezeichnet.

In Syrien wird gefeiert

Bassam Haidar hat sich mit seinen Freunden und der Familie telefonisch oder per Videoanruf verabredet. Seine Verwandten in Syrien können dieses Jahr das Fest des Fastenbrechens trotz Corona groß feiern. Denn dort sei die Coronalage nicht mehr so schlimm. „Die Grenzen sind gesperrt und es gibt keine Reisen und keine Flüge. Das hat Corona deutlich eingedämmt“, sagt Haidar.

Aber nicht nur das Ramadanfest wird groß gefeiert, auch während der Fastenzeit treffen sich Muslime gerne zum gemeinsamen Abendessen. Denn während der 30 Tage darf von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder gegessen noch getrunken werden. „Rauchen, Alkohol und Geschlechtsverkehr sind in dieser Zeit ebenfalls verboten“, ergänzt Haidar. Normalerweise würde sich der 39-Jährige nach Sonnenuntergang mit seinen Freunden treffen zum Fastenbrechen. Doch auch hier machten ihm Corona und die Ausgangsbeschränkungen einen Strich durch die Rechnung. Wenigstens könne er sich so besser auf den eigentlichen Grund für Ramadan konzentrieren. „Im Fastenmonat soll man sich wie ein armer Mensch fühlen. Man soll spüren, wie es sich anfühlt, nichts zu Essen und nichts zu Trinken zu haben. Man muss Geduld lernen und auch mal die Routine brechen“, erklärt Haidar. Außerdem sei das Fasten auch für den Körper gesund. „Alles Schädliche wird aus dem Körper gespült.“

Damit es für den Magen beim Fastenbrechen bekömmlicher ist, hat Haidar auch eine Tipp: „Man beginnt mit einem Glas Wasser und drei Datteln. Wie es der Prophet Mohammed gemacht hat. Dann macht man fünf Minuten Pause. Im Anschluss gibt es Salat oder Suppe und erst danach die Hauptspeise wie Reis oder Kartoffeln.“ Wenn man gleich viel isst, sei es nicht gut für den Magen. „Die Reihenfolge ist keine Pflicht, aber so fühle ich mich besser“, erklärt er. Generell gibt es beim Ramadan immer verschiedene Gerichte. Das sei von Familie zu Familie unterschiedlich. „Manchmal beginnen die Menschen auch mit etwas Weißem. Sie begrüßen den Ramadan am ersten Tag mit beispielsweise Joghurt“, erklärt der Syrer.

Nicht an das Klima gewöhnt

Vor drei Jahren ist dem 39-Jährigen das Fasten sehr schwer gefallen, gesteht er. „Die Sommer waren in Deutschland sehr heiß. Wir waren auch ganz neu in Deutschland und noch nicht an das Klima gewöhnt.“ Die Fastenzeit richte sich immer nach dem Mond. Sie verschiebt sich immer um zehn bis elf Tage. Deshalb war Ramadan vor drei Jahren im Sommer. Nächstes Jahr freue er sich vor allem darauf, dass das Fest früher stattfindet. „Wenn Ramadan im Winter ist, müssen wir nicht so lange auf den Sonnenuntergang warten. Wir können schon um 20 Uhr etwas essen“, sagt Haidar. In drei Jahren sei Ramadan sogar noch früher. „Da können wir, dann schon um 18 Uhr essen.“ Im Sommer sei es schon immer sehr schlimm. Da ist es dieses Jahr schon besser“, sagt der 39-Jährige. Mittlerweile sei Fasten für ihn auch in Deutschland gar kein Problem mehr. Haidar arbeitet als Paketbote in Sulzbach-Rosenberg und ist somit auch unter dem Tag körperlich gefordert. Doch das macht ihm nichts mehr aus: „Knapp 21 Stunden ohne Essen und Trinken ist schon eine lange Zeit. Aber auch wenn andere Leute neben mir essen, ist das kein Problem für mich.“ In Syrien gibt es auch Christen, die in dieser Zeit nicht fasten. Die Verlockungen und guten Gerüche auf der Straße sei er deshalb schon gewöhnt.

Oft wird kritisiert, dass es sehr ungesund sei, den ganzen Tag nichts zu trinken. Vor allem im Sommer. Diese Kritik kann der Syrer verstehen, es sei aber alles Gewohnheitssache. Mit sechs Jahren hat Bassam Haidar den Ramadan das erste mal bewusst miterlebt. Als Kind fiel es ihm natürlich noch schwerer. Sein Vater habe ihn deshalb langsam an die Tradition herangeführt. „Wenn das Kind einen ganzen Tag nicht durchhält, kann es auch nur den halben Tag fasten. Von Morgendämmerung bis zwölf Uhr oder ab Nachmittag“, sagt Haidar. „Ab zehn ist das Fasten bei uns Pflicht. Aber wenn deine ganze Familie fastet, auch deine Geschwister, ist es einfacher. Wenn dann alle Abends zusammen sitzen und Fastenbrechen, dann hast du das Gefühl, dass du mit dazugehörst.“

Fastentage nachholen

Es gibt aber auch Ausnahmen, erklärt Haidar: „Alte, Kranke oder schwangere Frauen müssen nicht fasten“. Allerdings komme es immer auf die Krankheit an. Wer nur einen Tag aussetzt, muss den Tag nach dem Fastenbrechen nachholen. „Frauen mit Monatsblutungen müssen in dieser Zeit auch nicht mitmachen“, ergänzt der 39-Jährige. Aber auch hier müssen die Fastentage hinten angehängt werden. Das gleiche gilt für Menschen auf langen Reisen. „Ohne Grund darf man nicht aussetzen. Für mich ist es wie ein Gesetz, an das man sich halten muss“, sagt Haidar. Es gäbe aber auch die Möglichkeit für Menschen in diesen besonderen Lebenslagen, vor Beginn der Fastenzeit Geld an Arme zu spenden. Der Gedanke an die arme Bevölkerung zieht sich wie ein roter Faden durch den Fastenmonat. Denn auch drei Tage vor dem großen Fastenbrechen geben Muslime Geld an die Armen, damit die sich etwas zu essen kaufen können und neue Kleidung für das Fest. Er schicke sein Geld nach Syrien. „Es geht darum den Armen eine Freude zu machen“, sagt der Syrer.

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Hintergrund:

Ramadan

  • Das Fest des Fastenbrechens, Ramazan Bayrami, wird bis zu drei Tage lang gefeiert.
  • In diesem Jahr hat der Ramadan am Dienstagabend, 13.04.2021, begonnen und endet am Mittwochabend, 12.05.2021.
  • Mit dem Zuckerfest danken Muslime Allah dafür, dass sie die Kraft für das Fasten und alle mit dem Ramadan verbundenen religiösen Aufgaben gefunden haben.
  • Der Islam richtet sich nach dem Mondkalender und nicht nach der Sonne und dem Gregorianischen Kalender. Daher hat das islamische Festjahr 354 statt 365 Tage.
  • Der Ramadan verschiebt sich um zehn oder elf Tage pro Jahr nach vorn und durchläuft so allmählich alle Jahreszeiten.

 

 

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