24.11.2019 - 15:50 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Feuer und Verletzte: Feuerwehr Rosenberg übt mit dem BRK

"Mir ist ein leichenblasser aufgeregter Mann entgegengelaufen. Er ist sichtlich verwirrt und stammelt, es seien noch Leute im Haus!" Dieser Situation musste sich Übungsleiter Jochen Sandig stellen, als er am Einsatzort eintraf.

von Redaktion ONETZProfil

Es war eine Übung der Freiwilligen Feuerwehr Rosenberg in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Roten Kreuz und Laiendarstellern in einem Sanierungsobjekt, das derzeit Stefan Thar mit seiner Firma Biokonstrukt fertigstellt. Mit geschultem Vorgehen verschaffte sich Sandig einen Überblick über die Lage. "Im ersten Stock war Rauchentwicklung zu sehen. Eine verletzte Person lag auf dem Gerüst, nach Aussage des Passanten waren noch mehrere Personen im Gebäude."

Alle zum Sammelplatz

Mittlerweile trafen auch die Kräfte des BRK mit zwei Fahrzeugen ein. Ein Sammelplatz für Verletzte Personen wurde festgelegt. Atemschutzträger der Feuerwehr legten ihre Ausrüstung an und drangen mit Wärmebildkameras in das Gebäude ein. Sie fanden bewusstlose Personen mit verschiedenen Verletzungen und Rauchgasvergiftungen. Feuerwehrarzt Dr. Sven Mörk erstellte Diagnosen und übergab die Verletzten an die Einsatzkräfte des BRK. Sebastian Schötz, Gruppenführer des BRK: "Die Platzverhältnisse für Fahrzeuge, Sicherheitszonen und der Raum für die Patientenübergabe war schon beengt. Da muss man sehr koordiniert zusammen arbeiten. Mit der Feuerwehr Rosenberg hat das hervorragend geklappt!"

Die Verletzten wurden verbunden, bekamen nach ärztlicher Maßgabe Schmerzmittel gereicht. Die Personen mit Rauchgasvergiftung erhielten Sauerstoff. Manchmal war die psychologische Betreuung wichtiger als jede physische Maßnahmen. Decken verhinderten das Auskühlen der Patienten. Auch der Weitertransport in umliegende Krankenhäuser wurde organisiert.

Video von der Notfall-Übung

Infrastruktur aufgebaut

Sorgen bereitete den Rettungskräften der Verletzte auf dem Gerüst. Er war offensichtlich gestürzt, und die Frage nach einer schweren Rückenverletzung stand im Raum. Der Feuerwehrarzt stellte der noch ansprechbaren Person viele Fragen, untersuchte, organisierte und überwachte dann den Abtransport mit einer Schleifkorbtrage.

Die Atemschutzträger konnten in der Zwischenzeit die Ursache für die Rauchgasentwicklung lokalisieren und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten. Schnell und effizient hatte der Löschtrupp schon nach dem Eintreffen für die Infrastruktur zum Löschen gesorgt und Schläuche und Verteiler verlegt. Zudem wurden alle Räume gewissenhaft nach Personen untersucht.

Feuerwehrarzt Dr. Sven Mörk war mit der Übung hoch zufrieden: "Die Zusammenarbeit mit den Rettungskräften des BRK und der Feuerwehr klappte hervorragend. Vor allem die zielgerichtete Kommunikation zwischen den Beteiligten sorgte dafür, dass Maßnahmen schnell und sicher durchgeführt wurden."

Überzeugt vom positiven Ergebnis der Übung war auch Einsatzleiter Jochen Sandig: "Beim Ermitteln der Lage fand ich Rauchentwicklung und verletzte Personen vor. Dann griff wie bei einem gut geölten Getriebe ein Zahn in den anderen, und die Situation konnte durch Feuerwehr und BRK schnell geklärt werden."

Professioneller Ablauf

Für Alexandra Ottmann, die eine Verletzte mit Kopf- und Armverletzung darstellte, war die Grenze zwischen Realität und Übung fließend: "Rauch, Befehle, Kälte, Uniformen. Alles war so realitätsnah. Es war eine sehr interessante Erfahrung!" Stefan Thar, der das Gebäude für die Übung zur Verfügung gestellt hatte und von Mitgliedern der FWU (Freie Wähler Umland) als Darsteller von Verletzten unterstützt wurde, handelte auch aus Selbstzweck: "Ich finde es wichtig, dass die Feuerwehr am Objekt üben kann. Dann werden im Ernstfall die Einsatzkräfte nicht mit einer völlig neuen Situation konfrontiert. Der professionelle Ablauf, das Arbeiten Hand in Hand, das alles hat mich schon sehr beeindruckt. Ich bin froh, dass ich für eine realistische Übung am Objekt der Feuerwehr und dem BRK zu Seite stehen durfte."

Kurze Zeit später war alles wieder aufgeräumt, und die Einsatzfahrzeuge fuhren vom Platz. Im Feuerwehrhaus in Rosenberg wartete bereits eine Brotzeit. Bei einer so guten Zusammenarbeit muss dem Miteinander einfach ausreichend Raum und Zeit gegeben werden.

Drei Fragen an Feuerwehrkommandant Jürgen Schloss

ONETZ: Der Einsatz in der Hennebergstraße stellt die Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen. Welche Probleme sind zu bewältigen?

Jürgen Schloß: Steile Auffahrten, enge Gassen, die man mit Einsatzfahrzeugen nicht befahren kann, das ist unsere Herzogstadt, das ist Rosenberg. Das stellt uns Feuerwehrleute immer wieder vor ganz besondere Aufgaben. Die Übung in der Hennebergstraße zusammen mit dem BRK war insofern eine Herausforderung, weil wir auf doch engen Verhältnissen die Fahrzeuge für die Einsatzkräfte unterbringen müssen.

ONETZ: Aus dem Gebäude konnten sieben verletzte Personen geborgen werden. Wie war die Zusammenarbeit von Feuerwehr und Rettungsdienst?

Die Effizienz der Zusammenarbeit von Feuerwehr und Bayerischem Roten Kreuz ist auch immer eine Frage der Kommunikation. Und hier kann man beiden Teams wirklich nur beste Noten geben. Hier wurden miteinander Probleme gelöst, so wie es auch sein soll.

ONETZ: Welchen Stellenwert hat die Übung am Objekt?

Die Übung am Objekt kann durch Theorie nicht ersetzt werden. Hier werden die Einsatzkräfte mit realistischen Szenarien konfrontiert. Wir sind Herrn Thar dankbar, dass er uns das Gebäude in der Hennebergstraße für diese Übung zur Verfügung gestellt hat. Bei solchen Einsätzen am Objekt gewinnt man immer neue Erkenntnisse.

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