24.07.2020 - 14:27 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Erfahrungen als Lehrer in Tansania: "Das sag ich deiner Mutter ..."

Seine blonden Haare erinnern die tansanischen Schüler an einen Löwen. Deshalb geben sie Simon Mehlhorn den Namen "Simba" (Löwe). Der 19-Jährige aus Sulzbach-Rosenberg war für drei Monate als Lehrer in Arusha tätig.

von Andreas Royer Kontakt Profil

Schon lange vor seinem Abitur, das er 2019 am HCA-Gymnasium baute, war für Simon Mehlhorn klar, dass es nicht gleich mit dem Studium weitergehen soll. Eine Auszeit sollte zunächst den Horizont erweitern, ein Aufenthalt in Afrika stand ganz oben auf der Liste. Fündig wurde der junge Mann schließlich im Internet bei der Privat-Organisation "Projects Abroad", die weltweit führend in der Vermittlung von Freiwilligen-Arbeit ist.

Lehrer in Arusha

Abenteuerlust, Entdeckerfreude oder ganz einfach um Neues zu erleben, andere Menschen und Kulturen kennenzulernen - all das kam bei dem Sulzbach-Rosenberger zusammen, um eine befristete Stelle als Lehrer in einer Schule in Arusha, der mit gut 400 000 Einwohnern viertgrößten Stadt Tansanias, anzuheuern. Unter seine Obhut kamen schließlich Kinder von zwei bis sieben Jahren, die er in Mathematik, Englisch und Hygieneverhalten unterrichtete.

"Natürlich war ich nicht die ganze Zeit nur als Lehrer eingesetzt. Ich habe zum Beispiel auch beim Aufbau eines Krankenhauses mitgeholfen, Touren zu Land und Leuten unternommen oder bei den Community Days den Austausch mit anderen internationalen Helfern gesucht", berichtet Mehlhorn und lässt dabei erkennen, dass er mit Tansania eine richtige Liebe entdeckt hat, die er sicher wieder einmal besuchen wird.

Er berichtet von rückständiger Infrastruktur, begrenzten Bildungsmöglichkeiten für viele Kinder, tropischen Klimaverhältnissen, von Stromausfällen und vom Handy-Verzicht, was ihm überraschender Weise gar nicht schwer gefallen sei. Auch die Aufnahme in seiner Gastfamilie, die bereits viel Erfahrung mit internationalen Helfern sammelte, sei sehr herzlich gewesen: "Schon nach kurzer Zeit fühlte ich mich wie ein richtiges Familienmitglied. Und was mir auch manche Tür öffnete, war die Tatsache, dass ich mich nach einem Suaheli-Kurs schon etwas mit den Einheimischen verständigen konnte", sagt Simon Mehlhorn. Und schmunzelnd merkt er noch an, dass den etwa 40 Kindern - er unterrichtete die älteste Klasse - weniger seine Löwen-Statur Respekt einflößte, sondern vielmehr der Spruch "Das sag ich deiner Mutter!" Scheinbar ein Indiz für die Strenge der tansanischen Mamas. Alle seine Erlebnisse hat er in einem Tagebuch festgehalten, und vor allem der Kontakt mit anderen Helfern - etwa aus Japan, Kanada, Australien oder Italien - ließ viele öffnende Einblicke zu. Sogar ein Abstecher auf die Insel Sansibar gehörte zum dreimonatigen Aufenthalt mit dazu.

Auf Suaheli verständigt

Als weiteren Pluspunkt machte der Herzogstädter seine Freundschaft mit einem autorisierten Guide aus, der ihm verschiedene Einblicke in die andere Kultur öffnete, was sich vor allem bei Besuchen in einem Massai-Dorf oder bei Safaris sehr positiv auswirkte. Der 19-Jährige erzählt auch von kuriosen Fahrten in einem VW-Elf-Sitzer-Bus - inklusive zweier Ziegen - oder Kontakte mit Eingeborenen, die nur mit sehr wenig Wasser und ohne Strom auskommen müssen. "Es war schon alles supercool", macht er deutlich, dass er sehr stolz auf seine Erfahrungen ist. Dankbarkeit, Lebensfreude, Herzlichkeit und viele Traditionen seien ihm besonders haften geblieben - und auch ein kurzer Krankenhausaufenthalt konnte den positiven Gesamteindruck nicht eintrüben: "Simba, der weiße Löwe" wird wieder zurückkehren.

Bei den Massai

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