28.06.2019 - 13:32 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Feuer und Flamme für den Handwerksberuf

Der Fachkräftemangel schlägt im Handwerk durch. Lehrlinge kommen erst gar nicht, Fachkräfte gehen. So will die SHK-Innung Amberg-Sulzbach gegensteuern.

Detailarbeit bei der Endmontage: Das Ausrichten der Armaturen und Seifenspender.
von Alexander Rädle Kontakt Profil

Wenn Sie die Leute ordentlich behandeln, dann bleiben sie auch.

Dietmar Lenk, Innungsobermeister der SHK-Innung Amberg-Sulzbach.

Dietmar Lenk, Innungsobermeister der SHK-Innung Amberg-Sulzbach.

Wie kann ich meine Leute halten? Und wie kann ich neue Kräfte finden? Zwei wesentliche Fragen, die in Zeiten des Fachkräftemangels viele Unternehmer umtreibt. Besonders stark betroffen sind Handwerksmeister. Deren Betriebe leiden insbesondere darunter, dass Handwerksberufe zumeist als wenig attraktiv angesehen werden und als schlecht bezahlt gelten.

Die Innung für Spengler, Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik (SHK) im Kreis Amberg-Sulzbach verfolgt einen vielfältigen Ansatz. Innungsobermeister Dietmar Lenk berichtet von vielen einzelnen Punkten, deren Umsetzung die Innungsbetriebe als wichtig erachten, um wieder mehr junge Leute für das Handwerk zu begeistern. Eine bessere Bezahlung ist da nur ein Punkt - wenn auch ein gewichtiger.

Erfolgsprämie

Deutlich mehr Geld etwa erhalten Lehrlinge ab dem 1. September 2019 - plus Leistungszulage. Ein Novum im Handwerk. Bringt der Auszubildende einen Einser oder einen Zweier aus der Berufsschule mit, bekommt er 100 Euro. Reicht es noch zu einem Dreier, schlägt der Betrieb immerhin noch 50 Euro aufs Gehalt drauf. "Das ist gemacht worden, um der Industrie entgegenzuwirken", erklärt Lenk. Der Hintergrund: Auf viele Schulabgänger wirken Berufe in der Industrie attraktiver, auch wegen der oftmals höheren Vergütungen und Löhne.

Wenn es nach der Innung geht, soll die Bezahlung künftig kein Argument mehr gegen das Handwerk sein. "Die Betriebe sind gut beraten, die Mitarbeiter im oberen Bereich der Gehaltstabelle zu halten", betont der Obermeister. Derzeit verdient ein Jungmonteur laut Tarif bei einer 40-Stunden-Woche 2424 Euro im Monat. Ein erfahrener Heizungsmonteur der Stufe A bekommt rund 3200 Euro im Monat plus Weihnachts- und Urlaubsgeld. Insgesamt kommen so fast 13 Monatsgehälter zusammen, rechnet Lenk vor. Soweit sie in der Innung sind, "halten sich die meisten Kollegen an diese Tarifverträge", sagt Lenk.

Moderne Werkzeuge

Doch eine gute Bezahlung ist nicht alles. Auch an den "Softskills" arbeiten die Heizungsbauer. "Wenn Sie die Leute ordentlich behandeln, dann bleiben sie auch." Soll heißen: Das Betriebsklima ist wichtig. "Die Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen, sie sollen nicht mit Unmut in die Arbeit gehen", sagt Lenk. Er hält es für wichtig, auf die Wünsche der Mitarbeiter einzugehen und für ihre Probleme offen zu sein.

Denn im Gegenzug stehen die Beschäftigten ja auch für Not- und Bereitschaftdienste nachts und an den Wochenenden zur Verfügung, wenn zum Beispiel bei einem Kunden im Winter bei minus 20 Grad die Heizung streikt. Ein vernünftiger Umgang, eine faire Entlohnung - für Lenk ist das ein wichtiger Ansatz, will das Handwerk sein Fachkräfteproblem in den Griff bekommen. "Alle müssen so denken. Weil sonst der Markt die Probleme löst."

Losgehen muss das schon bei den Lehrlingen. Für sie organisieren die Innungsbetriebe deshalb zum Beispiel einen betriebsübergreifenden Go-Kart-Wettbewerb. Und auch die Art, wie Auszubildenden etwas beigebracht wird, ist bedeutsam: Sie bei Fehlern zu schimpfen, sei nicht der richtige Weg. Lieber sollten Gesellen die Azubis schon relativ viel selber machen lassen. Das stärke das Vertrauen und gebe den jungen Leuten die Möglichkeit sich zu öffnen. Denn für viele Jugendliche, die gerade aus der Schule gekommen sind, ist das Arbeitsleben, in dem sie erstmals nahezu ausschließlich mit Erwachsenen zu tun haben, völliges Neuland. "Da ist es wichtig, Hemmschwellen abzubauen und sie nicht einzuschüchtern." Wird nun also im Handwerk die viel gefürchtete Wohlfühlzone ausgerufen? Nein. Denn schlussendlich geht es natürlich trotzdem um die Arbeit. Wobei auch diese Möglichkeiten zur Optimierung bietet. "An Betrieben, in denen mit modernen Werkzeugen gearbeitet wird, haben Lehrlinge ein größeres Interesse", berichtet Lenk. Der Nachwuchs hat da durchaus den direkten Vergleich: In der Berufsschule reden die Azubis natürlich miteinander über die Ausstattung im Lehrbetrieb. Geräte auf dem Stand der Technik zu besitzen, kommt Handwerksbetrieben dabei gleich doppelt zugute: Mit gutem Werkzeug lässt sich rationeller arbeiten - wovon letztlich Firma und Kunden profitieren.

So verhält es sich auch mit den im Handwerk weit verbreiteten und zumeist unverzichtbaren Firmenfahrzeugen. Nach Lenks Erfahrung honorieren es die Mitarbeiter, wenn sie bei der Ausstattung ein Wörtchen mitreden dürfen, etwas bei der Freisprecheinrichtung, beim Navigationssystem und beim Materiallager.

Krisenfester Job

Trotz der Digitalisierung wird Handwerkern, speziell im Bereich der Bauberufe, die Arbeit kaum ausgehen. Davon ist Lenk überzeugt. Denn Arbeiten und insbesondere Reparaturen an Häusern können nur dezentral ausgeführt werden. Sprich: Ein Arbeiter muss spätestens zum Austausch von defekten Teilen zum Kunden fahren. Der gleiche Umstand unterstreicht übrigens die Krisenfestigkeit so mancher handwerklichen Branche. Seit den 1960er Jahren wird immer mehr Technik in Häuser eingebaut. Ein breites Feld für Handwerker, wie eben Anlagenmechaniker und Heizungsbauer. "Wir haben viel mit Instandsetzung zu tun. Es wird immer etwas kaputt." Was für den Haus- oder Wohnungseigentümer natürlich ärgerlich ist, sichert den SHK-Fachkräften den Job. Denn wenn am eigenen Heim irgendetwas kaputt ist, lässt man es so schnell wie möglich reparieren - egal ob die Konjunktur gerade brummt oder nicht.

Vielseitige Erfahrungen

Gleichzeitig macht die Digitalisierung viele Berufe im Handwerk noch vielseitiger. Smart-Home hält in den Häusern Einzug und wird natürlich von Handwerkern installiert: Sei es vom Fensterbauer, der fernsteuerbare Jalousien montiert. Sei es vom Elektriker, der Sensoren einbaut. Sei es vom Heizungsbauer, der einen Kessel konfiguriert und ans Internet anschließt.

Die Querverbindungen zu anderen handwerklichen Berufen sind vielfältig, aber nicht nur im Digitalen, sondern auch ganz klassisch. Der Estrichleger kann erst weitermachen, wenn die Rohmontage vom SHK-Monteur im Bad erledigt worden ist. Zuvor waren schon die Maurer da - die kommen aber zwischendrin mal und errichten eine kleine Abtrennung im Bad und verputzen die Wände. Und erst wenn der Fliesenleger seine Kacheln an die Wand geklebt hat, rückt der SHK-Monteur wieder an und hängt die Waschbecken an die Wand. Wer nur einige Monate am Bau gearbeitet hat, kennt seine Handwerker-Kollegen und deren Gewerke. "Somit kann man sich auch für sein Eigenheim leichter helfen", sagt Lenk. Für einen Handwerksberuf sprechen also viele Argumente. Die Eignung lässt sich am besten bei Praktika herausfinden, die viele Schulen anbieten. Viele Innungsmeister, darunter Lenk, gehen deshalb in Schulen, um die angebotenen Berufe vorzustellen.

Für wen eignet sich Beruf des Anlagemechanikers? "Im Allgemeinen für gute Mittelschüler", sagt Lenk. Technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und gute Rechenfähigkeiten seien zudem von Vorteil. Abiturienten sind dabei gerne gesehen. Sie könnten nach der Lehre eine Technikerschule besuchen oder ein Studium aufnehmen. Der Vorteil dabei: "Sie kennen Theorie und Praxis."

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