15.03.2019 - 16:59 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Feierliches Gelöbnis im Rathaussaal

Es ist die erste Gelöbnisfeier der Bundeswehr in der Stadt: 16 junge Soldaten des Logistikbataillons 472 aus Kümmersbruck geben im Sulzbach-Rosenberger Rathaussaal öffentlich das Versprechen, Deutschland treu zu dienen.

Feierliches Gelöbnis der 16 Rekruten des Logistikbataillons 472 im Sulzbacher Rathaussaal: Eine Angehörige reiste sogar 530 Kilometer an, um hier dabei sein zu können.
von Tobias GräfProfil
Der Kommandeur, Oberstleutnant Alexander Kolb, sprach zu den Rekruten

Es war ein Bild, wie es sich sonst in Sulzbach nicht bietet: Feldjäger regelten den Verkehr, Geländefahrzeuge in Tarnfleck belegten die Parkplätze in Alt- und Neustadt, Wachposten mit Sturmgewehr flankierten den Rathaus-Eingang. Anlässlich des ersten feierlichen Militär-Gelöbnisses in Sulzbach-Rosenberg seit dem Zweiten Weltkrieg versammelten sich rund 180 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Rathaussaal.

Gemeinsam mit den Angehörigen verfolgten sie, wie 14 Rekruten und zwei Zeitsoldaten des Logistikbataillons 472 ihr Treuebekenntnis ablegten. Nach einem Gottesdienst mit Militärpfarrer Franz Schneider aus Neuburg an der Donau, der in St. Marien zum "Wir-Gefühl" unter Soldaten predigte, betonte Bürgermeister Michael Göth in seiner Rede die langjährigen Verbindungen der Stadt zur Bundeswehr.

Obwohl Sulzbach-Rosenberg keine Garnisonstadt ist, sei man der Truppe bereits seit 1964 über Patenschaften zu Minensuch- und Jagdbooten der Marine eng verbunden, so der Gastgeber. Als "wichtiger Teil unserer Gesellschaft" hätten sich die Soldaten auch durch den Hilfseinsatz während der jüngsten Schneekatastrophe "Hochachtung und Sympathie" erworben.

Nur 14 Rekruten

Eine persönliche Note erhielt der Festakt, als Schütze Michelle Knaub als Vertreterin der Rekruten von der gemeinsamen dreimonatigen Grundausbildung im Winterquartal berichtete. "Bei Minus zehn Grad, eingefrorenen Zehen und vollkommener Erschöpfung" im Biwak zeige sich der wahre Wert von Kameradschaft, sagt die junge Soldatin. Mit vollem Marschgepäck im Gelände wünschten sich viele zurück in den Theorieunterricht. Diese Momente hätten zusammengeschweißt, erläutert Knaub, die alleine den Frauenanteil im Lehrgang stellte. Dass im Vergleich zu früheren Jahrzehnten die Anzahl der Rekruten inzwischen auf "lediglich 14" gesunken sei, sieht auch der Chef der 472er, Oberstleutnant Alexander Kolb, kritisch. Dies sei der Grund, warum man dem Rathaus den Vorzug gegenüber einem Appell in der Öffentlichkeit gegeben habe. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erklärte er, dass die "Kapazität des Grundausbildungszugs von 36 Soldaten nicht ausgelastet" war. Obwohl Kolb daraus keinen "allgemeinen Trend" ableiten will, bedeute dies schon, dass das "Personal irgendwann fehlt, wenn die Soll-Stärke über Jahre nicht erreicht wird". "Den Soldatenberuf muss man auch leben wollen, mit all seinen Vor- und Nachteilen", sagt der Stabsoffizier unter Verweis auf die starke Konkurrenz von Polizei und Wirtschaft.

Wichtig ist dem Kommandeur die Verbundenheit des Bataillons zur Bevölkerung. In vielen Regionen Deutschlands sei der Kontakt zur Truppe verlorengegangen, Soldaten würden mit Desinteresse oder Ablehnung konfrontiert. Bayern und "insbesondere" die Oberpfalz seien davon jedoch ausgenommen: "Nirgendwo könnten wir besser in die Gesellschaft eingebunden sein als hier", lobt Kolb die Beziehung.

"Private Ryan" als Vorbild

Mit Blick auf das Leitbild des "Staatsbürgers in Uniform" sei dies entscheidend. Im Gegensatz zur Wehrmacht hätten Soldaten der Bundeswehr heutzutage eigenverantwortlich zu handeln und dabei demokratischen Werten zu folgen. Wie im bekannten US-Kriegsfilm "Saving Private Ryan" ginge es dabei nicht um blinden Befehlsgehorsam, sondern um reflektierte Auftragserfüllung, erklärt der Oberstleutnant.

Das Gelöbnis wurde von einem Ensemble des Heeresmusikkorps Veitshöchheim unter Leitung von Hauptfeldwebel Valerie Henning musikalisch begleitet. Der offizielle Festakt endete zu den Klängen von Bayern- und Nationalhymne, im Anschluss folgte ein Stehempfang.

Info:

Freiwilliger Wehrdienst

Seit Aussetzung der Wehrpflicht 2011 können Männer und Frauen mindestens sieben, jedoch maximal 23 Monate freiwillig Wehrdienst leisten. Am Ende ihrer dreimonatigen allgemeinen Grundausbildung legen diese sogenannten „FWDler“ ein feierliches Gelöbnis ab – innerhalb der Kasernen oder öffentlich, um die Integration der Bundeswehr in die Gesellschaft zu unterstreichen.

Der gemeinsam gesprochene Gelöbnistext lautet: „Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen (so wahr mir Gott helfe.)“ Bei Soldaten auf Zeit, die sich länger verpflichten, wird mit „Ich schwöre“ eingeleitet.

Kommentar:

Begehrte Rekruten

Die Bundeswehr kämpft. In den Einsatzgebieten, aber auch zu Hause. Um Attraktivität. Um Ansehen und Wertschätzung. Um Nachwuchs. Bis 2024 will das Verteidigungsministerium einen Aufwuchs der Truppe auf 203 000 Männer und Frauen erreichen. Doch wie diese „Trendwende“ erreicht werden soll, ist unklar. Die Zahl an Bewerbern und Diensteintritten ist dramatisch gering. Seit 2016 sinken die Zahlen kontinuierlich.
Wer sich noch zum gefährlichen Dienst an der Waffe verpflichtet, empfindet sich laut einer neuen Studie als nicht ausreichend anerkannt. Nur acht bis zehn Prozent der Einsatzrückkehrer fühlen sich von Gesellschaft und Politik ausreichend wertgeschätzt.
Vor diesem Hintergrund ist es begrüßenswert, dass Stadt und Bürgermeister den Rathaussaal für ein öffentliches Gelöbnis zur Verfügung stellen. Sie bekennen sich somit zu „ihrer“ Parlamentsarmee und den „Bürgern in Uniform“. Auch, wenn es nur noch 14 Rekruten sind – die zum Ausdruck gebrachte Botschaft ist klar: Wir stehen hinter Euch, die Bundeswehr hat im Landkreis ein Zuhause mit Rückhalt.

Tobias Gräf

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