23.09.2020 - 17:30 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Fernwärme macht Öl überflüssig

Das Biomasse-Heizkraftwerk in Sulzbach-Rosenberg kann mit der erzeugten Wärme 2500 Wohnungen mit Heizenergie versorgen, ebenso alle Haushalte der Stadt mit dem erzeugten Strom. Und nebenbei spart es der Stadt 36 000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Der Doppelstrang der Fernwärme erreicht vom Eichelberg aus immer mehr Stadtteile – jüngst sogar Erlheim.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Wie steht es um die Fernwärmeversorgung der Stadt, die schon öfter in unruhigem Fahrwasser war? Der Stadtrat lauschte interessiert den Ausführungen von Michael Jakuttis. Der Sulzbach-Rosenberger ist Kraftwerksleiter des Biomasse-Heizkraftwerks der Danpower-Gruppe, einem mittelständisch strukturierten Wärmeversorgungs- und Contracting-Unternehmen mit Hauptsitz in Potsdam.

"Wir sind eine 100-prozentige Tochter der enercity AG, dem kommunalen Versorgungsunternehmen der Stadt Hannover", schickte der Betriebsleiter voraus. In den rund 500 Anlagen verschiedenster Art der Gruppe werden zu 75 Prozent regenerative Energien eingesetzt. Im Portfolio finden sich auch die beiden Frischholz-Kraftwerke Pfaffenhofen an der Ilm und Sulzbach-Rosenberg, die Jakuttis beide leitet. "Am Eichelberg wird ausschließlich Landschaftspflegeholz aus der Region (rund 50 Kilometer Umkreis) eingesetzt aus Rodungen und Pflegemaßnahmen an Straßen, Trassen, Wegen, aus Truppenübungsplätzen und so weiter", beschrieb der Experte. 36 500 Tonnen trockenes Holz liefere pro Jahr 25 Gigawattstunden Wärme und 33 Gigawattstunden Strom, 18 Mitarbeiter sorgten für reibungslosen Ablauf.

Viel investiert

Mehrere Millionen Euro habe die Gesellschaft schon investiert in der Stadt, darunter 2,5 Millionen für den jüngsten Trassenabschnitt Realschule, eine Brennstoffhalle und laufend in die Kraftwerkstechnik: Verbessert wurden Wirkungsgrad, Abwärmenutzung, Verfügbarkeit, Stromeinspeisung, Anlagen-Effizienz und Brennstoffqualität.

Bestens bekannt aus dem Straßenverkehr sind die Fernwärme-Baustellen, an denen Sanierungen und Erneuerungen am Doppelstrang vorgenommen werden. Aktuell seien rund 110 Abnehmer angeschlossen, das Anschlusspotenzial für die gesamte Trasse liege noch bei rund fünf Megawatt. Beim neuen Abschnitt Realschule/Stadtgärtnerei sei erst die Hälfte der zwei Megawatt verplant.

Im Ausblick legte der Geschäftsführer dar, dass sich Danpower spätestens 2023 an der EEG-Ausschreibung zur Verlängerung der Förderung bis 2036 beteiligen werde. Im Werk selbst stehe die Optimierung des Luftkondensators zur Erhöhung der Turbinenleistung im Sommer an. Größere Netzausbauten seien derzeit nicht geplant, jedoch laufe die Netzverdichtung zur Erhöhung der Fernwärme-Anschlussleistung an bestehenden Trassen.

Betriebsleiter Michael Jakuttis

Individuelle Lösungen

Fragen der Stadträte bezogen sich auf die Anlieferung des Brennstoffes (nur regional) und die Möglichkeit für Privatleute, an die Fernwärme anzuschließen. Dies könne man nur individuell berechnen, meinte Jakuttis, es komme auf den Standort an. "Mögliche Anfragen zum Fernwärmeanschluss prüfen wir gerne." Man sei aber auch offen für Blockheizkraftwerk-Lösungen und Nahwärmenetze in Neubaugebieten.

Joachim Bender (SPD) bilanzierte schließlich: "Wir sind froh, dass der Stadtrat damals an der wegweisenden Entscheidung für die Fernwärme festgehalten hat."

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Sulzbach-Rosenberg
Info:

Deutliche Einsparungen bei der Stadt

Viele städtische Liegenschaften sind an die Fernwärmeversorgung angeschlossen. Bei einigen ergaben sich im Zeitraum von 2011 bis 2019 deutliche Einsparungen. Hier ein Überblick: Jahnschule 36,3 %, Waldbad 39,6 %, Pestalozzi-Schule 59,1 %, Krötensee-Schule 8,8 %, Gesamt 1419 MWh.

Die Reduzierung des Wärmebedarfs der städtischen Liegenschaften um rund ein Drittel führt Danpower-Geschäftsführer Michael Jakuttis auf die energetische Sanierung der Jahn- und Pestalozzi-Schule sowie die neue Beckenabdeckung im Waldbad zurück. Trotz Energiemaßnahmen der Abnehmer insgesamt verzeichnet Danpower eine Erhöhung der gelieferten Wärmemenge von 15 351 MWh in 2011 auf 17 227 MWh im Jahr 2019. Das liegt laut Michael Jakuttis an der gestiegenen Zahl von Abnehmern. – es sind nun mehr als 110. Die größten Posten in der Liste sind die Bereitschaftspolizei, der Landkreis und die Stadt mit ihren Liegenschaften. Der Betriebsservice und die Buchführung für die Fernwärme laufen übrigens über die Stadtwerke Sulzbach-Rosenberg.

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