16.09.2019 - 17:29 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Erinnerung an goldene Bergbau-Zeiten in Sulzbach-Rosenberg

Geschichte erlebbar machen ist das erklärte Ziel des Stiber-Fähnleins. Am dritten September-Wochenende stellen die Historienfreunde traditionell den Bergbau ins Rampenlicht.

Bürgermeister Michael Göth, Tanja Weiß, die Vorsitzende des historischen Vereins Stiber-Fähnlein, und der stellvertretende Vorsitzende des Bergknappenvereins, Georg Rubenbauer, eröffneten das Fest.
von Redaktion ONETZProfil
Die Bergknappenkapelle überrascht immer mit ihrem bunten Repertoire.
Heiß her geht es in der Schmiede.
Die Kinder freuen sich über aufgemalte Glitzer-Tattoos.
Am Samstag forderte die Band Eire Musik mit irischen Liedern zum Klatschen und Mitsingen auf.

Wenn Mitte September in Sulzbach-Rosenberg mehr als 100 Menschen mit voller Inbrunst das Steigerlied singen, dann ist Stollenfest. Bürgermeister Michael Göth, Vorsitzende Tanja Weiß vom historischen Vereins Stiber-Fähnlein und der stellvertretende Vorsitzende der Bergknappen, Georg Rubenbauer, eröffneten es am Samstag im Beisein zahlreicher Mitglieder des Stadtrates und Vertreter der Auerbacher Bergleute.

Elf Grad kühler Stollen

Bei einem kleinen Schauspiel verwandelte sich Eisenerz symbolisch in Gold. Bergbau und Hüttenindustrie bescherten der Stadt goldene Zeiten. Daran erinnerten die Stollenführungen, die regen Zuspruch fanden. Viele Kinder und Jugendliche fanden die kurze Zeit des Aufenthalts im 11 Grad kalten Stollen abenteuerlich und spannend, waren aber doch froh, das Tageslicht und die wärmende Herbstsonne wiederzusehen.

Aus der renovierten Schmiede klang ständig das Lied des Hammers auf dem Amboss. Bergmann und Schmied sind Berufe, die immer weniger Relevanz auf dem Arbeitsmarkt haben. "In der Geschichte der Stadt spielen die beiden Berufe eine prägende Rolle", erklärte Tanja Weiß. "Umso wichtiger ist es, dass wir für Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene mit pädagogischen Konzepten Geschichte erlebbar machen." Dass dabei alle Sinne angeregt werden, zeigte sich, als die Schmiede angefeuert wurde und sich eine dichte Rauchwolke für kurze Zeit auf das Gelände legte.

Derzeit laufen Überlegungen, die Infrastruktur am Stollen wesentlich zu verbessern. Tanja Weiß: "Mit Kindergärten und Schulklassen werden das ganze Jahr über nicht nur Besichtigungen durchgeführt, sondern auch Aktionen zu diesem Thema. Dabei sind wir auf gutes Wetter angewiesen. Zudem ist die Toilettensituation arg verbesserungswürdig. Ich würde mich freuen, wenn die Ideen von der Stadt so schnell wie möglich umgesetzt werden könnten."

Irische Mitklatschlieder

Warmes Herbstwetter lockte viele Gäste an den Schaustollen. Getränkeausschank und Verpflegungsmannschaft hatten alle Hände voll zu tun. Und das steigerte sich noch, als am frühen Abend die Band Éire Music mit irischen Liedern zum Klatschen und Mitsingen aufforderte.

Traditionsgemäß wurde der Sonntag mit einem Frühschoppen eingeläutet. Am Nachmittag füllte sich das Gelände am Stollen zusehends mit Besuchern. Das Konzert der Bergknappenkapelle war wie immer ein Höhepunkt und gefiel vor allem mit dem vielfältigen Repertoire.

Noch lange klirren Gläser

Gegen Abend waren die Kuchentheke leer, der Bratwurst- und Steak-Vorrat zusammengeschrumpft, die letzte Fischsemmel aus der Kühltheke verschwunden und der Teig für den Stollen-Dotsch restlos verarbeitet. Allerdings hörte man die Gläser noch lange klirren, und nur langsam neigte sich ein Fest dem Ende zu, das an zwei Tagen von der güldenen Herbstsonne geküsst wurde.

ONETZ: Das Stollenfest ist ja eine Reminiszenz an den immer rarer werdenden Beruf des Bergmanns. Sie sind als ehemaliger Bergmann sicher erfreut über den Erfolg des Stollenfestes.

Jupp Rieder: Ich finde es wichtig, dass das Wissen um den Bergbau und den Beruf des Bergmanns weiter gegeben wird. Ich freue mich immer, wenn junge Leute den Schaustollen besuchen und sich dafür interessieren. Meine Aufgabe als Stollenführer habe ich ja schon letztes Jahr an Siegried Scholz weiter gegeben. Er führt sozusagen mein Erbe fort. Der Bergbau ist ja ein wichtiger Teil der Sulzbacher-Rosenberger Geschichte und ich bin froh, dass auf diese Art und Weise Berufe, Traditionen und Schicksale nicht in Vergessenheit geraten.

ONETZ: Das Stollenfest liegt ja jetzt allein in der Verantwortung des historischen Vereins Stiber-Fähnlein.

Jupp Rieder: Schon vor einigen Jahren haben die Stiber die Organisation und Verantwortung für das Stollenfest komplett übernommen. Eine Tradition bei uns Bergleuten war immer der Ausschank von regionalem Bier. Dazu gehört auch das Konzert der Bergknappenkapelle. Die Stiber machen das schon richtig.

ONETZ: Weinkeller der Flick-Villa, Luftschutzbunker und seit vielen Schaustollen. Kann das Areal die schwere Arbeit eines Bergmanns wieder geben?

Jupp Rieder: Hier haben seinerzeit der Bergknappenverein und das Stiber-Fähnlein ganze Arbeit geleistet. Im Schaustollen kann man ahnen, wie schwer die Arbeit untertage war. Die oft stickige Luft lässt sich jedoch nicht simulieren. Und wer es noch genauer wissen will, der soll sich mal acht Stunden im Schaustollen aufhalten.

Tradition Bergbau :

Arbeitsheft für Schüler in Vorbereitung

Das Stiber-Fähnlein und der Bergknappenverein entwickeln derzeit ein Arbeitsheft für Schulen, in dem die Geschichte und Technik des Bergbaus unter pädagogischen Aspekten Kindern und Schülern näher gebracht wird. Das Interesse von Seiten der Schulen im Landkreis ist entsprechend groß. Das Heft in Verbindung mit einer Stollenführung macht das Erlebnis Bergbau zu einem wichtigen Punkt der Unterrichtsgestaltung zum Thema Heimat- und Sachunterricht. Noch sind die Initiatoren des Arbeitsheftes auf der Suche nach einer tragfähigen Finanzierung des Projektes.

Aktuell und Wissenswert

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